„Viel zu viele Bäume gefällt“

Mögliche Rückkehr der Baumschutzverordnung nach sechs Jahren wird im Starnberger Stadtrat heiß diskutiert

Die Baumschutzverordnung könnte in Starnberg bald wieder greifen (Symbolbild).
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Die Baumschutzverordnung könnte in Starnberg bald wieder greifen (Symbolbild).

Starnberg - Eine mögliche Rückkehr der 2015 von der Stadt abgeschafften Baumschutzverordnung wurde im Bauausschuss diskutiert. Den entsprechenden Antrag hatte die CSU gestellt, nachdem die umstrittene Fällung einer Buche an der Ludwigstraße für öffentliche Aufregung gesorgt hatte.

Unter der damaligen Bürgermeisterin Eva John (heutige Pfister) hatte sich vor sechs Jahren die Mehrheitsmeinung durchgesetzt, man brauche eine Baumschutzverordnung nicht, sie enge nur die Planung ein, beschere dem einen oder anderen Bauwerber/Grundstückseigentümer Ungerechtigkeiten verursache zudem eine Überalterung des Baumbestands. Mit der Auflage von Ersatzpflanzungen sowie einem Förderprogramm zur fachlichen und finanziellen Unterstützung von Bürgern bei Pflege und Erhalt von Bäumen (auch heuer sind 20.000 Euro im Etat vorgesehen) hoffte man, ein ausreichend wirksames Instrument in der Hand zu haben, unerwünschten Kahlschlägen einen Riegel vorschieben zu können, Doch drastische Vorkommnisse wie vor etlichen Jahren an der Wilhelmshöhenstraße (Bauträger ließ Bäume ohne Genehmigung abholzen, zahlte die fällige Geldbuße und preiste diese einfach in seine Gewinnkalkulation ein) ließen immer wieder Zweifel aufkommen, ob ohne systematisch geregelten Baumschutz nicht der Willkür Tür und Tor geöffnet worden sei.

Auch in der neuerlichen Debatte im Bauausschuss gingen die Meinungen jetzt wieder weit auseinander: „Starnberg ist so grün, grüner geht´s ja gar nicht!“, wandte sich Josef Pfister gegen das seiner Ansicht nach völlig übertriebene Regelungswerkzeug. Anders Initiatorin Angelika Kammerl (CSU): Es seien in den letzten Jahren viel zu viele, auch Stadtbild prägende Bäume gefällt worden, vor allem im Innenstadtbereich. Der Bedarf für eine Baumschutzverordnung sei doch „jedem hier klar“, so die 2.Bürgermeisterin. Franz Sengl (Grüne) und Christiane Falk (SPD) freuten sich über den Vorstoß „von Herzen“ (Sengl) bzw. „wie ein Schnitzel“ (Falk), hatten beide doch schon 2015 vergebens gegen die Abschaffung der Verordnung durch BLS, BMS, WPS, FDP und Teile der CSU gekämpft.  

Die Verwaltung lieferte zur Diskussion einige Zahlen, die allerdings von 2014 stammten und seinerzeit mit zum Kippen der Satzung beigetragen hatten: Von 374 beantragten Baumfällungen seien damals lediglich 35 nicht genehmigt worden – Tenor: Der Verwaltungsaufwand sei unverhältnismäßig hoch. Das damals aufgelegte Förderprogramm (maximal vier Bäume je Grundstück, bis zu 1.000 Euro Fördermittel pro Baum) war laut Rathaus zwischen 2016 und 2020 insgesamt 88 mal in Anspruch genommen worden – Gesamtkosten für die Stadt: 81.000 Euro.

Bürgermeister Janik empfahl in Anbetracht der sehr kontroversen Diskussion eine Vertagung des Themas zur Besprechung in den einzelnen Fraktionen, was mit 11:1 befürwortet wurde. Auch der Entwurf einer Grünordnung für die Stadt soll demnächst besprochen werden: Die Grünen haben hierzu einen Entwurf erarbeitet, denn auch sie halten die Baumschutzverordnung zwar für „besser als nichts, aber ein relativ stumpfes Schwert“, so Franz Sengl, für den diese neuerlichen Schutzversuche zu Gunsten der Bäume „erst ein Anfang“ sein sollen. Josef Pfister (BMS) und Franz Heidinger (BLS) sähen in einer Baumschutzverordnung auch weiterhin nur unnötigen bürokratisch-finanziellen Aufwand von 25-30.000 Euro pro Jahr, denn für die Umsetzung müsse die Stadt wohl extra eine Halbtagsstelle schaffen. Laut Bürgermeister soll über das Dauerbrenner-Thema noch vor der Sommerpause entschieden werden.

Thomas Lochte

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