Neues aus dem Starnberger Stadtrat

Parteien-Vorschläge und Bürger-Sorgen zur Zukunft des Bayerischen Hofs

Bettenburg oder neuer Mittelpunkt für Kultur und Handel? Die Frage, wie es mit dem Bayerischen Hof in der Kreisstadt weitergeht, beschäftigt  politische Parteien und Bürger gleichermaßen (Symbolbild).
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Bettenburg oder neuer Mittelpunkt für Kultur und Handel? Die Frage, wie es mit dem Bayerischen Hof in der Kreisstadt weitergeht, beschäftigt politische Parteien und Bürger gleichermaßen (Symbolbild).

Starnberg - Während sich FDP und Grüne beim Thema „Bayerischer Hof“ bereits in öffentlichen Statements positioniert haben, treibt auch immer mehr Starnberger Bürger die Sorge um, das stadtbildprägende, aber marode Gebäude könnte abgerissen werden.

„Einem Investor alles zum Fraß hinzuwerfen, wäre eine Versündigung an der Stadt“, mahnte der einheimische Leserbriefschreiber Hans-Jochen Iwan dieser Tage in einer der Tageszeitungen. Er übte damit Kritik am seiner Ansicht nach „auf Wirtschaft begrenzten Denken der FDP“, die sich bereits in einer virtuellen Pressekonferenz am 4.Februar für eine weitere Hotelnutzung auf dem Areal des „Bayerischen Hof“ ausgesprochen hatte. Der Fraktionschef der Liberalen im Stadtrat und Starnberger Ortsvorsitzende der Liberalen, Marc Fiedler, hatte dabei einen Neubau, „ein 180-Betten-Haus mit passender Gastronomie“ favorisiert – nur so würde sich ein derartiges Projekt „für einen Investor rechnen“. Fiedler hält es trotz bestehenden Denkmalschutzes für das Mitte des 19.Jahrhundert errichtete Bestandsgebäude für unrealistisch, den Altbau substantiell zu retten – die Fassade müsse jedoch erhalten werden, ob als Nachbildung oder im Original, so der Stadtrat, der beruflich aus der Immobilienbranche kommt. Fiedler merkte im Rahmen der virtuellen PK zugleich an, es sei „ein starkes Stück“ gewesen, dass die Stadtspitze ihr Wissen um den dramatischen Verfall des „Bayerischen Hof“ Jahre lang für sich behalten habe: Nun sei es mutmaßlich zu spät für eine Sanierung. Der FDP schwebt aus Sicht der Stadt vor, das Grundstück zu behalten und für 30, 40 Jahre in Erbpacht zu vergeben. Einen entsprechenden Investor gälte es mittels „Interessenbekundungsverfahren“ zu finden. FDP-Kollegin Anke Henniger, wie Fiedler seit 2020 erstmals Mitglied des Stadtrates, hat das Positiv-Beispiel des Gasthof Schauer in Possenhofen vor Augen: Dort war der ebenfalls denkmalgeschützte, lange leerstehende Bestandsbau von privaten Investoren innen saniert worden, einen Anbau hatte man abreißen lassen: 2020 war der „Schauer“ wieder betriebsbereit, konnte „wegen Corona“ allerdings nur eingeschränkt wiedereröffnet werden.

Die Starnberger Grünen haben gegenüber der FDP deutlich andere Vorstellungen, wie es auf dem Gelände des „Bayerischen Hof“ weiter gehen könnte: Eine Übertragung des Grundstücks auf einen Investor lehnen sie ab., eine reine „Bettenburg“ mit womöglich 200 Zimmern ebenfalls. Stattdessen favorisieren sie „ein Zentrum für Innovationen, Kultur, Technik, Handel, Sozialeinrichtungen, Vereine und Gastronomie – einen „neuen Mittelpunkt für Starnberg“, wie der Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, Franz Sengl, erläuterte. Es sollten „ganz bewusst sehr unterschiedliche Nutzer angezogen werden, damit eine möglichst belebte, interessante Mischung entsteht“, heißt es in dem Positionspapier der Grünen. Sengl warnte vor einer reinen Hotel-Lösung auf dem Areal, die dann „exklusiven“ Gästen vorbehalten bliebe: „Die Stadt muss mit im Boot sein.“ Im Rahmen eines Gesamtkonzepts, das auch die Villa Beierlein (jetziges VHS-Gebäude) mit einbezöge, wäre allerdings auch für die Grünen ein „kleines Hotel“ denkbar. Doch auch ihnen ist klar, wie es aktuell um den „Bayerischen Hof“ bestellt ist: „Aus bautechnischer Sicht ist eine Sanierung im Bestand weder technisch noch finanziell sinnvoll“ (Sengl); man sei aus diesen Überlegungen heraus dafür, das alte Gebäude abzureißen und mit der bestehenden Fassade wieder aufzubauen. Laut Sengl machen weder die Brandschutzmängel noch die an der Haustechnik einen Gebäude-Erhalt unmöglich, sondern die „nicht mehr nachweisbare Gründung, vermutlich aus Holzpfählen“.

Entscheidend für die Einheimischen sei auch nicht so sehr das Abstractum des Denkmalschutzes, so der grüne Fraktionssprecher, sondern der konkrete Blick auf die Fassade des „Bayerischen Hof“: Man muss beim Hinsehen schon merken, dass man in Starnberg ist und nicht in Wanne-Eickel.“

Thomas Lochte

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