Nach gefälschtem Rezept flog sie aus der Praxis

Patientin rückt Wörthseer Physiotherapeuten auf die Pelle

Gericht
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Vor dem Starnberger Amtsgericht musste sich eine 57-Jährige verantworten. Sie stellte einem Physiotherapeuten aus Wörthsee nach, nachdem er sie wegen eines gefälschten Rezeptes nicht behandeln wollte (Symbolbild).
  • vonFlorian Ladurner
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Landkreis - Ihre effektive Schmerzhandlung bei einem Physiotherapeuten wollte eine Augsburgerin partout nicht missen. Dass der Therapeut der 57-Jährigen aufgrund eines gefälschten Rezeptes das Hausverbot in seiner Schondorfer Praxis erteilte konnte die Frührentnerin nicht einfach hinnehmen und ließ nicht locker, dem Mann auf die Pelle zu rücken.

Vor dem Starnberger Amtsgericht musste sich die 57-Jährige jetzt wegen Nachstellung verantworten. Laut Anklageschrift stellte die Angeklagte rund zwei Jahre lang sowohl ihrem Physiotherapeuten als auch dessen Freundin auf üble Weise nach. In den Jahren 2017 bis 2019 ließ sich die ehemalige Postangestellte offenbar einiges einfallen, um den Beiden zuzusetzen. Laut Anklagevorwurf klebten immer wieder Zettel an den in Wörthsee geparkten Autos des Paares. Die Partnerin des Physiotherapeuten habe an der Windschutzscheibe ihres Seat nicht nur Zettel mit Totenkopfbildern vorgefunden, sondern auch eine abgetrennte Hasenpfote, einen toten Marder oder einen toten Vogel. In der Anklageschrift heißt es, die Angeklagte habe aus Ärger darüber gehandelt, dass der in Wörthsee wohnhafte Therapeut sie nicht weiterbehandelt habe. Die Partnerin des Physiotherapeuten habe auf die massive Drangsalierung mit Schlafstörungen reagiert.

Im Sitzungssaal äußerte die Angeklagte zunächst entschieden: „Ich habe mit diesen Vorfällen nichts zu tun.“ Insbesondere die toten Tiere stritt die Frau ab, räumte aber ein, versucht zu haben, den Kontakt zum Physiotherapeuten herzustellen sowie zwei Briefe an die Windschutzscheibe des Therapeuten geheftet zu haben. „Ihr Rezept wurde aus nicht bekannten Gründen nicht akzeptiert. Sie wollte wissen, was für eine Anwendung der Physiotherapeut gemacht hat, weil ihr das geholfen hat“, gab die Verteidigung bekannt. Richterin Christine Conrad wollte der Angeklagten ihre Unschuldsmiene nicht abnehmen: „Es ist nicht glaubwürdig. Allein die Briefe, die Sie geschrieben haben.“

Schlussendlich ging die Angeklagte in sich und ruderte zurück. Die Augsburgerin gestand nach kurzer anwaltlicher Rechtsberatung die verlesene Anklageschrift ein und beschränkte ihren Einspruch auf die Rechtsfolgen. Den Geschädigten konnte somit die Zeugenaussage erspart werden. Richterin Conrad setzte die Geldstrafe bei 120 Tagessätzen à 15 Euro fest. Für die Rentnerin immerhin eine gewisse Einsparung - der Strafbefehl mit 150 Tagessätzen ist somit vom Tisch.

Nilda Frangos

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