Wechsel an der Spitze

Nachbarschaftshilfe Hechendorf: Monika Regensburger folgt auf Irmgard Rehm

Nachbarschaftshilfe Hechendorf
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Nach 22 Jahren tritt Irmgard Rehm als Vorsitzende von der Nachbarschaftshilfe Hechendorf zurück.

Hechendorf - Seit 22 Jahren ist Irmgard Rehm (65) Vorsitzende von der Nachbarschaftshilfe Hechendorf. Die Hechendorferin war dabei, als die Kleiderbörse eröffnet wurde und bei dem Umzug in das schöne neue Gebäude. Sobald wieder Präsenzwahlen möglich sind, tritt die vierfache Mutter ihr Amt an Monika Regensburger ab – nach einem pandemiebedingt sehr turbulenten Jahr. Wir wollten von ihr wissen, wie die Nachbarschaftshilfe durch das Jahr gekommen ist.

Wie ist die Nachbarschaftshilfe Hechendorf finanziell durch das Jahr gekommen?
Rehm: Mit der Kleiderbörse fällt eine wichtige Einnahmequelle weg. Die hatten wir seit Dezember nur ein einziges Mal offen. Ab und zu kommen Bedürftige mit dem Wunsch etwa nach Handschuhen für die Kinder, die wir dann aussuchen und den Menschen mitgeben. Wir spüren auch, dass wir die Flohmärkte nicht durchführen können und dass der Christkindelmarkt nicht stattfand. Abgesehen von den finanziellen Auswirkungen, vermissen mein Team und ich die sozialen Kontakte mit unseren Mitgliedern sehr.
In diesem Sinne: Wie geht es Ihren Seniorinnen und Senioren?
Rehm: Einige von ihnen gehen schon seit einem Jahr kaum mehr aus dem Haus und sind sehr vorsichtig. Manchmal treffe ich sie auf der Straße. Dann sagen sie, dass sie sehr einsam sind – und traurig, weil sie ihre Kinder und Enkel nicht sehen können. Früher hatten sie auch privat einen regen Austausch untereinander und sich gegenseitig unterstützt, wenn ein Partner gestorben ist oder wenn einer ins Krankenhaus kam. Das geht seit einem Jahr nicht mehr. Auch das Seniorengymnastik und das anschließende Frühstück in der Nachbarschaftshilfe geht ihnen ab. Im Sommer haben wir ein Frühstück mit Abstand angeboten, das kaum angenommen worden ist. Die Atmosphäre ist einfach eine andere, wenn die Teilnehmer mit Plexiglasscheibe und 1,5 Meter Abstand am Tisch sitzen. Wir setzen uns jeden Tag zusammen und entscheiden, welche Aktivitäten wir verantworten können. Das ist eine der größten Herausforderungen in dieser Zeit.
Wie läuft es in der Pflege?
Rehm: Da lief es unter Einhaltung der Hygieneregeln weiter wie bisher. Unsere Pflegerinnen werden regelmäßig getestet, was übrigens für unser gesamtes Team gilt. Wir hatten ziemlich viel Glück, dass wir in der Nachbarschaftshilfe keinen Coronafall hatten. Nur in einer Pflegefamilie war ein Mitglied positiv, ist aber wieder gesund. Unser größtes Problem ist allerdings der Personalmangel in der Pflege. Den gab es schon vor der Pandemie.
Und die Kinder?
Regensburger: Wir betreuen auch Krabbelgruppen ab einem Jahr. Normalerweise sind die Mütter oder die Väter die ersten Stunden zum Eingewöhnen mit dabei. Jetzt müssen sich die Zwerge ständig neu eingewöhnen, weil wir so unregelmäßig offen haben können. Besonders in der Mittagsbetreuung fällt uns auf, dass die Kinder keinen Schul- und auch keinen Vereinssport mehr machen. Sie sind unkonzentriert und hibbelig. Da ist ganz gut, dass wir unseren Garten vergrößert haben und sie sich im neuen Klettergerüst austoben können. Der Lockdown hat auch auf die Entwicklung der Grundschülerinnen und -schüler einen Einfluss. So sind die Kinder viel unselbstständiger als normalerweise, weil sie nicht lernen, sich zu organisieren.
Wie schreiten die Impfungen voran?
Rehm: Fast alle Seniorinnen und Senioren sowie unsere Pflegekräfte sind schon zum zweiten Mal geimpft. Nach und nach wird auch der Rest vom Personal geimpft. Das ist erfreulich. Ich würde mir wünschen, dass wir wieder in eine Art Normalität zurückkehren können, sobald die Risikogruppen und unser Team geimpft sind.  
Am 24. April feierten Sie Ihren 65ten Geburtstag und sind seit 1999 Vorsitzende der Nachbarschaftshilfe: Wie blicken Sie auf die bald 22 Jahre zurück?
Rehm: Das letzte Jahr war sicherlich die größte Herausforderung als Vorsitzende. Eingestiegen bin ich bei 275, mittlerweile zählen wir 400 Mitglieder. Das Ehrenamt liegt quasi in der Familie: Meine Schwiegermutter war Gründungsmitglied. Meine Tochter, Anita Groß, war 20 Jahre Schriftführerin und Tochter Christine Dosch ist immer noch dabei. In meiner Zeit gründeten wir die Kleiderbörse und die Mittagsbetreuung – immer mit Unterstützung des ehemaligen Bürgermeisters Wolfram Gum. Der Umzug vor gut zehn Jahren in das schöne neue Gebäude in der Alten Hauptstraße 53 war eines von vielen Highlights. Aber das Schönste ist und bleibt der Kontakt mit unseren Mitgliedern – und die Dankbarkeit, die mein Team und ich für unsere Arbeit erfahren. Sobald wieder Präsenzwahlen möglich sind werden ich den Vorsitz an Monika Regensburger abgeben. Dan haben ich wieder mehr Zeit für meine sieben Enkel und Enkelinnen.

 Interessierte Pfleger oder Pflegerinnen können sich unter der Telefonnummer 08152-79 42 99 oder per E-Mail nbh-hdf@t-online.de melden.

 Michèle Kirner

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