Max Gerl: "Am offenen Leib operiert"

Neueröffnung des Caritas-Sozialkaufhauses an der Leutstettener Straße

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Ökumenischer Segen zur Eröffnung: Die beiden Pfarrer Dr. Stefan Koch und Dr. Andreas Jall sprechen über soziale Missstände und Hoffnung, vorne (v.l.) hören Bürgermeisterin Eva John, Caritas-Vorsitzender Heinrich Frey, Vize-Landrat Tim Weidner, Caritas-Geschäftsführer Max Gerl und Friedrich Büttner vom Landkreis-Sozialamt zu.

Starnberg – „Wenn Sie genau hingesehen haben, konnten sie Herr Gerl in den letzten Tagen beobachten, wie er auf seinem Rücken Schränke durch Starnberg getragen hat“, scherzte Altlandrat Heinrich Frey über den Caritas-Geschäftsführer, bei der Neueröffnung des Caritas-Sozialkaufhauses vergangene Woche. Mit einer Fläche von insgesamt 400 Quadratmeter kann sich das neue Sozialkaufhaus eindeutig sehen lassen. Der neue Standort an der Leutstettener Straße 28 hat einen weiteren Vorteil für die Caritas: Geschäftsstelle und Kaufhaus befinden sich im selben Gebäude.

Nach dem zehnjährigen Bestehen im vergangenen Jahr mussten jetzt alle zusammen helfen, um den Großumzug zu stemmen. Insgesamt dauerte es drei Monate, alle Gegenstände vom einen Ort zum anderen zu bringen und die Räume im Souterrain in ein Kaufhaus zu verwandeln. 

Der Vorsitzende des Starnberger Caritas Verbands, Heinrich Frey, freute sich verkünden zu dürfen, dass das KaDeCa (in Anlehnung an das „KDW – Kaufhaus des Westens“) insgesamt mit 1.300 Starnberger Familien „kooperiert“, die gebrauchte Dinge wie Möbel, Geschirr, Elektrogeräte, Fahrräder, Filme, CDs und Bücher abgeben oder kaufen. 

Nach der Begrüßung segneten die beiden Pfarrer der evangelischen und katholischen Kirche, Dr. Stefan Koch und Dr. Andreas Jall, das neue Kaufhaus samt allen Kunden und Mitarbeitern. Die beiden betonten, dass man sich in der heutigen Zeit zusammenschließen und sich um die kümmern muss, die Hilfe brauchen. Mit lobenden Worten nannten die beiden Geistlichen die Caritas als Organisation, die genau das in professioneller Weise macht und dadurch unentbehrlich geworden ist. 

Auch der stellvertretende Landrat Tim Weidner dankte allen Beteiligten und nannte das KaDeCa als „Musterbeispiel für Nachhaltigkeit“ und als „großartiges Erfolgsmodell“. Außerdem betonte er nochmals die Entscheidung des Kreis-Sozialausschusses, das Projekt für 2019 und 2020 mit jeweils 25.000 Euro zu unterstützen (siehe Kasten). 

Starnbergs Bürgermeisterin Eva John hat eine ganz spezielle Bindung zum Sozialkaufhaus, wie sie selbst erzählte: Sie selber hat ihre ersten Berufserfahrungen im Sozialamt des Landratsamts gesammelt. Sie kennt das KaDeCa also noch aus den Kinderschuhen und ist nun umso glücklicher, dass es sich so etabliert hat. 

Zum Abschluss gab das „fachliche Rückgrat“ Max Gerl und Gerhart Schindler, der Geschäftsführer des Starnberger Jobcenters, noch Einblicke in den Umzug und die Erfolgsquote des Kaufhauses: „Wir haben sozusagen am offenen Leib operiert“, beschrieb Gerl den Umzug, denn während alle Helfer in Eigenenergie die neuen Verkaufsräume ausgestattet haben wurde gleichzeitig auch verkauft, um keinen großen Verlust zu machen und allen Kunden weiter zur Verfügung zu stehen. 

Das Kaufhaus hat aber neben der Annahme und dem Verkauf von Gegenständen noch eine ganz andere Funktion: 

Es bietet Langzeitarbeitslosen und Arbeitssuchenden eine neue Beschäftigungsmöglichkeit. Dieses Projekt ist aus enger Zusammenarbeit des Caritasverbands Starnberg und dem Jobcenter im Landkreis entstanden. Dadurch können sich Menschen wieder in ein soziales Netzwerk eingliedern und möglicherweise in den ersten, also den regulären, ohne Zuschüsse und andere Maßnahmen geförderten Arbeitsmarkt, eintauchen. 

Über das Jahr verteilt finden ungefähr 40 Menschen dort Arbeit. Sie können wieder neues Selbstvertrauen schöpfen, kommen in Kontakt mit anderen und können erfolgreich weiter vermittelt werden und finden dadurch eine sinnvolle Arbeit, erklärten die beiden Geschäftsführer. Schindler betonte zudem, dass die Arbeitssuchenden die Möglichkeit bekommen näher an das realistische Erwerbsleben herangeführt zu werden. Insgesamt könnten 15 bis 20 Prozent der Arbeitslosen weiter vermittelt werden, was in den Augen des Jobcenters ein „sehr, sehr erfreuliches Ergebnis“ ist. 

Das Kaufhaus möchte auch weiterhin ein ökologisches Zeichen gegen die heutige Wegwerfkultur setzen und Müll vermeiden. Es ist von Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr geöffnet und nimmt von 9 bis 16 Uhr Waren an.

Von Lisa Livancic

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