Die Leidensgeschichte beenden

Mit 15:1- Stimmen ging der Grob-Entwurf für das „Seehof“-Areal ins Bebauungsplanänderungsverfahren. Foto: Jaksch

Zum bereits zweiten Mal war der von Gemeindeseite beauftragte Architekt Meier-Scupin jüngst in den Tutzinger Gemeinderat gebeten worden, um ein Konzept für die Bebauung des „Seehof“-Areals vorzustellen und dem Planungswillen der Gemeinde Ausdruck zu verleihen. Diesmal wurde auch die Umgebung etwas mehr ins Auge gefasst, es ging auch um die Auswirkungen der Bebauung mit einem Hotel mittlerer Größenordnung („Kreativ-Hotel“) auf ein ebenfalls gewünschtes neues Ortszentrum.

„Es wurden Gespräche mit Anrainern und mit dem neuen Architekten der Grundstückseigentümer geführt“, berichtete Meier-Scupin dem Plenum. Er betonte, dass er „stets ein Konzept und keine konkreten Gebäude“ vorgeschlagen habe, deshalb erachte er es auch als sinnvoll, den Planungsumgriff zu erweitern: Die Grundzüge dieses Konzepts sehen weiterhin ein Hotel mit Tiefgarage vor, deren Größe „diskutabel“ sei (ein oder zwei Untergeschoße); oberirdisch sei eine Zufahrtserschließung über die Schlossstraße wünschenswert, ohne Durchgangsverkehr, aber mit verkehrsberuhigter Flaniermeile Richtung See (und Erhalt des Bierstegs): Hierfür wäre freilich die Zustimmung der Evangelischen Akademie beziehungsweise der Landeskirche vonnöten, ihren angestammten Park-Raum für 50 Stellplätze aufzugeben. Für „unwahrscheinlich“ hielten dies einige Gemeinderäte, andere wie Rudolf Krug (ÖDP) plädierten dafür, wenigstens zu verhandeln. Zu schaffen machte dem Plenum auch der Umstand, dass der westliche von zwei U-förmig geplanten Bauten über die Baugrenzen hinaus etwa einen Meter in die Schlossbergstraße ragen würde, so zumindest das Grobkonzept, welches ein „Sondergebiet Fremdenverkehr“ dort vorsieht, wo das Hotel hin soll. Wolfgang Marchner (Bürger für Tutzing) bemängelte, dass von der ursprünglichen Idee eines marktplatzartigen neuen Ortszentrums gemäß Scupin-Entwurf kaum noch etwas übrig bleiben würde: Zu viel Verschattung durch bedrängende Bauten, Zerstörung der Sichtbeziehungen zum See, so Marchner: „Der Bürger hat nichts davon.“ Der Planer umschrieb die Sache euphemistisch so: „Ein weiteres Gebäude würde dem Marktplatz mehr Halt geben.“ Das Dilemma bei seinem Konzept sei es eben, dass es „ohne konkrete Gebäude-Planung“ auskommen müsse – die sei immer noch Sache der Grundstückseigner. Ernstl Lindl (CSU) konnte sich mit dem Konzept schon eher anfreunden: „Breitere Nutzung der Schokoladen-Seite Richtung Osten“, lobte Lindl und meinte die aufgelockerte bauliche Nutzung des Grundstücks zum See hin. Was die Tiefgarage angeht, dürfte ein zweites Untergeschoß wegen der See-Nähe auf ähnliche Probleme stoßen wie seinerzeit die „Seearkaden“ in Starnberg. Doch das ist Zukunftsmusik: Zunächst ging der Grob-Entwurf mit 15:1-Stimmen ins Bebauungsplanänderungsverfahren – dort, so Gemeindejurist Klaus Thoma, müsse allerdings das Maß der baulichen Nutzung konkret und zwingend benannt werden. Man wolle zügig voran kommen, so Bürgermeister Stephan Wanner, „um die Leidensgeschichte dieses Grundstücks nach 20 Jahren endlich zu beenden.“

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