Verein feiert 35. Geburtstag

Eine Brücke als Lebenshilfe

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Starnberg – Mit einem kleinen Festakt in der Schlossberghalle feierte der Verein „Brücke“ am Dienstag seinen 35. Geburtstag.

Gerd Weger, der Vorsitzende, lobte vor allem die nach wie vor hervorragende Zusammenarbeit mit dem Amtsgericht, der Stadt Starnberg, dem Amt für Jugend und Sport im Landratsamt und den vielen weiteren Institutionen, die sich um Jugendliche kümmern. Einen ganz besonderen Dank sprach er dem aktuellen Team aus: „Ohne ihr großartiges persönliches Einbringen würde vieles nicht so laufen.“

Vor 35 Jahren gab es für die Justiz nur wenige Möglichkeiten auf die Straftat eines Jugendlichen zu reagieren. Geldbußen, Arrest oder Jugendstrafe waren die übliche Praxis. Die Entwicklung neuer sozialpädagogischer Ansätze für junge Straftäter Ende der 1970er Jahre war das gemeinsame Ergebnis von Forschung, Politik und Praxis mit dem Ziel, effektiver auf Jugendkriminalität zu reagieren. Vor diesem Hintergrund wurde die „Brücke“ Starnberg am 22. September 1980 gegründet. „Und wir waren eine der Ersten in der Bundesrepublik, die sich mit dieser Einrichtung der Jugendlichen angenommen haben“, erinnerte Gerd Weger an die Anfänge. Statt Jugendstrafe hat man damals begonnen, mit sogenannten ambulanten Angeboten die Lebensumstände der jungen Leute zwischen 14 und 21 Jahren in den Vordergrund zu rücken und ihnen individuell entsprechende Hilfe anzubieten. Der Fokus wurde auf Erziehung und Unterstützung gelegt, Repression wurde durch Motivation ersetzt.

„Als häufigstes Delikt war in den 1980er Jahren das frisierte Mofa“, beschrieb Weger die damalige Statistik der Jugendstraftaten. „Heute ist das kein Thema mehr, und die Betäubungsmittelverstöße haben sich in den vergangenen Jahren verzehnfacht“, so der Vorsitzende. Aufgabe der „Brücke“ ist es, die Jugendlichen mit ihrer Tat zu konfrontieren, ihre Sozial-Fähigkeit zu verbessern und sie dabei zu unterstützen, Verantwortung zu übernehmen. Am Ende soll ein selbstbestimmtes Leben stehen. Zu diesem Ziel führen Programm wie „update“ (für Schulverweigerer) oder der Täter-Opfer-Ausgleich (für jugendliche Gewalttäter). Zu den vielen sozialen Einrichtungen und Institutionen, die die Arbeit des „Brücke“-Teams unterstützen (für Sozialstunden und Therapieplätzen) sagte Gerd Weger ebenfalls Danke für die dreieinhalb Jahrzehnte Zusammenarbeit. „Ich hoffe, sie bleiben uns auch in Zukunft gewogen.“

Während Tim Weidner in seiner Funktion als zweiter stellvertretender Landrat den Erfolg der „Brücke“ vor allem an der konstanten Zusammensetzung des Teams ausmacht, hob der Starnberger Vizebürgermeister Klaus Rieskamp den „vorbildlichen Weg“ hervor, den vor 35 Jahren „ein paar Starnberger Bürger eingeschlagen haben“. Rieskamp appellierte vor allem an die Erwachsenen, sich ihrer Vorbildfunktion bewusst zu werden. Als Geburtstagsgeschenk hatte er eine Spende von 500 Euro des Stadtrats für den Verein dabei. Und Amtsgerichtsdirektorin Sybille Fey scherzte, „eigentlich hätte ich auf das Redemanuskript zum 30-Jährigen zurückgreifen können, denn an der hervorragenden Zusammenarbeit zwischen Amtsgericht und Brücke“ habe sich nichts geändert.

Bevor Bernhard Frühauf, der ehemalige Jugendamtsleiter im Starnberger Landratsamt und „Brücke“-Mitglied, die Ehrenmitgliedschaft überreicht wurde, erläuterte der Politik- und Sozialwissenschaftler Professor Christoph Fedke seinem Festvortrag das Versagen von Eltern, Gesellschaft und Schulsystem. Vor allem kritisierte er, dass die Kinder- und Jugendpolitik in der Gesellschaft nach wie vor eine untergeordnete Rolle spielt. Musikalisch umrahmt wurde der Abend vom Jungen Streichquartett der Musikschule Starnberg. Oliver Puls

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