Tag der Ausbildung

Blick hinter die Kulissen

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Landkreis – 80 Unternehmen nehmen heuer am Tag der Ausbildung teil. Und am unterrichtsfreien Buß- und Bettag steigen 416 Schüler des Landkreises freiwillig aus den Federn und fassen auf insgesamt 21 Routen am fünften Tag der Ausbildung eine mögliche berufliche Zukunft ins Auge

 - und mehr als 100 von ihnen besuchen die Realschule Herrsching. In kleinen Gruppen reist der Nachwuchs unter der Aufsicht von zwei Lehrern einen Tag lang zu je vier Unternehmen. Kreisboten-Mitarbeiterin Michèle Kirner schließt sich „Fußroute 3“ an. Die Route führt durch medizinisch-kaufmännische Ausbildungsmöglichkeiten und sie begleitetet die Gruppe von sieben Kindern in das Johanniter Haus Herrsching und in die Zahnarztpraxis Dr. Menzel & Kollegen. Der erste Stopp gilt der Senioreneinrichtung. Nicht nur die Eritreer staunen über den Hotelcharakter der Einrichtung. Die beiden besuchen aktuell die Berufsschule Starnberg. Mohamad (17) steckt mitten in der Ausbildung zum Krankenpfleger und Tekla (20) arbeitete in seiner Heimat als Frisör. Heime wie diese kennen sie von Zuhause nicht. Einrichtungsleiterin Martina Eßbach demonstriert anhand eines Baumes die Karrierechancen dieses Berufszweiges, die bis zum Studium an der FH oder zur Ausbildung als Einrichtungsleitung führen. Auch die stellvertretende Pflegedienstleiterin Kristina Wincent studiert neben der Arbeit bei den Johannitern. Als Kind pflegte sie ihre Großmutter, wuchs schon früh in den Beruf hinein. Ob einer der Anwesenden schon einmal einen Angehörigen versorgt habe, fragt Eßbach. Zögernd hebt Simone die Hand. Die 16-Jährige sei ihrer Oma nach der Schulter-OP beigestanden. Patricia (14) und sie besuchen die Tutzinger Realschule. Angetan von den lichtdurchfluteten Räumen und dem warmen Miteinander von Pflegern und Senioren, rückt die Führung ihr bisheriges Bild eines Heimes zurecht. „Wir dachten, hier würden die Alten abgeschoben.“ Den Beruf wirklich vorstellen können sie sich allerdings nicht. Noch nicht. Das Mindestalter für Auszubildende ist 18 Jahre. Aus gutem Grund, schließlich pflege man die Menschen hier bis zu ihrem Tod, gibt der Lehrer der örtlichen Realschule Stefan Klobeck zu bedenken.

Die nächste Station führt in ein vertrauteres Ambiente: die Zahnarztpraxis am Rathaus, in der sie heute hinter die Kulissen schauen dürfen. Vom automatischen Bestellsystem über Dentalhygienik bis hin zum Gebissabdruck gibt es auch hier einiges zu sehen. Auch dürfen sie selber Hand anlegen. Sabrina (14) und Sofie (13) kneten die Algenpaste und nehmen einen Abdruck von Christine Tromlers Gebiss. Vielversprechend, lobt die Zahnarzthelferin. Auch diese Ausbildung endet nicht zwangsläufig beim Zahnarzthelfer. Die Achtklässlerinnen der örtlichen Realschule sind nicht nur von den schönen Räumlichkeiten angetan. Die Eindrücke des Tages müssen sie allerdings noch auf sich wirken lassen. Die beiden Eritreer sind da schon weiter. Sie könnten sich beide Optionen vorstellen. Holger Menzel würde sich über Auszubildende freuen. Trotz der ansehnlichen Praxis und mitarbeiterfreundlichen Arbeitszeiten hat auch der Zahnarzt Schwierigkeiten, Nachwuchs zu rekrutieren.

Bereits zum fünften Mal organisierte die gfw Starnberg heuer den „Tag der Ausbildung“. Mit der Rekordzahl von 80 teilnehmenden Unternehmen konnten Schülerinnen und Schüler auf 21 angebotenen Routen landkreisübergreifend bis Planegg und Gräfelfing in verschiedenste Branchen hineinschnuppern. Thematisch gegliedert erlebten die potentiellen Auszubildenden in je vier Groß- und/oder Kleinbetrieben die Berufsgruppen bei der Arbeit mit. Von handwerklichen, kaufmännischen, technischen über sozialpflegerische oder einer gastronomischen Tour deckte die gfw auch dieses Jahr wieder einen großen Teil der beruflichen Möglichkeiten ab. mk

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