In letzter Minute

Endlich haben Herrschings Gemeinderäte den längst überfälligen Rathaus-Umbau in Angriff genommen. Nachdem zwei Planungsbüros in ihren jeweiligen Berichten von schwerwiegenden Mängeln und von einer Gefährdung der Mitarbeiter im Brandfall schreiben und der Nutzungsentzug drohte, hat der Gemeinderat jetzt verschiedene Umbauten im Gebäude sowie einen Anbau verabschiedet. Letzterer wird vor allem aus Brandschutzgründen gefordert.

Es gibt neue Türen, eine Brandmeldeanlage, Papier und andere entzündbare Gegenstände werden aus den Rathausfluren verbannt. All diese Maßnahmen sollen bereits in einigen Tagen in Angriff genommen werden. Der Treppenlift, der den einzigen Rettungsweg blockiert, wurde bereits stillgelegt. Damit aber nicht genug. Das zweite Obergeschoss im Rathaus könnte für die Mitarbeiter bei Feuer zur tödlichen Falle werden. Durch die hohe Fensterbrüstung können im Ernstfall die Beschäftigten nur langsam mit einer Drehleiter gerettet werden. Der Personalrat malte in seiner Stellungnahme ein düsteres Bild: „Im Notfall könnten vermutlich nicht alle Mitarbeiter gerettet werden.“ Damit nicht genug. Selbst an einem adäquaten eigenen Arbeitsplatz mangelt es bei den Beschäftigten. Weiter gebe es keine getrennten Toiletten im Haus, was ebenfalls nicht zulässig ist. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Gemeinderat einen umfangreichen Erweiterungsbau auf den Weg gebracht, musste diesen wenig später wegen leerer Kassen aber wieder zurück nehmen. Danach suchte man verzweifelt nach Möglichkeiten, für möglichst wenig Geld das Rathaus aufzumöbeln und sicherer zu machen. Architektin Claudia Schreiber, mit dem Umbau beauftragt, winkte allerdings ab. Ein halbwegs vernünftiger Anbau und die Erfüllung aller Sicherheitsauflagen nach dem bayerischen Baurecht gebe es nicht zum Null-Tarif. „Die Rathausmitarbeiter haben ein Recht auf sichere Arbeitsplätze“, betonte Bürgermeister Christian Schiller abermals vor dem Gemeinderat. Und dieser tat sich bei seiner jüngsten Zusammenkunft schwer, welche von Schreibers verschiedenen Varianten die Beste sein könnte, um die baulichen Mängel zu beseitigen. Mit einer dünnen Mehrheit von zwölf gegen neun Stimmen entschied sich das Gremium für die mit 1,24 Millionen Euro weitest gehende und auch teuerste Lösung. Im Vergleich: Auf 750.000 Euro wäre die günstigste Ausführung gekommen. Bei der verabschiedeten Variante befinden sich Treppenhaus, Aufzug und Toiletten in dem ostseitigen Anbau, daneben entsteht ebenerdig der neue Sitzungssaal, der unterkellert wird. Das Gebäude wird also verlängert; die heutigen Sitzungsräume könnten ohne großen Aufwand zu Büros umgebaut werden. Das Rathausdach soll zudem im Rahmen dieser Baumaßnahmen gleich energetisch saniert werden. Übrigens: Auf Ablehnung ist nicht der Umbau als solcher gestoßen, sondern der Umstand, dass die kostspieligste Variante verabschiedet wurde und sich Herrsching dadurch weiter verschuldet.

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