Infektionsmonitor Bayern

Nach Coronavirus-Fall im Landkreis Starnberg: Hotline für besorgte Bürger eingerichtet

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Nach Coronavirus-Fall im Landkreis Starnberg wurde nun eine Hotline für besorgte Bürger eingerichtet.

Landkreis - Heute, am 27. Januar, wurde ein Coronavirus-Fall im Landkreis Starnberg bestätigt. Das Risiko für die Bevölkerung in Bayern, sich mit dem neuartigen Coronavirus zu infizieren, wird von der „Task Force Infektiologie“ des LGL und vom Robert Koch-Institut (RKI) derzeit als gering erachtet.

Bayern ist durch die Task Force Infektiologie gut vorbereitet: In Alarmplänen sind zum Beispiel der Ablauf der Meldewege im Krankheitsverdachtsfall und die Ermittlung von Kontaktpersonen genau geregelt. Sie stehen dabei in engem Kontakt mit dem Bund und den anderen Bundesländern.

Für besorgte Bürger wurde eine Hotline eingerichtet: Coronavirus-Hotline: 09131 6808-5101

Gesundheitsministerin Melanie Huml betonte: "Wir nehmen die Lage sehr ernst. Bayern ist aber gut vorbereitet. So haben wir bereits seit Jahren eine Spezialeinheit für solche Fälle – die 'Task Force Infektiologie' am Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Diese Spezialeinheit ist jederzeit einsatzbereit. Zusätzlich haben wir bereits in der vergangenen Woche einen speziellen Arbeitsstab im Ministerium gebildet. Mit dem Robert Koch-Institut und dem Bund sind wir bereits seit längerem intensiv im Austausch."

Die Ministerin fügte hinzu: "Es gibt auch Alarmpläne, die jetzt angewendet worden sind. Genau geregelt sind zum Beispiel der Ablauf der Meldewege im Krankheitsverdachtsfall und die Ermittlung von Kontaktpersonen. Derzeit läuft die Ermittlung der Kontaktpersonen auf Hochtouren."

Dr. Martin Hoch, Leiter der "Task Force Infektiologie" am LGL, ergänzte: "Die Ansteckungsgefahr bei einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus (nCoV) ist wissenschaftlich noch nicht konkret erforscht worden. Nach Einschätzung der 'Task Force Infektiologie' ist das Infektionsrisiko für die Bevölkerung durch dieses Virus nach derzeitigem Kenntnisstand gering. Gleichwohl wird zu den üblichen Vorsichtsmaßnahmen geraten – etwa zu einem gründlichen Händewaschen nach einer Fahrt mit dem Bus oder der U-Bahn."

Hintergrund 

Am 31.12.2019 berichtete die städtische Gesundheitskommission von Wuhan (WMHC) erstmals über einen Ausbruch von Pneumonien in der chinesischen Metropole Wuhan, Provinz Hubei in China. Der Ausgangspunkt des 2019-nCoV-Ausbruchs scheint ein am 01.01.2020 geschlossener Fischmarkt in Wuhan zu sein, wo außer Fischen auch andere Tiere wie Geflügel, Fledermäuse und andere Wildtiere verkauft werden.

Der Erreger 

Als Auslöser dieser Virus-Pneumonien wurde am 07.01.2020 das neuartige Coronavirus 2019-nCoV identifiziert. Das Virus gehört wie MERS-CoV und SARS-CoV zu den β-Coronaviren. β-Coronaviren verursachen zoonotische Infektionen, d. h. die Viren überschreiten eine Speziesbarriere, werden also von Tieren auf Menschen übertragen und können beim Menschen auch schwer verlaufende Infektionen, meist der Atemwege, auslösen. In Zusammenhang mit der ursprünglichen Häufung von Pneumonien bei Aufenthalt bzw. Tätigkeit auf dem Fischmarkt in Wuhan werden Mensch-Tier-Kontakte als mögliche Quelle für das 2019-nCoV angenommen, wobei die genaue Quelle noch ungeklärt ist.

