Neujahrsanschießen in Andechs

Die bösen Geister vertrieben

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Das traditionelle „Neujahrsanschießen“ vor dem Rathaus vertreibt die bösen Geister.

Erling – Laut ist es, aber für einen guten Zweck: Das sogenannte Neujahrsanschießen vor dem Andechser Rathaus vertreibt die bösen Geister. Wer allerdings im Umkreis wohnt, der hat unter Umständen eine kurze Nacht, nachdem um genau 11 Uhr die ersten Böller in die Luft gingen.

Eine „liebgewonnene Tradition“ nannte Bürgermeisterin Anna Neppel das Treffen vor ihrem Amtssitz, während Thomas Stumbaum den Säbel hob und mit „Salut“ den ersten gemeinsamen Schuss der vier Mann an Kanone, Hand- und Schaftböller einleitete. Dem zweijährigen Enkel Artur der Rathauschefin war das Ganze trotz dicker Ohrenschützer von Opa Karl Neppel eindeutig zu laut – und dem Hahn auf Nachbars Grundstück blieb ob der Knallerei das Krähen regelrecht im Halse stecken. Rund 30 Besucher hatten sich – bedenkt man, dass es sich um den ersten Tag im neuen Jahr handelte – in dieser frühen Morgenstunde versammelt. „Das ist ein heidnischer Brauch“, erklärte der Dienstälteste Schütze Thomas Brunn, der das handgedrehte Edelstahlrohr mit Schwarzpulver füllte. Der Bus nach Herrsching hielt vermutlich aus Vorsicht und Neugier an, als die Männer zum zweiten Schuss anhoben – und wie beim Champagneröffnen in der Nacht zuvor, schleuderte der Druck eines Böllers den Korken bis auf die Straße. Das Ehepaar Herzner war aus Fürstenfeldbruck zu Besuch und wollte einmal life sehen, was sie sonst nur aus dem Fernsehen kannten. Als direkte Nachbarn hatten Beate und Stefan Schassel keine Wahl, als sich jährlich der Schießerei zu stellen. „Für uns ist das der Abschluss von Sylvester“, erklärten sie. Für Irene Dorn war dieser Morgen die Gelegenheit, „de Leit a guads Neis“ zu wünschen. Und die guten Wünsche wurden nicht zu knapp verteilt. Auch Pater Lukas schüttelte jedem die Hand. Der Geistliche wohnte dem Spektakel zum ersten Mal bei und fand, dass sich das Brauchtum wunderbar in den eigenen Glauben integrieren ließ. Zum fünften Mal krachte es und danach standen die Zuschauer noch eine Weile bei Glühwein und Bier beisammen. Sylvia und Roland Trauner aus Erling etwa. Er fand, das Krachen gehöre zur Begrüßung des Jahres dazu. Und zwar „immer schee laut“. Wie „schee“ der Hahn die Knallerei fand, lässt sich höchstens erahnen. Auf jeden Fall krähte er nur wenige Minuten nach dem letzten Knall wieder aus vollem Halse

. M. Kirner

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