Mangelhafte Trinkwasserversorgung

Nur knapp ist Gilchings Bürgermeister Johann Bartl einem Knastaufenthalt entkommen.

Gilching – In keiner anderen Gemeinde im Landkreis Starnberg steht das Thema Trink- und Abwasser so häufig auf der Tagesordnung des Gemeinderats, wie in Gilching. Mal sind es Erschließungskosten, die zu Unrecht in Rechnung gestellt wurden. Mal kritisieren Bürger mangelnde Trinkwasserversorgung. Zwar musste deswegen die Kommune schon mehrmals vor Gericht erscheinen. Doch zur Androhung eines Gefängnisaufenthaltes ist es bisher noch nicht gekommen.

Anders vor 60 Jahren, als Gilching noch unter amerikanischer Besatzung war und dem damaligen Bürgermeister Josef Bartl (1948 bis 1956) durch die Militärregierung ein Gefängnisaufenthalt angedroht wurde. Grund für diese massive Bedrohung war die mehrmals beanstandete mangelhafte Trinkwasserversorgung in der Waldsiedlung. Die amerikanische Besatzungsmacht, die ab 1946 in Gilching 64 Häuser für ihre Familien beschlagnahmt hatte und fünf Jahre später immer noch 31 Häuser bewohnte, „forderte in drastischer Weise eine bessere Wasserversorgung für ihre beschlagnahmten Häuser". Auf ihren Befehl wurde dem Trinkwasser auch Chlor zugesetzt, was bis 1956 beibehalten wurde.   Der Bürgermeister aber lebte seinerzeit gefährlich. Laut Sitzungsprotokoll vom 3. Juni 1950 wurde Josef Bartl zum zuständigen Kommandanten nach Fürstenfeldbruck beordert. Dort wurde ihm von Leutnant Down zu verstehen gegeben, dass die schon Jahre vorher aufgezeigten Mängel scheinbar nicht beseitig sind. Bartl wurde eine Frist gesetzt, bis zu dieser er einen Mängel- und Instandhaltungs-Bericht abzugeben habe. Diese Frist jedoch wurde um einen Tag überschritten, woraufhin Leutnant Down mit einem Dolmetscher in der Wohnung des Bürgermeisters erschien „und ihm in scharfer Form Vorhaltungen machte, dass er diesen Bericht nicht als ernst zu nehmen auffasse“. Die Erklärungen Bartls, dass sowohl ihm wie auch dem Gemeinderat die Wasserversorgung mehr als ernst sei und sehr am Herzen liege, lehnte Leutnant Down als nicht befriedigend ab. Er drohte mit der Verhaftung, sollte nochmals ein Ausfall in der Wasserversorgung eintreten. Dann komme er auch nicht mehr selber, sondern veranlasse die Abholung durch die Militär-Polizei (MP).  Sowohl Bürgermeister wie auch der Gemeinderat verwahrten sich gegen die Vorwürfe, mit nicht genügend Tatkraft eine optimale Wasserversorgung zu erreichen. Vielmehr sei durch den extrem starken Zuzug, insbesondere in der Waldsiedlung, und auch durch Stromschwierigkeiten und fehlende finanzielle Mittel für notwendige Reparaturen der Zustand des Wassernetzes noch nicht optimal. Als Beschluss wurde im Sitzungsprotokoll festgehalten: „Gegen die Androhung der Verhaftung des 1. Bürgermeisters legt der gesamte Gemeinderat Verwahrung ein und erklärt sich mit den Maßnahmen des 1. Bürgermeisters solidarisch.“ 

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