Modernisierung wird viele Millionen kosten

Krailling - Das unterirdische Tanklager zwischen Krailling und Germering zählt mit einem Fassungsvermögen von 123.000 Kubikmetern zu den größten in Deutschland. Es wurde in den 30er Jahren errichtet, ist über die Pipeline Landsberg-Ingolstadt an das Nato-Pipeline-Netz angeschlossen und lieferte Kraftstoffe für die Luftwaffe. Am 20. August wurde es von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) an die bis dato unbekannte deutsche Viktoriagruppe Aktiengesellschaft, München, verkauft (wir berichteten).

Auf Einladung der neuen Eigentümer trafen sich nun Bürgermeisterin Christine Borst, Gemeinderäte zu einer Begrüßungs- und Besichtigungstour durch die Anlage. Für die meisten war es das erste Mal, dass sie das normalerweise streng bewachte Industriegelände betreten durften. Nach einem kurzen Sektempfang erläuterten Petr Maly, Geschäftsführer der Viktoriagruppe Aktiengesellschaft München, und Christian Hoenning, Vorsitzender des Aufsichtsrats, was sich das Unternehmen in Zukunft auf dem 230 Hektar großen Gelände in Krailling vorgenommen hat. „Wir wollen in den nächsten fünf Jahren fünf bis zehn Millionen Euro in die Modernisierung investieren“, kündigte Hoenning an. Er beziffert das Vermögen der Viktoriagruppe auf „25 Millionen Euro“. Florian Mohr, der im Tanklager seit Jahren als Stellvertreter für einen reibungs- und störungsfreien Betrieb verantwortlich zeichnete, wurde als neuer künftiger technischer Betriebsleiter vorgestellt. „Wir haben uns ein hohes Ziel gesetzt, wir wollen hier ein Vorzeige-Tanklager errichten“, kündigte Mohr an. Er kann weiterhin mit seiner eingespielten, alten Mannschaft arbeiten, die nur leicht reduziert „auf unter zehn Beschäftigte in der Anfangszeit“ von der Viktoriagruppe übernommen wird. Besorgte Fragen der Gemeinderäte, wie es denn mit der Betriebssicherheit stünde, wurden von Roland Salomon, Störfallbeauftragter vom TÜV Süd, beantwortet. Er überprüft die Tanks, Anlagen und Rohrleitungssysteme im gesetzlich vorgeschriebenen Turnus von einem beziehungsweise fünf Jahren: „Die Stahltanks mögen 60 Jahre alt sein, aber sie sind von mindestens 70 Zentimeter dicken Stahlbetonwänden umschlossen und eine Untersuchung von baugleichen Anlagen in Bremen-Farge hat ergeben, dass solche Betonmäntel noch rund 800 Jahre dicht sind.“ Sie befinden sich in Krailling rund zehn Meter unter Erde, wo die fertigen Kraftstoffmischungen bei einer konstanten Temperatur von elf bis zwölf Grad Celsius gelagert werden. Bei dem Rundgang fiel den Besuchern freilich die veraltete Technik der gesamten Anlage auf. Das Herzstück, die zentrale Verteilerstation, an der das Rohmaterial über fünf Pumpen ankommt, mit einem Flugbenzinmischer die von der Luftwaffe benötigten Kraftstoffe erzeugt und in die 32 Stahlbehälter weiterleitet, stammt zum Beispiel aus den 50er Jahren. Die Befüllung der Tanks über das unterirdische Rohrleitungssystem wird noch immer mit manuell bedienbaren Schiebern geregelt. Für Betriebsleiter Mohr kein Problem: „Das ist hier alles altmodisch aber gute deutsche Wertarbeit, hat bisher bestens funktioniert, wird jetzt aber alles nach und nach modernisiert.“ Das scheint auch nötig. Denn moderne computergesteuerte Prozessleit- und Überwachungssysteme, wie man sie bei einer Industrieanlage dieser Art erwartet, sind weitgehend Fehlanzeige. In einer bunkerähnlichen Halle, in der eine Behältergruppe von fünf Tanks mit einem Fassungsvermögen von je 4.088 Kubikmetern besichtigt werden konnte, stehen Messgeräte und Maschinen, die man eher im Technischen Museum in München erwarten würde: „Das alles hier stammt aus dem Jahr 1943, wenn eine Schraube oder eine Pumpe marode ist, bekommen wir keine Ersatzteile mehr“, gesteht Florian Mohr und zeigte in einem Nebenraum ein gut bestücktes Ersatzteillager aus Zeiten des 2. Weltkriegs. Hier wartet auf die neuen Eigentümer viel Sanierungsarbeit. Das Tanklager gehört nach der 2003 in Kraft getretenen Betriebssicherheits-Verordnung zu den so genannten überwachungsbedürftigen Anlagen, ist nach dem deutschen Wasserhaushaltsgesetz in Wassergefährdungsklasse II eingestuft und darf nur nach strengsten Sicherheitsbestimmungen betrieben werden. Zum umfangreichen Störfallkonzept gehören auch Explosionsschutz und Dauerbrandsicherungen. TÜV-Prüfer Salomon kontrolliert unter anderem regelmäßig die Löschwasserreserven des Tanklagers sowie das Hydrantennetz, das im Falle eines Brandes 3.000 Liter Wasser pro Minute liefert. Außerdem sind die Feuerwehren aus den umliegenden Gemeinden in den Katastrophenübungsplan eingebunden. „Die wissen im Ernstfall genau, was sie tun müssen.“ Zwei Bundesforstbeamte kümmern sich in dem umzäunten Wald nicht nur um die Hege und Pflege von Tiere und Bäumen, sondern halten das große Gebiet auch brandschutztechnisch in Schuss. „Wir passen auf, dass keine leicht brennbaren Bäume und Büsche zu nahe an die unterirdischen Tanks wuchern und die gesamte Anlage zum Beispiel für Löschfahrzeuge befahrbar ist.“ Wachpersonal sorgt dafür, dass kein Unbefugter das Gelände betritt. Und für den Fall des Falles „ist der Betrieb auf unbegrenzte Höhe versichert“, so der Aufsichtsratsvorsitzende Christian Hoenning. Eine spontane Einladung von Geschäftsführer Michael Berger zu einer Stippvisite im wesentlich moderneren Lager von Flüssiggas Bayern, seit 18 Jahren auf dem Gelände und nun Pächter der Viktoriagruppe, schloss die Besichtigung des Tanklagers nach gut drei Stunden ab und die Kraillinger Gemeinderäte durften sich tschechisches Bier und knusprig gegrilltes Schwein am Spies munden lassen. Sie gingen mit dem Gefühl nach Hause, dass die neuen Herren des alten Tanklagers an gut nachbarschaftlichen Beziehungen zur Kommune interessiert sind. „Wir sind kein geschlossener Verein“, antwortete Hoenning, als eine Gemeinderätin wissen wollte, ob der Verband der Heimatpflege auf dem Gelände nach verborgenen alten Grenzsteinen suchen dürfte, „das prüfen wir gerne von Fall zu Fall“. Anfang November sollen die ersten Tanks im Kreuzlinger Forst befüllt werden.

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