Lehrreich für Kinder

Elisabeth Seidls Passion für einen naturverbundenen Landbau lebt auch nach ihrem Tod vor zwei Jahren in Gräfelfing weiter. Auf einer Grünfläche von rund vier Hektar betreibt die Seidlhof-Stiftung am Neunerberg an der Grenze zu Planegg Öko-Landbau. Naturliebhaber können dort ökologischen Landbau in seiner ganzen Bandbreite erleben. Für die vielen Schulklassen, die auf den Neunerberg zu Marco Zehner kommen, ist der Platz ein Ort des Erlebnis und Lernens von Natur.

Enthusiastisch bewirtschaftet Agrar-Ingenieur Marco Zehner seit 2006 den an die Würm-Auen angrenzenden Grund und Boden. Besonders beliebt ist der Ort bei Kindern und Schülern aus Gräfelfing und Planegg. Zahlreiche Schulklassen nehmen begeistert an Lehraktionen teil. Pflanzen Bäume und Hecken, legen Kartoffeln und säen Getreide aus. Das „Kartoffelprojekt“ ist besonders gefragt. Ob Kartoffel legen im April, Unkraut jäten oder Kartoffelkäfer einsammeln, die Kinder sind eins mit der Natur. Wenn sie Ende Juli wieder zum Ernten der Frühkartoffeln aufs Feld kommen, ist die Freude riesengroß über den Ertrag. Ihre Kartoffeln dürfen sie natürlich mitnehmen. Was übrig bleibt wird direkt auf dem Feld an Kunden verkauft. Demnächst startet auch ein neues Projekt in Zusammenarbeit mit dem Kreisjugendring. Unter dem Motto eine Woche Bauernhof lernen die Kinder bei Marco Zehner wie das Korn ins Brot kommt. Gemeinsam soll das Getreide gemäht und gedrescht werden. Teils von Hand, teils mit der Maschine. Nach dem Mahlen dürfen die Kids ihr Mehl selbst zum Brotteig verarbeiten und dann auch gleich vor Ort backen. Hierfür hat Zehner schon einen Ofen organisiert. „Wenn die Kinder beim nächsten Mal ins Brot beißen, wissen sie genau wie es entsteht und das ist unser Ziel. Gleichzeitig freut es uns sehr zu sehen, mit welch großen Eifer die Kinder an die Arbeit gehen und sich an der Natur erfreuen.“ An den schönen Pflanzen und Blumen wie auch an den Kartoffelkäfern. Diese praktische Heranführung an die Natur ist für Kinder und Erwachsene gleichermaßen interessant. Deshalb gibt’s auch Führungen für die Öffentlichkeit. Bei seiner Arbeit unterstützt ihn seine Ehefrau Steffi, die mit der gleichen Leidenschaft dem Bio-Landbau verbunden ist wie ihr Mann. Was man am Neunerberg alles lernen kann und welche Aktionen stattfinden, erlebten jüngst die Gräfelfinger Gemeinderäte. Zusammen mit Eberhardt Reichert, dem Stiftungsvorstand überzeugten sie sich bei einer Begehung vor zwei Wochen von der hervorragenden Arbeit der Stiftung. Ganz im Sinne von Elisabeth Seidl wird diese ihrem Zweck gerecht und fördert Pflanzenzucht, Umweltschutz, Wissenschaft und Forschung, Bildung und Erziehung wie auch das öffentliche Gesundheitswesens im Bereich des naturgemäßen biologischen Land- und Gartenbaus durch Anbau auf eigenen Flächen. „Unser Anliegen ist es auch Kulturpflanzen wie Einkorn und Emmer aus der heimischen Region zu erhalten, die längst in Vergessenheit geraten sind“, so Zehner. Eine weitere Attraktion ist der Schaugarten. Dort wachsen Heilpflanzen wie Mariendisteln und Koriander zusammen mit Silphie, Chinaschilf, Pappeln, Amaranth und Quinoa, die man auch als Energiepflanzen kennt. Abschließend betont Zehner, „dass wir hier zwar das Wissen um die Natur und ihre Nutzung wie zu früheren Zeiten vermitteln, aber unseren Betrieb nicht wie vor hundert Jahren führen. Wir bewirtschaften unseren Betrieb so, dass er eins zu eins auf jeden anderen Bauernhof übertragen werden kann.“

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