Mehr "Bio" auf dem Teller: Bund Naturschutz kritisiert Landkreis 

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Vertreter von Bio-Unternehmen, wie Barbara Scheitz (rechts), wünschen sich mehr Bio-Produkte auf den Speiseplänen von Schulküchen und Betriebskantinen. Richard Mergner (Mitte) vom Bund Naturschutz sieht bei der Umsetzung hierbei auch die Politik in der Pflicht.

Weßling– Im Jahr 2004 erlangte der Filmemacher Morgan Spurlock mit seinem Doku-Drama „Super Size Me“weltweite Aufmerksamkeit. Der Kino-Hit befasst sich mit der Macht der Fast-Food-Industrie in Amerika und zeigt schonungslos die Missstände in den dortigen Schulkantinen auf. Nach Ansicht des Bund Naturschutz in Bayern gibt es auch im Freistaat gravierende Probleme, was die Produktauswahl bei der Essenszubereitung in Schulküchen und Unternehmensmensen betrifft.

„Billig statt biologisch“, lautet dort oftmals die Devise. Der Umweltschutzverband möchte nun mehr Bio-Produkte auf den Speiseplänen in Schul-und Firmenkantinen sehen, wie er kürzlich im Rahmen einer Pressekonferenz in Weßling bekanntgab. Hierbei nimmt er auch den Landkreis Starnberg in die Pflicht, der diesbezüglich ein unrühmliches Bild abgibt. 

Mergner stellt Landkreis ein Armutszeugnis aus

Richard Mergner, Vorsitzender des Bund Naturschutz in Bayern, kritisierte die Verhältnisse im Landkreis scharf: Dass es die örtliche Politik bisher versäumt habe klare Ziele festzulegen, sei ein Armutszeugnis. Um eine Kursänderung herbeizuführen, müsse die Lokalpolitik dem Thema Bio-Produkte mehr Bedeutung beimessen, forderte Mergner. 

"Hauptsache billig darf nicht länger sein"

Betrübt über diesen Zustand im Landkreis zeigte sich beim Pressegespräch auch die Andechser-Molkerei-Chefin Barbara Scheitz. „Momentan gibt es keine Schule im Landkreis, die sich bei der Pausenverpflegung klar zu Bio positioniert“. Carola Petrone, die in Weßling ein Bio-Cateringunternehmen führt, hofft, dass in Schulen und Kindergärten die Verpflegung zukünftig zu einem elementaren Teil des Bildungsauftrages wird. „Hauptsache billig darf nicht länger die Leitlinie für Vergabeentscheidungen sein“, forderte die Gastronomin. 

Die Fokussierung auf Bio-Lebensmittel sei der einzig richtige Weg, denn „selbst wenn Produkte regional sind, sind sie nicht frei von Pestiziden“, so Petrone. Auf der Pressekonferenz in Weßling richteten Vertreter des Bund Naturschutz und der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern (LVÖ) auch den eindringlichen Appell an die bayerische Staatsregierung den Ausbau der Öko-Landwirtschaft voranzutreiben. 

"Gesunde Ernährung ist wichtig"

„Die Corona-Pandemie hat vor Augen geführt, wie wichtig gesunde Ernährung ist“, erklärte Cordula Rutz, Geschäfsführerin der LVÖ. Unternehmerin Barbara Scheitz unterstützt das Vorhaben. Ihrer Ansicht nach ist der ökologische Landbau eine zukunftssichernde Lösung gegen die Klimakrise. 

LVÖ-Vorsitzender Hubert Heigl sieht den Ausbau der Öko-Landwirtschaft auch daher begründet, dass die Branche bisher eine sehr gute Entwicklung genommen hat. Die Politik müsse eine Vorbildfunktion übernehmen und klare Vorgaben schaffen, damit in Schulen und Betrieben mehr Bio-Essen auf die Teller kommt.

Von Florian Ladurner

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