Musterbeispiel für Integration: Heide Geiser ist Patin einer afghanischen Familie in Buch

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Buch – Majid lebt seit gut einem Jahr mit drei Cousinen, einem Cousin, Onkel und Tante in Buch – und hätte Heide Geiser vor einem guten Jahr nicht die Vormundschaft für den mittlerweile 17-Jährigen übernommen, wäre er vermutlich irgendwo in einem Heim für minderjährige Flüchtlinge gelandet.

Eine weitreichende Entscheidung, die für die dreifache Mutter und Großmutter bedeutet, dass sie im Extremfall die Verantwortung einer Erziehungsberechtigten übernehmen muss, sollte dem jungen Mann etwas zustoßen oder mit dem Gesetz in Konflikt kommen. „Ein bisschen Sorgen mache ich mir schon“, gesteht die Witwe. Außer durch normale pubertäre Anwandlungen habe sie mit ihrem Schützling aber keine Probleme, sagt sie und schaut bei ihm ganz genau hin, kontrolliert Hausaufgaben, stellt Anträge für ihn und muss immer wissen, wo er sich gerade befindet. Längst hat sie ihn und die ganze Familie ins Herz geschlossen. Das merkt man, wenn die Patin von „ihrer Familie“ erzählt. Vom Nesthäkchen, das ihr trotzig entgegentrat, nachdem sie den dreijährigen Störenfried im Deutschunterricht ermahnte, ruhig zu sein. Heute freut sich die Kleine und umarmt die „Tante“, wenn sie ihr begegnet. Beschreibt die Patin die beiden Teenage-Mädchen, die die Mittelschule in Herrsching besuchen, sich knallig zu schminken und das freie Leben offensichtlich genießen, schmunzelt sie vergnügt – und freut sich über den fleißigen Vater, der in zwei Mini-Jobs arbeitet und seiner Frau im großen Haushalt hilft. Genauso wie über die Mutter, die etwas deutsch spricht und an einem Integrationskurs teilnimmt. Fast hört man ihr Herz höherschlagen, wenn die Rede auf Majid und seinen Cousin kommt, die die berufsvorbereitende Klasse in Starnberg besuchen. „Die Lehrerin sagte, sie gehören zu den besten der Klasse“, schwärmt die 75-Jährige und fühlt sich der Familie, die 2013 aus Afghanistan floh, tief verbunden. Eine Familie, die lange versuchte, sich im Taliban-Gebiet zurechtzufinden, Schutzgeld an die Fundamentalisten bezahlte – und der Teenager Majid wie sein Vater in der Terrormiliz kämpfen sollte. Aus Angst schickte ihn seine Mutter mit der Familie der Schwester mit, die über den Iran und die Balkanroute 2015 nach Deutschland gelangte. Nun sind sie hier im wahrsten Sinne angekommen, ein Musterbeispiel für den Willen sich zu integrieren, betont Geiser. Gemäßigte Muslime seien sie, der Vater habe sich Ostern 2016 sogar vom katholischen Pfarrer die Füße waschen lassen. Majid träumt davon, Arzt zu werden. An ein Studium sei nicht zu denken, sagte sie ihm gegenüber ganz offen und zeigt ihm, wie er mit viel Fleiß erreichbare Ziele anpeilen kann. Träume hat jedes Familienmitglied, weiß Geiser – aber auch große Sorgen, wie es ihren Lieben Zuhause geht. Sorgen und Heimweh: „Sie haben hier kein soziales Netzwerk, ihr Deutsch ist noch recht dürftig und ihr Aussehen macht sie für den einen oder anderen sofort zum Feindbild.“ In Buch allerdings ist die Familie beliebt. „Viele Bucher sagen mir, die Familienmitglieder seien immer freundlich und sauber.“ Und sie sind integrationswillig. Ein Musterbeispiel für Integration eben. mk

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