Der Lyrikstier

Nikolaus Högel gewinnt Publikumspreis

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Hochstadt – „A achtmassige Kejnarin / schiabt durch d’Leit / wia da Raddampfa / durchn Ammasee / näbehornmassig / pressts ihr „Obacht“ naus.“ Erkannt?

Genau: Nikolaus Högel verdichtete ein echt bayerisches „Voixfest“ – und das Publikum im Gasthof Schuster kürte den Feldafinger und einen von 25 teilnehmenden Poeten am Wettstreit „Der Lyrikstier“ zu ihrem Liebling. Den Dichtern vorgegeben war „Heimat“ – und Heimat verwandelte der Publikumsliebling kurzerhand in ein Volksfest. Angereist waren die Teilnehmer aus ganz Deutschland, Norwegen, der Schweiz und Italien. Das Wort, mit dem sie konfrontiert wurden, war bis vor kurzem noch verpönt, wusste Norbert Göttler über „Heimat“. „Nicht überall wo Heimat drauf steht, ist auch Heimat drin“, wandte sich der Juror und Bezirksheimatpfleger von Oberbayern an die Zuschauer, die den Saal füllten – und der Publikumspreis hatte diesmal Lokalkolorit, denn nach dem Feldafinger, dichtete sich eine Herrschingerin auf Platz drei. Leni Gwinner nahm in ihren Zeilen die Rolle der schlecht gewarteten Teichpumpe ein, die täglich um 6.35 Uhr ihre Arbeit aufnahm. Bis „dieser einst so schöne Teich fängt langsam an zu stinken / Ich ersticke, drohe im Morast zu versinken / Mein einstes Heim wird ziemlich bald mein Grab / Warum schaltet nicht irgendwer den Strom mal ab?“ Platz zwei eroberte Reinhard Giebelhausen aus Weilheim, der in seinen Versen durch die Natur spazierte und auf kreative Wortkonstruktionen zurückgriff: „blaugelb beblütelten wegrand / auf grausteiniges pflaster / käferbetüpfelt“. Die Beiträge waren mal witzig und spritzig, mal hatten sie die Landschaft im Blick – oder waren wie in den Zeilen der von den Teilnehmern mit einem Preis prämiertenRegine Juhls von endloser Traurigkeit getragen. In „Muttersprache“ begleitete die Norwegerin die Zuhörer in ihre ostpreußische Kindheit, beschrieb ein Leben mit Gouvernanten, bevor die Familie nach dem Krieg in Not geriet und das Kind für ein bisschen Lohn arbeiten gehen musste. Qualitativ waren die Poeten heute allesamt potentielle Preisträger, stimmten Veranstalter Anton G. Leitner und seine Frau und Moderatorin Felizitas Leiter überein. So hatten die Juroren einige Favoriten, entschieden sich dann für Holger Küls aus Verden für „praha“. Weil er die „dichte, knappe und kompakte Nähe zu dem Thema“ bewahrte, begründete Juror Erich Jooß die Wahl. Den zum zweiten Mal ausgelobten „Sonderpreis Der Lyrikstier“, der vom Magazin „Bayerns Bestes“ gestiftet und von der Redakteurin und Jurorin Melanie Arzenheimer überreichte Gutschein ging an Katja John aus Leinburg-Weißenbrunn für „Von dem, was bleibt“. Wie immer betraten auch bekanntere Schriftsteller mit eigenen Werken die Bühne. Anton G. Leitner amüsierte mit Gedichten aus seinem aktuellen Band „Schnablgwax: Bairisches Verskabarett“, Arzenheimer sorgte mit urkomischer „poetischer Heimatkunde“ für Heiterkeit – und die erst 15-jährige Anna Münkel beeindruckte mit einer klaren, schönen Sprache. Als i-Tüpfelchen des Abends begeisterten schließlich die Schwabinger Bühnenurgesteine Michael Sailer und Moses Wolff mit kurzen, kabarettistischen Einlagen. Der vierte von Marcel Mur aus Frankreich geschmiedete Stier ging als Ehrenpreis an die Wirtsleute vom Gasthof Schuster, Norbert Harter und Christine Reithmeier. Die beiden sind im kommenden Jahr und zum 10. Geburtstag des Dichterwettstreits zwar nicht mehr Gastgeber, aber es kann gut sein, dass sie die Gäste des Lyrikstiers am 28. Januar 2018 in Gautings Kulturzentrum Bosco kulinarisch verwöhnen. Dann könnte sich alles um „Religion“ drehen. Oder es bleibt offen, gab sich Leitner geheimnisvoll. Allerdings ist sicher, dass ihm auch dann wieder Sabine Zaplin als Co-Mentorin zur Seite steht. mk

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