Mitralclipping

Richtig atmen - "ein schönes Gefühl"

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Starnberg – „Ich bin vor der Wahl gestanden: Wenn ich nichts mache, dann lebe ich nimmer lang und wenn ich was mache, dann kann es nur besser werden.“ Max Indinger entschied sich für das „Machen“.

Vor etwa einem Monat hat sich der 81-Jährige zur Behandlung seines Herzklappenfehlers im Klinikum Starnberg einen MitralClip einsetzen lassen. „Es war ein Erlebnis, dass ich nach der OP wieder richtig atmen konnte - ein schönes Gefühl“, so Indinger. Diese minimalinvasive Korrektur von Herzklappenfehlern wird im Klinikum seit vergangenem Jahr angeboten und wurde in 2016 bei 25 Patienten durchgeführt. Von der Implantation eines so genannten MitralClips profitieren vor allem Risikopatienten - so wie Max Indinger aus Gauting. Etwa eine Million Menschen in Deutschland leiden unter einer schlecht schließenden Mitralklappe. Wenn diese Klappe, die zwischen linkem Vorhof und linker Herzkammer liegt, nicht mehr richtig schließt, kann Blut in die Lunge zurückfließen. Die Folge: Luftnot, Leistungsschwäche, geschwollene Beine oder auch Herzrhythmusstörungen. Weitere Anzeichen einer Mitralinsuffizienz können übermäßige Wassereinlagerungen (Ödeme), Reizhusten - vor allem im Liegen sowie sehr häufiges nächtliches Wasserlassen sein. Diese undichte Stelle in der Herzklappe kann nun durch einen einfachen Eingriff im Herzkatheter verschlossen werden. „Die Zustände des Patienten werden durch das Mitralclipping zwar nicht geheilt werden, aber deutlich verbessert werden“, so Professor Florian Krötz, Leitender Arzt der Invasiven Kardiologie. Oder wie es Max Indinger ausdrückt: „Sie haben mir ein ganz neues Leben gegeben.“ Dieses neue Verfahren ist eine Alternative für ältere Menschen und für Patienten mit schweren Begleiterkrankungen, die für eine offene Herzoperation nicht geeignet sind. Der Mitralklappen-Clipp ist eine Art Klammer, die direkt an der Mitralklappe angebracht wird, ohne dass dafür der Brustkorb geöffnet werden muss oder der Patient an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen werden muss. Für den Zugang zur Mitralklappe wird ein flexibler, langer Führungskatheter durch eine Vene in die Leiste eingebracht und bis zum Herzen vorgeführt, beschreibt die „Herzklappenhilfe“ das Procedere. Mittels dieses Katheters wird dann der MitralClip an der Mitralklappe angebracht und sorgt dafür, dass diese wieder besser schließt. Während der Prozedur können die Ärzte die Position des Clips am schlagenden Herzen überprüfen und notfalls so oft korrigieren, bis die gewünschte bestmögliche Reduktion der Insuffizienz erreicht ist, denn die Reduktion der Mitralinsuffizienz wird in Echtzeit durch ein 3D-Ultraschall kontrolliert. Das Verfahren wird unter Vollnarkose durchgeführt und der Patient muss danach noch einige Tage im Krankenhaus bleiben. Um die Mitralklappenrekonstruktion anbieten zu können, muss ein Klinikum einen sehr umfangreichen Kriterienkatalog erfüllen, da der Eingriff „sehr komplex ist“, so Professor Krötz. Unter seiner Leitung feiert im Übrigen das Herzkatheterlabor im Klinikum Starnberg sein fünfjähriges Bestehen. sb

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