Aus dem Gericht

Ottobrunner Audi-Fahrer bricht Ebenhausner Fiat-Ducati-Fahrer in der Ausfahrt Schäftlarn die Nase

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Berg – Das Drama begann im Bereich Berg auf der Autobahn A 96 und endete deshalb in der Zuständigkeit des Amtsgerichts Starnberg: Ein 48-jähriger Unternehmensberater aus Ottobrunn musste sich dort wegen vorsätzlicher Körperverletzung verantworten, weil er im August 2016 einem 54-jährigen Mann aus Ebenhausen mit einem Fausthieb die Nase gebrochen hatte.

Vorausgegangen war offenbar eine brenzlige Verkehrssituation auf der Garmischer Autobahn Richtung München, in die der Audi des Angeklagten und der Fiat Ducati des Opfers verwickelt waren. Beide Hauptbeteiligten gaben vor Gericht an, dass sie nach dem Geschehen auf der A 96 im Auslauf der Ausfahrt Schäftlarn ihre Fahrzeuge angehalten hatten, doch das war auch schon die einzige Übereinstimmung: Der Angeklagte wollte den Ebenhausener (zufälliger Weise genauso Unternehmensberater wie er) „über sein Fehlverhalten aufklären“, wie er sagte – der Andere sei nämlich „auf völlig leerer Autobahn mit 120 links gefahren, obwohl rechts alles frei war“. Der Fiat-Transporter-Fahrer wiederum erzählte, die A 96 sei am Sonntag des Christi-Himmelfahrt-Wochenendes ziemlich bevölkert gewesen – als der Audi von hinten „mit vermutlich 200“ herangerauscht kam und bereits von Weitem Lichthupe gegeben hatte, habe er es mit der Angst bekommen, weil der Hintermann sehr dicht aufgefahren sei und immer wieder aufgeblendet habe: „Ich konnte wegen des dichten Verkehrs gar nicht so schnell auf die rechte Spur wechseln“, so der 54-Jährige: Als er dann die Ausfahrt Schäftlarn nach Hause nehmen wollte, habe der Audi beinahe auch noch rechts überholt. Der Ottobrunner sei dann erneut nach links gewechselt und habe ihn in der Ausfahrt regelrecht abgedrängt und anschließend zum Stoppen gezwungen. Danach sei der Audi-Fahrer ausgestiegen und offenbar wütend auf ihn zu gekommen: „Ich bin im Wagen sitzen geblieben und habe verriegelt, der Mann hat dann draußen gegen den Außenspiegel getreten.“ Danach sei er doch noch ausgestiegen, erzählte der Ebenhausener, „um mir die Personalien zu holen“. Der Angeklagte habe in dem Moment sofort mit der Faust zugeschlagen: „Fünf bis sieben Schläge ins Gesicht, sehr geübt, wie nach dem Gong beim Boxen.“ Die damals im Auto sitzende Ehefrau des als Nebenkläger auftretenden Geschädigten bestätigte die Schläge in Anzahl und „Technik“, während die Frau des Ottobrunners als Beifahrerin dessen Notwehr-Version stützte: „Der kam auf mich zu und verpasste mir einen Kopfstoß gegen die Augenbraue – ich habe mich nur gewehrt, es war ein Abwehrreflex“, behauptete der 48-Jährige, der sich bei dem Ebenhausener immerhin „für das Ausmaß“ der Verletzungen entschuldigte: Der Geschädigte musste sich an der Nase operieren lassen und hatte in Folge früherer Nebenhöhlen-OPs durch den Fausthieb erhebliche Schmerzen erlitten, wie er berichtete. Während die Verteidigung Notwehr gegeben sah und auf Freispruch plädierte, hielt die Staatsanwalt-schaft die Darstellung des Angeklagten für eine „reine Schutzbehauptung“: Der Geschädigte sei laut mehreren Zeugenaussagen „zurückgewichen“, was auf einen fortgesetzten Angriff und nicht etwa auf Notwehr hindeute. Richterin Brigitte Braun verurteilte den im Straßenverkehrsregister schon mehrfach auffällig gewordenen Ottobrunner zu 150 Tagessätzen zu je 75 Euro, also 11.250 Euro Geldstrafe: „Ich habe überhaupt keinen Zweifel, dass hier eine vorsätzliche Körperverletzungshandlung vorliegt, gezielte Faustschläge“, so Braun, die mahnend hinzufügte: „Unsere Straßen sollten keine Kampfplätze sein.“ mps

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