„Die Letzten ihres Standes“

„Mit den Figuren entstehen die Ideen“ - Zinn-Designerin und Kunstmalerin Hedwig Daxenberger im Portrait

Zinnfiguren Künstlerin Hedwig Daxenberger
+
Hedwig Daxenberger haucht in ihren Kunstwerken Zinnfiguren Leben ein.

Herrsching -  Einst goss der Vater Zinnfiguren – ein Handwerk, das Hedwig Daxenberger in jungen Jahren übernahm und ausbaute. Jetzt setzt die 48-Jährige daraus dreidimensionale Geschichten zusammen, die sie im Finale in einen Rahmen packt. Seit Anfang Dezember verkauft sie ihre „Zinnfiguren im Bilde“ in einem Kunstladen in Herrsching. In der Adventszeit kreierte die ganze Familie obenauf im Akkord Weihnachtsschmuck.

Es waren einmal fünfundzwanzig Zinnsoldaten, die waren alle Brüder, denn sie waren von einem alten zinnernen Löffel geboren worden.“ So beginnt das Märchen „Der standhafte Zinnsoldat“, in dem Hans Christian Andersen einen dieser Soldaten in ein Abenteuer schickt. Auch die Diplom-Designerin und Kunstmalerin Hedwig Daxenberger erzählt mit ihren Zinnfiguren Geschichten. Das Gießen lernte sie von ihrem Vater Manfred Daxenberger, der bis vor 20 Jahren unermüdlich Figürchen aus dem formbaren Metall produzierte. Nachdem die Kunststudentin in einer Münchner Galerie ins Rahmungshandwerk eingeführt worden war, streifte sie durch ihr Herrschinger Geburtshaus und rahmte alles, was ihr unter die Finger kam. Am Ende waren nur noch die Zinnfiguren übrig – und fortan schuf sie diesen in tiefen Rahmen eine Bühne.

Einige Figuren kaufe sie zu und bemale sie mit Ölfarben, erzählt die 48-Jährige. Beispielsweise die Reihe „Christi Geburt“ von ihrem Lieferanten Heinrichsen, dessen Gießformen aus dem 19. Jahrhundert stammen. Mit den Zinnfiguren entstehen auch die Ideen. „Ich denke mir eine Geschichte aus“, sagt Hedwig Daxenberger. Manches seien Interpretationen bestehender Erzählungen. So setzte sie Maria und Josef mit dem Jesuskind zwischen überdachte Säulen, über ihnen glänzt der Stern. Die drei Hirten und die drei Könige knien vor dem kleinen Wunder, im Hintergrund symbolisieren Dünen und Palmen die Wüste.

 Zunehmend gießt Daxenberger ihre Figuren auch selbst. Etwa die Protagonisten in der Winterlandschaft. Der Eisstockschütze in der grauen Joppe und mit den gepunkteten Handschuhen sei ein Abbild ihres Vaters, sagt sie. An der Szene vorbei fährt ein Bub mit wehendem Schal, und eine Mutter stützt die ersten Versuche der kleinen Tochter auf den Kufen. Im Akkord ist auch Christbaumschmuck aus Zinn entstanden. Ein Familienprojekt: Ehemann Gottfried Töllner lötet im Werkraum winzige Leuchtdioden auf Sterne, und in ihrem Zuhause in Apfeldorf (Landkreis Landsberg) hilft ihr Sohn Tillmann mit seiner ruhigen Hand beim Gießen. Ob der 19-Jährige seinen Lebensunterhalt einmal mit Geschichten aus Zinnfiguren verdient, wisse er noch nicht, sagt sie. Aber ausgeschlossen sei das nicht.

 Michèle Kirner

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Corona im Landkreis Starnberg: 7-Tages-Inzidenz sinkt weiter - Zahl der positiven Fälle steigt marginal auf 3.411
Corona im Landkreis Starnberg: 7-Tages-Inzidenz sinkt weiter - Zahl der positiven Fälle steigt marginal auf 3.411
Corona-Testungen in Alten-und Pflegeheimen: Landkreis Starnberg erhält Unterstützung von den Mittenwalder Gebirgsjägern
Corona-Testungen in Alten-und Pflegeheimen: Landkreis Starnberg erhält Unterstützung von den Mittenwalder Gebirgsjägern
Renitenter Rentner beschmiert in Tutzing wiederholt alte Schlossmauer mit weißer Farbe
Renitenter Rentner beschmiert in Tutzing wiederholt alte Schlossmauer mit weißer Farbe

Kommentare