Ortsentwicklung

Probleme mit der "Todeszone"

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Gilching – „Leicht wird’s nicht, aus der Todeszone in Gilching ein attraktives Einkaufszentrum zu machen“, sagte Peter Zatopek, Inhaber eines Pelzladens an der Fußgängerzone.

Zumal immer wieder Läden leer stehen oder durch Service-Leister ohne Publikumsverkehr belegt sind. Am ersten so genannten Thementisch innerhalb des Projekts „Ortsentwicklung“ beteiligten sich rund 50 Bürger und Experten. Ziel dieses ersten Treffens im kleineren Rahmen war es, „bürgerschaftliche Empfehlungen zu Qualitäten im Hinblick auf den Einzelhandel und Dienstleistungen in der Ortsmitte mit Blick auf eine Belebung“ einzufangen, betonte Ingegerd Schäuble vom gleichnamigen Institut für Sozialforschung. Wie berichtet, wurde das Institut von der Gemeinde beauftragt, das Ortszentrum und dessen Umfeld neu zu entwickeln und dabei die Bürger mitzunehmen. Eingeladen war auch Stefan Leuninger von der GMA (Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung), der bereits 2008 im Auftrag der Gemeinde ein Einzelhandelskonzept erstellt hatte. „Bereits 2008 war das Ortszentrum ein heißes Eisen“, betonte der Expert.Von rund 100 Millionen Euro errechneter Kaufkraft (laut GMA-Entwicklungskonzept von 2008), würden im Bereich Kleidung und Schuhe zu 25 Prozent vom Online-Handel geschluckt beziehungsweise wandere viel Kaufkraft an die umliegenden Zentren ab. „Das tut dem Einzelhandel nicht gut.“ Christoph Winkelkötter von der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung (gfw) in Starnberg bedauerte die Entwicklung. „Da, wo eigentlich der Einzelhandel sein müsste, sind jetzt Dienstleister eingezogen. Es gibt keinen Kundenverkehr und außerdem sind die Ladenflächen zu klein, um als Einzelhandel nachhaltig bestehen zu können.“ Er geht von insgesamt bis zu 50 Prozent Kaufkraft aus, die mangels attraktiver Einzelhandelsgeschäfte abfließen. Manfred Herz mahnte grundsätzlich eine „dramatische Veränderungen im Einzelhandel“ an. In wenigen Jahren prophezeite er, dass nur noch Vollsortimenter wie Aldi, Lidl, Rewe und Edeka sich halten können. Helene Beemüller warf einen Blick als Normalbürger auf das Gilchinger Angebot. Unter anderem bemängelte sie die Entwicklung des Wochenmarkts. „Unser Wochenmarkt ist tot. Wenn ich da nach Fürstenfeldbruck oder Germering gehe, wimmelt es nur so von Menschen.“ Auf den Punkt brachte es Peter Zatopek. „Ich bin seit zehn Jahren in der Todeszone. Seitdem wird das Problem gesehen. Die Gemeinde hätte sich schon vor zehn Jahren Gedanken machen sollen, dann säßen wir heute nicht hier.“ Er bedauerte außerdem, dass sich, wenn schon mal am Marktplatz etwas los ist, dies sich nur noch am Rondell abspiele. „Auf meiner Seite ist gar nichts mehr los. Das untere Viertel der Fußgängerzone wird total vernachlässigt.“ Leuninger empfahl das, was er schon 2008 der Gemeinde mit auf den Weg gegeben hatte. „Es muss ein Kümmerer her, der die Sache in die Hand nimmt.“ Als Fazit zog Ingegerd Schäuble: „Die Gemeinde alleine kann da nichts machen. Wir müssen alle gemeinsam versuchen, einen Weg zu finden, um das Ortszentrum zu beleben.“ Das nächste Treffen zum Thema „Achse Römerstraße“ findet am Donnerstag, 26. Februar, 19 Uhr, im Sitzungssaal des Rathauses statt. Am Donnerstag, 5. März, 19 Uhr, geht es mit der Themengruppe „Qualitätsachse Glatze-Steinberg“ im Mehrzweckraum des Gymnasiums weiter. Wer Lust hat mitzumachen, kann sich via Email unter erb@schaeuble-institut.de anmelden. pop

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