"Ils sont fous ces Allemands:"

Michele Kirner für vier Monate am Atlantik: Dicke Lippe, viel Wasser und ein Pilot

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Der eine geht fliegen, die andere surfen: Stephan und Michèle Kirnner vor ihrem Wohnmobil nahe dem Atlantic. Für vier Monate hat Stephan Kirner in Bordeaux einen Job als Pilot.

Bordeaux – Schon lange nichts mehr von mir gelesen? Das liegt daran, dass ich gerade vier Monate an Frankreichs Atlantikküste rumbummle. Im Wohnmobil. Die Bilanz bisher sind eine dicke Lippe und zwei blaue Augen, lange Radtouren und reichlich Wassersport. Und hin und wieder fliegt mein Mann von Bordeaux aus Touristen an ihren Wunschort.

Schuld am Ortswechsel ist die Pleite der Airline Germania. Dort arbeitete Stephan dummerweise und musste sich im Januar wieder einmal nach einem solventen Arbeitgeber umsehen. Und nein: Lufthansa oder TUI-Fly suchen zwar Piloten, stellen aber keine altgedienten Kapitäne ein. München als sogenanntes Homebase gibt es aber nur bei den ganz Großen. Also spähte der 57-Jährige über die Landesgrenze und landete einen Job in Bordeaux bei der Charterairline Volotea. Einen Sommerjob, sozusagen, denn der Vertrag endet im September. Der Standort überzeugte aufgrund prächtiger Wellen, die der Atlantik verlässlich auf den Strand wirft. Die Vorstellung eines kuscheligen Cottages mit Kamin und einem hübschen Garten in Meeresnähe hingegen mussten wir uns schnell abschminken. Auf unsere Anfragen bekamen wir haufenweise „Je suis désolé“, tut mir leid. Alles Bezahlbare war ausgebucht. Waren die Anbieter nicht „désolé“, verlangten sie astronomische Preise ab 1.000 Euro pro Woche. Urlaubszeit halt. Also entstaubten wir unser Wohnmobil und endeten auf Umwegen auf einem idyllischen Campingplatz 800 Meter vom Meer entfernt. Nach Le Porge Océan steuerte mein Mann das in die Jahre gekommene fahrbare Zuhause Marke Karmann Jahrgang 1996. Ich folgte ein bisschen zeitverzögert mit dem Opel Corsa, das zukünftige Arbeitsfahrzeug des Piloten zum Flughafen. Auf dem Weg feilte ich an meinem eingerosteten Französisch.

Starnberger Kreisboten-Mitarbeiterin berichtet über Abenteuer am Atlantik

Unsere freie Mitarbeiterin Michele Kirner ist momentan für vier Monate an der Atlantikküste. © Michele Kirner
Unsere freie Mitarbeiterin Michele Kirner ist momentan für vier Monate an der Atlantikküste. © Michele Kirner
Unsere freie Mitarbeiterin Michele Kirner ist momentan für vier Monate an der Atlantikküste. © Michele Kirner
Unsere freie Mitarbeiterin Michele Kirner ist momentan für vier Monate an der Atlantikküste. © Michele Kirner
Unsere freie Mitarbeiterin Michele Kirner ist momentan für vier Monate an der Atlantikküste. © Michele Kirner
Unsere freie Mitarbeiterin Michele Kirner ist momentan für vier Monate an der Atlantikküste. © Michele Kirner
Unsere freie Mitarbeiterin Michele Kirner ist momentan für vier Monate an der Atlantikküste. © Michele Kirner
Unsere freie Mitarbeiterin Michele Kirner ist mit ihrem Mann  momentan für vier Monate an der Atlantikküste. © Michele Kirner
Unsere freie Mitarbeiterin Michele Kirner ist momentan für vier Monate an der Atlantikküste. © Michele Kirner
Unsere freie Mitarbeiterin Michele Kirner ist momentan für vier Monate an der Atlantikküste. © Michele Kirner
Unsere freie Mitarbeiterin Michele Kirner ist momentan für vier Monate an der Atlantikküste. © Michele Kirner
Unsere freie Mitarbeiterin Michele Kirner ist momentan für vier Monate an der Atlantikküste. © Michele Kirner
Unsere freie Mitarbeiterin Michele Kirner ist momentan für vier Monate an der Atlantikküste. © Michele Kirner
Unsere freie Mitarbeiterin Michele Kirner ist momentan für vier Monate an der Atlantikküste. © Michele Kirner
Unsere freie Mitarbeiterin Michele Kirner ist momentan für vier Monate an der Atlantikküste. © Michele Kirner
Unsere freie Mitarbeiterin Michele Kirner ist momentan für vier Monate an der Atlantikküste. © Michele Kirner
Unsere freie Mitarbeiterin Michele Kirner ist momentan für vier Monate an der Atlantikküste. © Michele Kirner
Unsere freie Mitarbeiterin Michele Kirner ist momentan für vier Monate an der Atlantikküste. © Michele Kirner
Unsere freie Mitarbeiterin Michele Kirner ist momentan für vier Monate an der Atlantikküste. © Michele Kirner
Unsere freie Mitarbeiterin Michele Kirner ist momentan für vier Monate an der Atlantikküste. © Michele Kirner
Unsere freie Mitarbeiterin Michele Kirner ist momentan für vier Monate an der Atlantikküste. © Michele Kirner
Unsere freie Mitarbeiterin Michele Kirner ist momentan für vier Monate an der Atlantikküste. © Michele Kirner
Unsere freie Mitarbeiterin Michele Kirner ist momentan für vier Monate an der Atlantikküste. © Michele Kir ner
Unsere freie Mitarbeiterin Michele Kirner ist momentan für vier Monate an der Atlantikküste. © Michele Kirner
Unsere freie Mitarbeiterin Michele Kirner ist momentan für vier Monate an der Atlantikküste. © Michele Kirner

