Sängerinnen und Sänger werden gesucht

Onlineproben mit dem „my dear mr. singing club“-Chor

Peter Schuhmann
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Peter Schuhmann bei der Online-Chorprobe.

Herrsching -  Peter Schuhmann ist 67 Jahre alt und ein Musiker, wie er im Buche steht: Live, greifbar und immer im Dialog mit dem Publikum. Ähnlich verhält es sich, wenn er mit dem gemischten Chor „my dear mr. singing club“ probt. Das mit der Nähe funktioniert seit geraumer Zeit nicht mehr. Also griff er auf die digitale Chorprobe zurück – und mischt am Computer neuerdings sogar Songs.  

Schuhmann hat das Zoom-Meeting bereits zwanzig Minuten vor Beginn um 20 Uhr geöffnet. Gemeinsam mit Tenor Daniel Scheerer tüftelt der Herrschinger an kleinen technischen Unebenheiten, bevor die 22 anwesenden Choristen mit den Lockerungsübungen beginnen. Sie singen „Nu-Nu-Nu“ und „Da-Da-Da“ die Tonleiter hoch und runter und bereiten die Lunge mit Atemübungen auf 90 Minuten Singen am Computer vor. Das ist ein bemerkenswertes Angebot eines Mannes, der die Technik im Laufe seines Musikerlebens nach Möglichkeit gemieden hat, gesteht er. Dasselbe galt für Studioaufnahmen. Das geglättete Produkt widerstrebte ihm, er bevorzuge das „vitale Singen“, erklärt er. Dazu steht er bis heute. Aber besondere Zeiten fordern besondere Maßnahmen.

Schuhmann ist dankbar für die digitale Möglichkeit, nachdem die Pandemie doch länger andauerte als er anfangs noch dachte. Es kristallisierte sich heraus, dass sich der eine oder die andere mit der Isolation im Lockdown schwer tat. Musik ist gut für die Seele, weiß Schuhmann. Und er sprach Kollegen an, sang im Onlinechor von Bastian Pusch mit. Im Mai übertrug er die Version auf seine Chorprobe mit den zwischen 30- und 80-jährigen Sängern, die ihre Stimmbänder normalerweise gemeinsam in Laim trainieren. Auch Klavier- oder Gitarrenunterricht funktioniere per Computer, freut er sich. Und das obwohl er auf einem Auge gar nichts mehr und auf dem anderen nur noch eingeschränkt sieht.  

Das Projekt passt gut in das „pädagogische Credo“ des Musiklehrers: „Aufgabe von Unterricht ist es, das Gelingen zu organisieren und nicht das Misslingen zu dokumentieren.“ Mittlerweile arbeitet er mit einem professionellen Producerprogramm, mit dem er die zu probenden Stücke zu einem mehrstimmigen Gesang zusammenfügt. Die Frauenparts singt Lebensgefährtin und langjähriges Chormitglied Moni Thurner, Schuhmann singt Tenor und Bass. Mit dem Programm legt er die Stimmen übereinander und fertig ist der Chorgesang. Je nach Bedarf kann er in der Probe einzelne Begleitstimmen herausfiltern und zum Üben vorspielen. Sitzen die Stimmen, singt jeder zum vielstimmigen Gesamtwerk. Jeweils für sich allein, denn die Teilnehmer sind dabei stumm geschalten. Ein Life-Singen übers Mikro sei aufgrund der Übertragungsverzögerungen nicht möglich, so Schuhmann.

Online probten sie auch „Satin Doll“ und „Wishing You Were Here Again“ für die Beerdigung einer im Januar verstorbenen Mitsängerin der ersten Stunde. Dazu sangen die Chormitglieder ihren Part ins Handy und sandten das Resultat dem ehemaligen Musikschulleiter von Inning zu. In zahlreichen Stunden stimmte der frisch gebackene Opa den Gesang aufeinander ab und schraubte bei Bedarf am Stimmvolumen. Das Endprodukt wurde an der Beerdigung vorgeführt. Life dürfen sie ja noch nicht singen, sagt Schuhmann.

Insgesamt ist das Online-Proben ein Erfolgsprojekt und der Wunsch wurde bereits laut, sich nach Corona im Wechsel virtuell und vor Ort zu treffen. Übrigens: Der Chor braucht noch Männerstimmen. Mehr Informationen unter www.mydearmrsingingclub.de.

 Michèle Kirner

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