Lebhafte Diskussion im Trockenen

Generalsanierung oder Neubau der Grundschule Wörthsee war das große Thema bei der Bürgerversammlung vergangene Woche in Wörthsee. Über 200 Besucher versammelten sich in der voll besetzten Turnhalle und sorgten für eine lebhafte Diskussion.

„Die Sorge, dass sich die Finanzkrise auf unsere Kommune auswirkt, hat sich nicht bestätigt“, so Bürgermeister Peter Flach zu Beginn der zweieinhalbstündigen Versammlung. Eine Neuverschuldung in 2009 war nicht erforderlich. Trotz Einbußen in der Gewerbesteuer und rückläufiger Einnahmen in der Einkommenssteuer sank die pro Kopfverschuldung um weitere 9,3 Prozent auf 599 Euro. Eine Rücklage von fünf Millionen Euro und Verbindlichkeiten in Höhe von 2,8 Millionen Euro „ist aus unserer Sicht sehr erfreulich“, so Flach und „lässt Hoffnung auf 2010“. Die Diskussion um einen denkbaren Neubau der Grundschule sei nur möglich, weil gespart wurde. Dennoch äußerten manche Bürger Bedenken hinsichtlich Finanzierung. Vor allem vor dem Hintergrund, dass zur Finanzierung des Neubaus unbebaute Grundstücke in Hanglage entlang der Graf-Toerring-Straße verkauft werden sollen. Wie marode die Schule ist, brachte Schulleiterin Andrea Torggler auf den Punkt. „Heute Abend haben die Besucher in der Turnhalle großes Glück, im Trockenen sitzen zu dürfen.“ An Regentagen sei es nass. Überall bilden sich Pfützen. Das Dach ist undicht. Für die Kinder ist es Schulalltag. Sie sind den Anblick der Eimer gewohnt, die überall stehen, um Regenwasser von der Decke aufzufangen. Im Winter müssen sie sich warm anziehen, um im Unterricht nicht zu frieren. Mehr als 17/18 Grad gibt die Heizung nicht her. Im Sommer herrschen dagegen tropische Temperaturen in den Klassenzimmern. Dieser Zustand sei nicht länger zumutbar. „Weder für die Schüler noch für die Lehrer“, sagte die 2. Vorsitzende des Elternbeirats. Bürger wünschen Neubau Das Thema bewegte die meisten Bürger. Viele wünschen einen Neubau zum Wohl und zur Sicherheit der Kinder. Dieser wäre ein erheblicher Mehrwert für die Infrastruktur der Gemeinde. Pfarrer Christoph Breit aus Inning unterstrich zudem, dass ein Neubau die Chance auf eine barrierefreie Schule ist. Körperlich behinderte Kinder würde der Zugang ermöglicht. Bei einer Generalsanierung müsste sich die Gemeinde zudem auch vom Urheberrecht des Architekten freikaufen. Ein Bürger bezeichnete das 37 alte Schulhaus als „Funktionsruine“. Magenschmerzen bereitete dagegen manchen Bürgern eine eventuelle Durchgangsstraße. Auch weil der Verkehr dann direkt an der Schule vorbeiführt. Laut dargestellter Kostenplanung kommt die Gemeinde eine Generalsanierung zudem teurer als ein Neubau. In diesem Punkt äußerte allerdings eine Bürgerin Bedenken. Sie stellte das Zahlenwerk in Frage und interpretierte die ihrer Meinung nach zu hoch angesetzten Sanierungskosten, als Grund dafür, „den Gemeinderat zu einem Neubau zu motivieren“. Peter Flach hatte keine Veranlassung der Studie zu misstrauen. „Dass mir manche unterstellen, in dieser Sache Druck zu machen, ist richtig“, so der Rathauschef. Bei ihm gehen massive Klagen vieler Eltern ein. „Wir müssen eine Entscheidung treffen. Jetzt muss was passieren.“ Ob Neubau oder Sanierung wird der Gemeinderat entscheiden. „Nach wie vor haben wir Schwierigkeiten mit der Heizung, dem Dach, den Fenstern, der Dämmung und dem Sonnenschutz“, zählte Flach auf. Die Liste der Mängel sei noch länger. Auch fehlt zur Sicherheit der Kinder eine eigene Bushaltestelle. „Aufgrund unserer positiven Finanzen ist ein Abriss wirtschaftlicher als eine Sanierung.“ Zudem stellte Flach klar, dass es sich bei der Studie um eine Machbarkeitsstudie handelt, die dazu dient die Finanzen anzuschauen. „Wir wissen heute nicht, ob es jemals eine Durchgangsstraße geben wird. Das Jugendhaus bleibt erhalten oder erhält einen neuen Platz“, versprach Flach. „Verschwinden wird es nicht, solange ich hier Bürgermeister bin.“ Auf weitaus weniger Interesse stieß bei den Bürgern die bereits beschlossene Auslagerung des Wasserwerks an die AWA Herrsching. „Das Thema Wasser wird uns noch beschäftigen, wenn die neue Schule längst abgerissen ist“, mahnte Arthur Schnorfeil. „Nirgendwo finden sie besseres Wassers, das ist ein Wert worüber nachzudenken ist“, so der SPD-Gemeinderat. Peter Flach zweifelte nicht an der Trinkwasserqualität. Schließlich ist der AWA oberstes Ziel ein, „nachhaltiger Gewässerschutz im Einklang mit der Natur“. Auch werden die Wasserpreise stabil bleiben, sagt Flach. Die AWA sei ein non-profit Unternehmen. Die Maßnahme der Auslagerung ist kein Schritt zur Privatisierung. „Das Wasserwerk haben wir auch nicht verschenkt, wie Schnorfeil behauptet“, stellte Flach klar. „Diese Form der Übertragung stellt keine Schenkung dar. Zudem ist es zulässig das Wasserwerk auf ein Kommunalunternehmen zu übertragen.“ Als letzten Punkt kam Flach auf das interkommunale Gewerbegebiet zu sprechen. „Wir hatten mit unlösbaren Problemen zu kämpfen, aber die Beharrlichkeit der Gemeinde hat sich bezahlt gemacht.“ Im Juli hatte die Regierung von Oberbayern den favorisierten Standort abgelehnt. Auf Druck der Gemeinde kam es zu einer nochmaligen Besichtigung. „Dann erhielten wir die Nachricht, dass dem Standort doch zugestimmt wird“, berichtet Flach. Zwei Probleme gilt es jetzt noch zu lösen. Zum einen liegt der künftige Gewerbepark in einem Landschaftsschutzgebiet und zum anderen in einem überregionalen Grünzug. „Es tut sich was, ich bin zuversichtlich, dass wir bald am Ziel sind.“

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