"Nach dem Sturm kommt der Borkenkäfer"

Abhilfe gegen den Schädling

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Von rechts: Martin Springer und Christian Gick erklären den Zuhörern die Käferproblematik.

Hanfeld – Durch den nassen Schnee und den starken Wind, der den Winter dominierte, brachen viele Baumwipfel ab, wurden beschädigt oder gar ganze Bäume entwurzelt. Diese Schneebruch- oder Windwurfschäden sind ein großes Problem für die Waldbesitzer, denn die abgebrochenen Äste oder geschwächten Fichten sind ein gefundenes Fressen für den Borkenkäfer.

Am vergangenen Donnerstag lud die Waldbesitzervereinigung Starnberg und das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Weilheim zu einer Informationsveranstaltung für alle Waldbesitzer. Bei einer Begehung eines Fichtenwaldes nahe Hanfeld thematisierten Martin Springer, Revierleiter für das Forstgebiet Starnberg, und Christian Gick von der Waldbesitzervereinigung, die Problematik: Der Borkenkäfer befällt eine Fichte, frisst sich in die Rinde, legt seine Eier ab und der Baum stirbt sechs bis acht Wochen nach dem Erstbefall. Auch das Holz des befallenen Baumes kann nur schwer weiter verarbeitet oder verkauft werden, denn die Borkenkäfer bringen einen Pilz mit, durch den die Rinde verblaut. Dieses bläuliche Holz kann weder zu Papier verarbeitet werden, noch kann es als Außenfassade genutzt werden. Um den Befall zu verhindern, muss laut Springer „saubere Waldwirtschaft“ betrieben werden. 

Was heißt "saubere Landwirtschaft"

Die Fichten, die abgebrochene Wipfel und weniger als sechs bis sieben grüne Astquirlen besitzen, fällen. Aber damit ist es nicht getan, denn die abgebrochenen Wipfel und Bäume müssen aus dem Wald entfernt werden. Der Borkenkäfer sucht sich nämlich genau die am Boden liegenden Fichtenreste zum Brüten. 

Springer erklärt den Zuhörern, dass es zwei Arten des Käfers gibt. Den größeren Buchdrucker, der sich Fichtenaltbestände zum brüten sucht, und den kleineren Kupferstecher, der in den Wipfelbereich stehender oder abgebrochener Fichten eindringt. Somit ist ein unaufgeräumter Wald eine optimale Ausgangslage für beide Arten. Der Borkenkäfer erwacht aus seinem Winterschlaf, sobald es über mehrere Tage hinweg 16, 5 Grad oder mehr hat. Dann wärmt sich der Boden auf, der Käfer kommt aus seinem Überwinterungsquartier, fliegt los und sucht sich eine geeignete Fichte, um seine Eier (pro Käferweibchen circa 30 bis 50 Eier) ab zu legen. Dies geschieht meist von Anfang April bis Ende Mai. So können sich in einem Sommerhalbjahr bis zu drei Generationen des Borkenkäfers bilden. 

Das Problem des Borkenkäfers gibt es im Landkreis erst seit 2015 als ein verheerender Sturm große Schäden anrichtete. Die alte Bauernregel „Nach dem Sturm kommt der Borkenkäfer“ bestätigte sich. Den größten Befall verzeichnete der Landkreis im letzten Jahr. Die Wälder rund um Frieding, Machtlfing und Andechs traf es dabei am schlimmsten. Auch für die Zukunft ist keine Besserung in Sicht, denn Experten sagen, dass es wohl mehr solcher Ereignisse geben wird. 

Hilfe für alle Waldbesitzer 

Aber die Waldbesitzer können sich bei Forstunternehmen, die mit riesigen Holzernte-Maschinen, sogenannten Harvestern, arbeiten, Hilfe holen. Diese sind zehn Mal so effektiv, wie ein Forstarbeiter mit der Säge. Trotz ihrer enormen Last (Bild: circa 11 Tonnen) richten sie durch die breiten Reifen (70 Zentimeter) kaum Bodenschäden an.

Von Lisa Livancic

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