gfw wird 15

Die Vernetzer und Moderatoren

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Landkreis – Die „Gesellschaft zur Förderung der Wirtschafts- und Beschäftigungsentwicklung im Landkreis Starnberg“ – kurz gfw – ist still und leise 15 Jahre alt geworden.

Und zwar am Tag der Verleihung des Landkreis-Wirtschaftspreises am 13. Oktober. Landrat Karl Roth erinnerte an dem Abend daran, wie man vor 15 Jahren mit dem Vertrag beim Notar gewesen sei.

Gründungsgeschäftsführer war Fritz David, der bereits im Starnberger Landratsamt mit allerhand Aufgaben betraut war. Ihm folgte im Dezember 2001 Oliver Reitz, der bis Juni 2004 vor allem die teils sehr unterschiedlichen Interessen der Gesellschafter – Landkreis, Unternehmerschaft und Gemeinden – bündeln sollte. Weitere Schwerpunkte seiner Ägide waren die Entwicklung weiterer Gewerbegebiete und das Flächenmanagement.

Christoph Winkelkötter, der seit Juli 2004 der gfw als Geschäftsführer vorsteht, weiß noch gut von seinen Anfängen in Starnberg: „In anderen Bundesländern gab es bereits ganze Abteilungen, die sich mit Wirtschaftsförderung beschäftigten.“ Im Freistaat wurde das Thema noch recht „stiefmütterlich“ behandelt. Mittlerweile ist die gfw im Landkreis ein fester Begriff, niemand fragt mehr nach, was die drei Buchstaben bedeuten. Aus der Ein-Mann-Show entstand mit den Jahren ein vierköpfiges Team. Was natürlich an den gewachsenen Anforderungen liegt. Denn Wirtschaftsförderung bedeutet heute nicht mehr nur, in einer Kommune ein Gewerbegebiet zu entwickeln und politische Gremien bei deren Entscheidungsfindung zu beraten. Eine Lotsenfunktion habe die gfw, sie ist Schnittstelle zwischen Behörden und Unternehmen, Winkelkötter selbst umschreibt seine Rolle auch mit der eines Moderators. „Es geht darum, unsere Region zu entwickeln. Wo lernen die jungen Leute, gibt es genügend bezahlbaren Wohnraum, wo einen Kindergartenplatz?“, nennt Winkelkötter ein Beispiel, das für die Entwicklung von Unternehmen und Kommunen wichtig ist. Der öffentliche Nahverkehr, eine gute medizinische Versorgung und ein breites Bildungsangebot für die Kinder sind neben der hohen Lebensqualität im Fünfseenland als Standortvorteil genauso wichtig und ausschlaggebend dafür, ob sich ein Unternehmen hier ansiedelt und ob es Personal findet. Der jüngste Erfolg in Sachen Infrastruktur: Auch in der Ammerseekommune Herrsching wird es ab Dezember großflächig „schnelles Internet“ (Breitband) geben.

Einen Namen hat sich die gfw auch nach dem Konkurs von Fairchild Dornier im September 2002 gemacht. „Es standen 4.500 Arbeitsplätze auf dem Spiel“, erinnert sich der Geschäftsführer, die gfw habe damals gemeinsam mit der Agentur für Arbeit die Mitarbeiter vor Ort in Oberpfaffenhofen beraten. „Wenn so ein Arbeitgeber wegfällt, hat das auch große Auswirkungen für die gesamte Region“, beschreibt Winkelkötter. Später hatte auch die gfw maßgeblichen Anteil daran, dass im Zuge der Dornier-Insolvenz das Areal neu entwickelt wurde. Unter anderem entstand dort der Asto-Park, der mit den Jahren viele andere Firmen der Luft- und Raumfahrtindustrie, Satellitennavigation und Robotik anzog. Das Busunternehmen Spheros fand dort Platz, und auch der Gautinger Flugzeugausrüster AOA, der dringend mehr Produktionsfläche benötigte, konnte an der Friedrichshafener Straße einen Standort finden. Letzteres ist Christoph Winkelkötter übrigens „eine Herzensangelegenheit“. Unternehmen müssten unbedingt gehalten werden, „wer weg geht, kommt so schnell nicht wieder“. Als aktuelles Beispiel nannte er das Seefelder Textilunternehmen Codello (Schals und Seidentücher), das im interkommunalen Gewerbegebiet von Inning und Wörthsee einen neuen Produktionsstandort gefunden hat.

Mit dem 2008 neu hinzu gekommenen Regionalmanagement, das bis dieses Frühjahr sechs Jahre lang unter der Leitung von Verena Papke stand, wurde vor fünf Jahren zum ersten Mal der Tag der Ausbildung veranstaltet. Der Besuch von Schülern in den Betrieben im Landkreis hat sich zum oft nachgeahmten Erfolgsmodell entwickelt. Heuer freut sich Regionalmanagerin Kathrin Kollmann darüber, die Achtzigermarke geknackt zu haben. Mehr als 80 Unternehmen, Behörden, Betrieb und Praxen öffnen in diesem Jahr potentiellen Azubis ihre Pforten und Werkstore, um einen Einblick in die vielschichtigen Berufsbilder zu geben. Verena Papke war es auch, die den Prozess für eine Standort-Markenstrategie ins Rollen gebracht hat. Und mit Mandy Schwausch konnte in den vergangenen Jahren das Konversionsmanagement installiert werden, das sich vor allem mit der Nach-Nutzung des Areals der ehemaligen Fernmeldeschule in Feldafing befasst. Die Gewerbemesse innoSTA, die heute maßgeblich von Daniela Tewes betreut wird, wurde in den vergangenen 15 Jahren aus der Taufe gehoben, der alljährliche Wirtschaftspreis geht auf die gfw zurück und ein GIS-basierte Unternehmensdatenbank (geografisches Informationssystem) für den Landkreis Starnberg wurde in diesem Frühjahr installiert. Dazu kommen die Unternehmer-Frühstücke, die Dialoge zwischen Politik, Wirtschaft, Behörden und der Bevölkerung sowie die regelmäßigen Beratungstermine für Existensgründer. Die nächsten Herausforderungen: Die Fusion mit dem Tourismusverband sowie die Integration der Flüchtlinge in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt. Oliver Puls

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