SPD-Neujahrsempfang

Gastredner Wolfgang Thierse macht Mut

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Gauting – Wolfgang Thierse nahm kein Blatt vor den Mund: Es werde ein schwieriges Jahr 2017 werden. In einer zunehmend globalisierten Welt werden Werte wie Freiheit, Toleranz und Respekt anderen gegenüber wieder verhandelbar.

Dem müsse man entschieden entgegentreten, sagte der ehemalige Bundestagspräsident beim Neujahrsempfang der Landkreis-SPD in Gauting – „offen, aufgeschlossen und bereit zum Gespräch miteinander“. Neben der Kreisvorsitzenden Julia Ney, der ehemaligen Bürgermeisterin Brigitte Servatius, Ex-Generalsekretär des PEN-Zentrums Deutschland Johano Strasser sowie dem eigenen Bundestagskandidaten Christian Winkelmeier konnte der Gautinger Ortsvorsitzende Dieter Appel auch Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Sigrid Friedl-Lausenmeyer (beide FDP), Bürgermeisterin Brigitte Kössinger und Udo Hahn von der Evangelischen Akademie Tutzing begrüßen. Die Gautinger Rathauschefin lud Appel gleich für das nächste Jahr wieder ein, und über die ehemaligen Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger sagte Appel in Anspielung auf ihren Rücktritt 1995 (Großer Lauschangriff; d.Red), „sie haben gezeigt, dass auch eine Bundesjustizministerin aufrecht gehen darf“. Die Kreisvorsitzende Juli Ney stimmte die rund 250 Genossen im Gautinger Kultursaal Bosco auf ein Jahr ein, „in dem es auf unsere Stimme ankommt“. Mit großer Sorge beobachte sie einen globalen Rechtsruck; und beim Thema Flüchtlinge beschwor sie, die Schwachen nicht gegen die Schwächeren aufzuhetzen. Ney hofft für die vielen Wohnungssuchenden im Landkreis, dass weitere Kommunen dem Beispiel Gilchings und Wörthsees folgen und dem Verband Wohnen Grundstücke für erschwingliches Bauen anbieten. Und auch ihre Ablehnung der Verschuldung des Kreises erläuterte Ney beim Neujahrsempfang: „Eine Verschuldung bis 2020 von 110 Millionen Euro lässt uns keinen Spielraum für Unwägbarkeiten.“ Die Kreisvorsitzende erhofft sich wie die meisten Genossen im Land vom neuen Kanzlerkandidaten Martin Schulz einen Schub für die SPD bei der Wahl am 24. September. Wolfgang Thierse, Bundestagspräsident von 1998 bis 2005, Mitglied der SPD-Grundwertekommission und neuer Leiter des Politischen Clubs der Evangelischen Akademie Tutzing, warnte vor einer oberflächlichen Debattenkultur in Deutschland. Viele Menschen kommunizierten nur noch da, wo sie ihre eigene Meinung bestätigt bekommen, Fakten würden zunehmend uninteressant, betonte Thierse in seiner Rede mit dem Titel „Deutschland als Einwanderungsland“. Seit der Wiedervereinigung hätten die Deutschen nicht mehr einen so „dramatischen Wandel der Geschichte miterleben müssen“. Verursacht von Krieg und Vertreibung stoßen hunderttausende Flüchtlinge auf ein tief gespaltenes und verunsichertes Europa, das zu zerfallen droht. Geschürt werden die Ängste der Gesellschaften durch Hass und Argwohn allem Fremden gegenüber – von den Populisten dieser Zeit rund um den Globus, die wieder Chauvinismus, Rassismuss und Sexismus salonfähig machen wollen. Und wenn ihre Wahrheiten nicht stimmen, erklärt man diese kurzerhand zu „alternativen Fakten“. Doch Thierse machte auch Mut im Saal: „Wir haben gemeinsame Vorstellungen Freiheit, Toleranz und Respekt, die müssen wir bewahren“, die über Jahrzehnte erkämpften demokratischen Errungenschaften seien nicht verhandelbar.po

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