Nepal-Hilfe

"Sie haben Besonderes geschaffen"

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Gilching – Auf 5.500 Meter klagt Ursula Schmel auf einer Trekking-Tour in Nepal über Kopfschmerzen, Übelkeit, Atemnot und Schwindel. Es sind Anzeichen der befürchteten Höhenkrankheit.

Die zwei Sherpas aus Bolde reagieren sofort und tragen die heute 74-Jährige den steilen Pfad hinunter in die Sicherheit tieferer Lagen – und retten ihr damit das Leben. Aus Dankbarkeit gründet das Ehepaar 1996 mit sechs weiteren Helfern die Bolde-Freunde, die 2001 als Namasté-Stiftung eine „juristische Form“ bekommt. Nun wurden die diesjährigen Spenden von beeindruckenden 645.630 Euro offiziell an den Vorstand überreicht – und Ursula und Horst Schmel nahmen die Bundesverdienstmedaille entgegen. „Etwas Besonderes“ wollen die Freunde nach dem Vorfall dem Heimatdorf der Sherpas zukommen lassen, deren Bewohner bitterer Armut ausgesetzt sind. „Eine hohe Sterblichkeitsrate, keine sanitären Einrichtungen, katastrophale hygienische Verhältnisse, eine hohe Analphabetenrate, einseitige Ernährung, Kinderarbeit, Verbrennungen, Lungen- und Augenkrankheiten wegen offener Feuerstellen im Haus“, zählt das Informationsblatt von Namasté die Not der Menschen auf. Vor knapp zwanzig Jahren gibt es für die 20.000 Nepali keinen Arzt und das nächste Krankenhaus liegt Stunden entfernt. Bald ist klar: Das Besondere soll eine Krankenstation werden. Der Fokus des Hilfsprojektes liegt von Anfang an auf der „Hilfe für Selbsthilfe“ und so machen sie sich auf die Suche nach einem einheimischen Mediziner – und Dr. Ram Shrestha ist für den 15. Nepal-Tag im Christoph-Probst-Gymnasium extra angereist. Ein Glücksfall sei die Kooperation mit dem Rektor der Kathmandu-Universität, der nach 15 Jahren Medizinstudium in Österreich in seine Heimat Nepal mit der Vision zurückkehrte, eine flächendeckende medizinische Versorgung auch für die Ärmsten einzurichten, würdigte ihn der 76 Jahre alte Horst Schmel. Damals hat der 54-Jährige ein Krankenhaus in Dhulikhel gegründet, das nicht gewinnorientiert arbeitet. Die Bolde-Freunde richten im Gebirgsort eine provisorische Krankenstation ein, wo der Arzt die ersten OP „im Schein einer Taschenlampe“ durchführte. Heute ist daraus nur eine von 20 modernen Außenstation des Mutter-Krankenhauses in Dhulikhel geworden, von dem rund zwei Millionen Menschen profitieren und dort ausschließlich nepalesisches Personal endoskopisch arbeitet. Wer sich die Behandlung nicht leisten kann, greift auf den Fonds zurück, den die Stiftung jährlich zur Verfügung stellt. Damit aber nicht genug, denn die Stiftung errichtet Schulen, bildet aus, baut die Infrastruktur aus oder baut Öfen. Überall dort, wo Not in der Bevölkerung herrscht.

Verdienstmedaille symbolisch für alle Helfer angenommen

„Sie haben dieses Besondere geschaffen“, so Landrat Karl Roth bei der Übergabe der Medaille des Verdienstordens an Horst und Ursula Schmel. Die Ehrung gebühre nicht ihnen alleine, betonen beide und nehmen die Medaille symbolisch für den Vorstand, die vielen Spender und die ehrenamtlich arbeitende Frau des einheimischen Mediziners Dr. Ram an. Die Namasté-Stiftung ist eben etwas ganz Besonderes, das zeigt alleine schon die bescheidene Geste der Initiatoren. Mehr Informationen unter www.boldefreunde.de und www.namastestifung.de. Dr. Ram Shresta ist demnächst in „Eins zu Eins der Talk“ auf B2 zu hören. Wer weiterhin mithelfen und spenden möchte: Raiffeisenbank in Gilching, Namasté-Stiftung, Kontonummer 345, BLZ 701 693 82, IBAN DE50701693820000000345, BIC GENODEF1GIL. Die Spenden setzen sich aus folgenden Positionen zusammen: 265.000 Euro von den Bolde-Freunden; 360.000 Euro von Sternstunden und Heri Wirth der Stiftung „Wasser für die Welt und Freundeskreis“; 20.630 Euro vom Verein „Südtiroler Ärzte für die Welt“. mk

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