Liberale fuchsen Weidner

„Das erste Dutzend ist voll!“ stellte der scheidende SPD-Kreisvorsitzende Tim Weidner zu Beginn seiner Fastenpredigt zum Politischen Aschermittwoch fest. Bereits seit 1998 laden die Ortsvereine Starnberg und Gauting gemeinsam mit dem Kreisverband der Sozialdemokraten zum Politischen Aschermittwoch in die Schlossgaststätte Leutstetten ein.

War die Veranstaltung in früheren Jahren dank prominenter Gäste meist bestens besucht, schienen die Reihen diesmal ein wenig gelichtet: „Was ist denn bloß los bei Euch?“ fragte Weidner, als er die Abwesenheit der erkrankten Gautinger SPD-Haudegen Harald Schneider und Jürgen Schade zur Kenntnis nehmen musste. „Wir lassen doch heute erstmals die Puppen tanzen!“ versprach Weidner den geschwächten Genossen und meinte damit den Auftritt des Puppen-Kabarettisten Josef Pretterer und dessen philosophisches Programm „GENial“. Die Anwesenden bekamen dann zu Fisch und Schweinsbraten eine relativ kurze Ansprache Weidners serviert, die dennoch nahezu alle aktuellen Polit-Themen bündig und bissig abhandelte – Stichwort „Hundertwasser-Turm“ in Erling: „Nur gut, dass im letzten Kommunalwahlkampf von der Molkerei Scheitz rechtzeitig politische Landschaftspflege betrieben wurde. Man hat die CSU zum Dank für entschiedenes Befürworten sozusagen mit Joghurt geschmiert, der zu Wahlkampfzwecken in rauen Mengen verteilt werden konnte – immerhin Bio-Joghurt.“ Auch der aus Gauting stammende Bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil bekam sein Fett ab: Der habe „nichts gegen die klebrigen Finger des Freistaats unternommen, der rund ein Drittel der für die Kommunen vorgesehenen Mittel beim Konjunkturpaket II selbst behalten hat“, schimpfte Weidner. Überhaupt schien ihn vor allem die FDP zu fuchsen, denn er zitierte seinen fränkischen Landsmann Erwin Pelzig: „Die FDP ist nicht käuflich – man kann sie mieten!“ Im Gegensatz hierzu sei die SPD „die Partei des sozialen Ausgleichs“, Beispiel: Ausbau der Kinderbetreuung. Auch die Bildungspolitik des Freistaats kritisierte Weidner scharf: „Mittelschule? G8“? Kein Mensch, weiß, wohin die Reise geht.“ Damit hatte er auch wieder die CSU im Visier – und deren Landrat Karl Roth: Ob beim „Naturpark Fünfseenland“, beim Thema Verkehr oder der Flughafenerweiterung in Oberpfaffenhofen – stets habe die CSU nur „altbekannte Worthülsen“ zu bieten, aber keine Konzepte, Weidners Fazit und Kampfansage: „Lieber ein roter Landrat als ein Landrat Roth!“ Dann tanzten die Puppen.

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