„Da werden Lebensträume vernichtet“

Massiver Ärger um Vergabe-Prozedur, Infomängel und Erschließung des Starnberger Einheimischenmodells "Am Wiesengrund"

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Wie berichtet, hatte es bereits im August 2019 eine Panne bei der Vergabe-Ermittlung für die 51 „Wiesengrund“-Parzellen gegeben.

Starnberg – Wegen der nach wie vor unklaren Erschließung für das Einheimischenmodell „Am Wiesengrund“ sowie fehlender Infor-mationen aus dem Rathaus zum Stand der Baugrund-Vergabe macht sich in Kreisen betroffener Bewerber weiter Unmut breit. In der Bürgerfragestunde vor der Stadtratssitzung am vergangenen Montag richtete Detlev Wagner im Namen vieler „Wiesengrund“-Bewerber einen ganzen Fragenkatalog an Bürgermeisterin Eva John. Eine direkt betroffene Bürgerin machte ihrem Ärger lauthals Luft: „Ein halbes Jahr lang kommt man nicht mit einem Lösungsvorschlag um die Ecke!“

Wie berichtet, hatte es bereits im August 2019 eine Panne bei der Vergabe-Ermittlung für die 51 „Wiesengrund“-Parzellen gegeben. Erst im Oktober hatte das Rathaus Stadtrat und Öffentlichkeit davon in Kenntnis gesetzt, dass wegen eines irrtümlich nicht berücksichtigten Bewerbers womöglich die Grundstücksvergabe für die Plätze 29 bis 51 wiederholt werden muss. Seither ist laut Bürgermeisterin John ein Rechtsanwalt damit beschäftigt, eine verträgliche und rechtlich nicht angreifbare Lösung für das Dilemma zu erarbeiten: „Es wurde noch kein Grundstück notariell verkauft“, ließ die Rathaus-Chefin wissen, alles Weitere werde Thema im nichtöffentlichen Teil der Februar-Sitzung des Stadtrats sein.

„Da werden Lebensträume vernichtet“

Die betroffenen Baugrund-Bewerber reagieren indes zunehmend verärgert, weil sie vonseiten der Stadt offenbar seit geraumer Zeit keinerlei Informationen zum Stand der Dinge bekommen: „Da werden Lebensträume vernichtet“, fasste Detlev Wagner in der Bürgerfragestunde die angespannte Gemütslage zusammen. Viele hängen mit ihren bereits getroffenen Finanzierungsentscheidungen, Kreditvereinbarungen oder weiteren Dispositionen völlig in der Luft und müssen nun auch noch erleben, wie deutlich gestiegene Erschließungskosten die Preise ihres Einheimischen-modell-Hauses auf 470.000 (150 qm Wohnfläche) bzw. 555.000 Euro (240 qm) in die Höhe schießen lassen. Wagner wollte deshalb von der Bürgermeisterin erfahren, welche Parzellen inzwischen vergeben worden seien und ob es wegen der Kostenexplosion womöglich bereits Aussteiger gebe: „Die Leute haben, ein Recht, das zu wissen“, so der Fragesteller. 

Starnberg soll sich auf eine favorisierte Variante festlegen

Stadtrat Otto Gassner (UWG) nahm das Chaos um die Grundstücksvergabe und die Erschließung zum Anlass, von einem insgesamt „traurigen“ Geschehen zu sprechen und John dafür die Schuld zu geben. Man hätte sich vor allem hinsichtlich der verkehrlichen Erschließung „um ein gutes Verhältnis zum Staatlichen Straßenbauamt Weilheim bemühen müssen „Jeder hier weiß, dass Sie das nicht tun“, sagte Gassner. Die Bürgermeisterin verwahrte sich sogleich dagegen und sprach von einer „Unverschämtheit“. Angelika Kammerl (DPF) legte beim Aspekt Erschließung nach und drängte darauf, dass Starnberg sich auf eine favorisierte Variante festlegen solle: „Ich weiß nicht, wo das Problem ist – warum treffen wir hier keine Entscheidung, einfacher geht´s doch gar nicht?“ - „Einfacher wär´s, wenn das Straßenbauamt das auch so kommunizieren würde!“, entgegnete John, die im Gegensatz zur parteifreien Stadträtin anscheinend keine neuen Informationen aus Weilheim hatte: „Ich hab´ halt nachgefragt“, so Kammerl, die zuvor aus ihrer Korrespondenz mit dem Leiter des Straßenbauamts, Uwe Fritsch, zitiert hatte: Demnach sei es – Zitat Fritsch – „eine rein städtische Entscheidung“, über welchen vorhandenen Knotenpunkt der B 2 der zusätzliche Verkehr aus dem Baugebiet „Am Wiesengrund“ abgewickelt werden solle. John wusste von dieser Klarstellung Weilheims bis zum Montag offenbar nichts. Josef Pfister (BMS) sprang der Rathaus-Chefin dennoch bei: „Wir haben doch mit der Anbindung des Wiesengrunds bislang nix falsch gemacht.“

Keine Mehrheit für Sondersitzung

Stefan Frey (CSU) stellte schließlich den Antrag, der Behörde in Weilheim den Wunsch nach einer Anbindung über den Oberen Seeweg zu signalisieren, der mutmaßlich einzigen „realistischen Variante“. Man schiebe ständig den Schwarzen Peter hin und her zwischen Starnberg und Weilheim, kritisierte Frey den Stillstand. „Wir warten uns zu Tode!“ Die derzeit geplante (und im Bebauungsplan stehende) Anbindung über die Jahnstraße sei jedenfalls „nicht verträglich“, so Frey. Das Gremium folgte seinem Antrag am Ende einstimmig. Ein weiterer Vorschlag von Franz Heidinger (BLS), demnächst eine Sondersitzung mit Beteiligung des Staatlichen Straßenbauamts und der Nachbargemeinde Pöcking (sie grenzt an den Oberen Seeweg und müsste planerisch ebenfalls einbezogen werden) anzuberaumen, fand hingegen keine Mehrheit (11:15).

Von mps

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