Das neue Coronavirus 2019-nCoV ist von Mensch zu Mensch übertragbar. So haben sich Mitarbeiter des Gesundheitswesens und auch Personen ohne Aufenthalt auf dem Fischmarkt in Wuhan angesteckt. Der Großteil der erkrankten Fälle wird nach wie vor aus der Stadt Wuhan und der Provinz Hubei berichtet, dennoch hat sich das Virus mittlerweile auf eine Vielzahl chinesischer Provinzen ausgebreitet (Stand: 27.01.2020). Einzelne Fälle sind auch außerhalb Chinas in Singapur, Frankreich, Malaysia, Japan, Südkorea, den USA, Vietnam, Nepal und Australien aufgetreten. Aktuelle Fallzahlen und Risikogebiete veröffentlicht das RKI.

Die Symptome 

Die Inkubationszeit wird gegenwärtig mit bis zu 14 Tagen angegeben. Die klinischen Symptome einer Infektion mit 2019-nCoV umfassen nach derzeitigem Stand Fieber, Husten, Atembeschwerden und Kurzatmigkeit. Schwerere Erkrankungen verlaufen als Pneumonie, akutes Lungenversagen, Nierenversagen oder in wenigen Einzelfällen tödlich. Eine spezifische Therapie oder ein Impfstoff existieren nicht. Die Therapie erfolgt somit abhängig von der Schwere der Erkrankung symptomatisch.

Nachweis Die Labordiagnose bei klinischem Verdacht wird molekularbiologisch mittels PCR gestellt. Wenn möglich, sollten Proben parallel aus den oberen und den tiefen Atemwegen entnommen werden.

Als Probenmaterial aus den tiefen Atemwegen eignen sich: Bronchoalveoläre Lavage Sputum (nach Anweisung produziert bzw. induziert) Trachealsekret Als Probenmaterial aus den oberen Atemwegen eignen sich: Nasopharynx-Abstrich, -Spülung oder -Aspirat Oropharynx-Abstrich Bei Abstrichen ist zu beachten, dass für den Virusnachweis geeignete Tupfer verwendet werden ("Virustupfer" mit flüssigem Transportmedium verwenden - keine Bakterientupfer mit agarhaltigen Transportmedien).

Die PCR-Diagnostik zum Nachweis des neuen Coronavirus 2019-nCoV ist am LGL etabliert und kann bei symptomatischen Verdachtsfällen mit entsprechender Anamnese im Auftrag der Gesundheitsämter am LGL durchgeführt werden. Es wird empfohlen, Serumproben abzunehmen und zu asservieren, bis ein serologischer Nachweis zur Verfügung steht.

Einschätzung und Prävention durch die Behörden

Die bayerischen Gesundheitsbehörden beobachten die Entwicklung sehr genau. Sie stehen dabei in engem Kontakt mit dem Bund und den anderen Bundesländern. Koordiniert wird die Beobachtung der Lage in Deutschland durch das Robert Koch-Institut (RKI). Das RKI und die Europäische Gesundheitsbehörde ECDC stufen das Risiko einer Ausbreitung der Krankheit innerhalb der EU und das Risiko für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland als gering bis sehr gering ein.

Vorsorglich wurden alle bayerischen Gesundheitsämter über das aktuelle Geschehen informiert und gebeten, auch die Ärzteschaft in den Kreisen, Städten und Gemeinden zu informieren.

Sowohl die WHO, die ECDC und das RKI als auch die für internationale Flughäfen zuständigen Landesgesundheitsbehörden in Bayern, Berlin, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und deren örtlich zuständige Gesundheitsbehörden arbeiten sehr eng zusammen. Sie stufen das Risiko für Reisende derzeit als gering ein (vgl. die Risikoeinschätzung des RKI).

Von Alma Jazbec/Kreisbote

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