Abschleppwagen und teure Mietautos

Das Wort „bouchon“ frischte ich nach dem Grenzübertritt in Genf als erstes auf. Stau. Blech an Blech ruckelte ich streckenweise Richtung Westen. Das zweite Wort lehrte mich der freundliche Fahrer des Abschleppwagens: alternateur. Lichtmaschine. Die explodierte 100 Kilometer vor dem Ziel. Kurz darauf leuchtet mich ein knallrotes Batteriezeichen an. „Wenn es rot leuchtet, ist das ein Problem“, ahnte mein Mann am Telefon. Kurz darauf fiel die Servolenkung aus, dann streikte die Geschwindigkeitsanzeige. Mit dem letzten Schwung schaffte ich es auf einen Parkplatz und rief den ADAC. Danach kam es zu besagter Begegnung mit dem Abschleppmann, der eine Reparaturzeit von einer Woche ankündigte. Stephan hatte es sich derweil auf dem Campingplatz gemütlich gemacht und die Surfbretter griffbereit zurechtgelegt. Ich nahm ein Taxi. Für das am Flughafen angefragte Auto, mit dem der Pilot am übernächsten Tag seinen ersten Arbeitstag beginnen sollte, wollten die Autovermieter 200 Euro. Für 24 Stunden. Auf erneute Rückfrage verlangte der Herr am Schalter händereibend 240 Euro. Für eine Nacht. Mein Wort des Tages wurde „location de voiture“. Autovermietung. Autos vermieteten auch Frankreichs Supermärkte, klärte uns gottlob die Dame an der Reception vom Campingplatz auf. Für 200 Euro. Die Woche! Wir schlugen ein und läuteten endlich mit der ersten Surfsession Stephans Arbeitsurlaub ein.

Dicke Lippe und blaue Augen

Surfen. Diesen Wassersport beherrsche ich nicht wirklich. Um nicht zu sagen: Eigentlich kann ich das gar nicht, habe mir aber die mehr oder weniger sichere Fahrt auf dem Brett als Projekt in Frankreich vorgenommen. Habe ja sonst nichts zu tun. Außer Wäsche waschen. Vor Hand. Manchmal gleich zwei Mal hintereinander, weil die Leine just beim Aufhängen des letzten blütenweißen Wäschestücks riss und den tropfnasse Balast in den Sand warf. Oder Einkaufen. Mit dem Fahrrad, weil der Mann bekanntlich das Auto braucht. 13 Kilometer hin. 13 Kilometer zurück. Im Supermarché greife ich nach französisch Klingendem wie crevettes (Shrimps), crème fraîche, haricots (Bohnen) und natürlich nach allen möglichen Kräutern. Oder ich ziehe die Ente aus der Kühltruhe. Oder packe Kartoffeln, Baguette und eine dieser extra-stinkigen Käsesorten ein. Morgens parliere ich so gut es geht mit dem Bäcker. Der erzählte mir kürzlich, dass die Mieten auch für die Einheimischen immer unerschwinglicher werden. Kommt mir irgendwie bekannt vor. Und ich lese Wälzer mit mindestens 500 Seiten. Dazwischen bleibt genügend Zeit für die Surfübungen. Bei einer dieser Übungen verbündete sich vor vier Wochen eine Welle mit meinem Brett und verpasste mir mit der Kante einen heftigen Schlag auf Lippe und Nase. Die blauen Augen, die am nächsten Morgen erblühten, verdeckte ich mit der Sonnenbrille. Trug ich sie nicht, schauten die Campinggäste bei meinem Anblick erschrocken weg. Ich muss gestehen, dass ich auch ein bisschen über mein Spiegelbild erschrak. Ob der so harmlos aussehende Mann etwa gewalttätig..., dröhnte die unausgesprochene Frage in unseren Ohren. Der Mann, der bei den Gästen sowieso schon reichlich Fragen aufwarf, wenn er sich alle nasenlang aus dem Surfanzug pellt, in die Uniform steigt und sein Pilotenköfferchen in Richtung Ausgang zieht. Wirklich einordnen kann man uns hier nicht. „Ils sont fous ces Allemands.“ Verrückte Deutsche halt.

Von Michele Kirner

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