5480 Atemschutzmasken, 768 Liter Desinfektionsmittel und 500 Schutzanzüge

Bis zu 90 Personen können pro Tag im Andechser Drive-In getestet werden

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So sieht die Drive-In Test Station in Andechs aus.

Starnberg – Corona, ein Thema das die Welt beherrscht. Auch im Landkreis steigt die Zahl der Infizierten weiter an. Um die Hausärzte und Kliniken ein wenig zu entlasten, wurde am Mittwoch die erste Drive-in Teststelle des Landkreises in Andechs eröffnet.

Am Dienstagnachmittag äußerten sich Landrat Karl Roth, Geschäftsführer der Starnberger Kliniken Dr. Thomas Weiler, Leiter des Starnberger Gesundheitsamts Dr. Lorenz Schröfl, Geschäftsbereichsleiterin für öffentliche Sicherheit und Ordnung, Gesundheits- und Veterinärwesen Karin Wölfl und die stellvertretende Pressesprecherin des Landratsamts Starnberg, Barbara Beck, in einer Pressekonferenz zu den aktuellen Geschehnissen und wie das Thema Covid-19 den Landkreis beherrscht.

Klinikmitarbeiter tragen Mundschutz

 Inzwischen sind 153 Menschen aus dem Landkreis mit dem Coronavirus infiziert. Darunter auch zwei Krankenhausmitarbeiter, wie Weiler erklärte. Stand Dienstag wurden 16 Patienten in den Starnberger Kliniken, also Starnberg, Penzberg und Herrsching, stationär betreut. Um die Ansteckungsgefahr im Krankenhaus zu senken, muss jeder Mitarbeiter einen Mund- und Nasenschutz tragen. Außerdem ist eine Besucherbeschränkung in Kraft getreten, sodass nur noch in Ausnahmefällen Besucher das Krankenhaus betreten dürfen. Bisher war ein Corona-Patient im Starnberger Klinikum intensivpflichtig, konnte aber inzwischen wieder auf eine Normalstation verlegt werden. „Sobald ein Patient auf der Intensivstation behandelt werden muss, steigt der Gebrauch von Material exponentiell an“, erklärte Weiler am Nachmittag. „Wenn sich die Ausbreitung nicht verlangsamt, werden ein Teil der Patienten sterben, weil kein adäquater Platz zur Verfügung steht“, so der Geschäftsführer der Starnberger Kliniken weiter. Genau aus diesem Grund begrüßt er die Entscheidung des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, eine Ausgangssperre zu erlassen. „Sonst wird das System gnadenlos überlastet“, warnt Weiler „Wir müssen uns fragen, wie gefährlich ist dieser Keim an sich und können wir die Erkrankten wieder heilen. (…) Es ist der Stresstest des Gesundheitssystems“.

Weitere Station in Krailling geplant  

Um das System etwas zu entlasten, startete am Mittwoch die erste Drive-in Teststelle in Andechs in Kooperation mit der Aicher Ambulanz. Von 8:30 bis 16:30 Uhr testen ein Arzt und ein weiterer Mitarbeiter die Verdachtsfälle. Aber nicht jeder kann sich testen lassen: Nur Patienten, die Symptome aufweisen, Kontakt zu einer infizierten Person hatten oder aus einem Risikogebiet kommen, können - nach vorheriger Anmeldung durch ihren Hausarzt bei einer zentralen Koordinierungsstelle des Landratsamtes - zum Testen nach Andechs kommen. Jeder angemeldete Patient bekommt eine bestimmte Testuhrzeit sowie einen PIN zugewiesen. Bis zu 90 Personen können pro Tag im Andechser Drive-in getestet werden: Den angemeldeten Patienten wird einfach durch das Autofenster ein Rachenabstrich genommen. „Ich bin schon sehr glücklich über den Drive-in. Jetzt können wir begründete Verdachtsfälle testen, was vorher nicht wirklich einfach war“, freut sich Schröfl. Eine zweite Drive-in Station soll voraussichtlich nächste Woche in Krailling starten.

Abstriche werden gemacht, um zu sehen ob jemand auch wieder gesund ist

Das Starnberger Gesundheitsamt testet auch selber sowohl Behördenmitglieder als auch Otto Normalverbraucher. Diese allerdings nur in besonderen Fällen, wenn sie mit deutlichen Krankheitssymptomen nirgendwo anders behandelt werden konnten. „Es werden auch Kontrollabstriche gemacht, um zu sehen, ob eine infizierte Person wieder gesund ist und aus der Quarantäne entlassen werden kann“, so Schröfl. Wenn eine Person positiv getestet wurde, muss auch das Umfeld geklärt und gegebenenfalls isoliert werden. Darunter sind natürlich die Familienmitglieder, aber auch engere Kontaktpersonen, also Menschen, die mit der Indexperson für mehr als fünf Minuten in einem Abstand unter zwei Meter Kontakt hatten. „Wir gehen mit heutigem Wissensstand davon aus, dass infizierte Personen schon zwei Tage vor dem Auftreten der Symptome ansteckend sind“, erklärt Schröfl. Wenn eine Person aus dem Umfeld der Indexperson in einer Zeitspanne von zwei Wochen Symptome zeigt, gilt sie als begründeter Verdachtsfall.

Material reicht bei Weitem nicht, aber ein Anfang

Bisher haben drei Materiallieferungen den Starnberger Landkreis erreicht. „Die Bedarfe der sich Meldenden, ist wesentlich höher als das Gelieferte“, so Roth. Die 5480 Atemschutzmasken, 768 Liter Desinfektionsmittel, 500 Schutzanzüge, 50 Pflegekittel und 4000 Paar Handschuhe, die den Landkreis bis Dienstag erreicht haben, müssen auf die Kliniken im Landkreis, das Starnberger Gesundheitsamt, die Drive-in Teststation und viele weitere Einrichtungen verteilt werden. „Es reicht bei Weitem noch nicht, aber es ist mal ein Anfang“, erklärt der Landrat. Neue Bestellungen laufen allerdings schon. Auch Weiler hofft auf Nachschub: „Man braucht mindestens sechs Atemschutzmasken pro Tag für einen Patienten im Krankenhaus.“ Bei der Frage, ob die Ausgangsbeschränkung länger als zwei Wochen andauern sollte, sind sich die Experten einig: „Ich empfehle 14 plus X Tage. (…) Aus medizinischer Sicht ist eine Verlängerung günstig zu bewerten“, so Schröfl. „In verschiedensten Modellrechnungen liegt der Peak in Deutschland deutlich jenseits der 14 Tage. 14 auf jeden Fall plus X Tage“, schließt sich Weiler seinem Kollegen an.

"Bei 20 Prozent der Erkrankten gibt es eine behandlungswürdige Symptomatik"

Die Letalität, also die Wahrscheinlichkeit, an einer Krankheit zu sterben, liegt beim Coronavirus bei drei Prozent, was deutlich unter den Werten anderer Krankheiten liegt. So haben die Pocken beispielsweise eine Letalität von 30 Prozent und Ebola sogar 50 Prozent. „Wir gehen davon aus, dass das Virus erst Ruhe gibt, wenn es 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung erreicht hat“, mahnt der Geschäftsführer der Starnberger Kliniken. Allerdings kann Weiler auch Entwarnung geben, denn bei 80 Prozent der Infizierten verläuft die Krankheit mit milden bis hin zu keinen Symptomen. Bei den restlichen 20 Prozent gibt es eine behandlungswürdige Symptomatik. Davon sind fünf Prozent intensivpflichtig und wiederum nur die Hälfte davon verstirbt. Es gibt auch gute Neuigkeiten: „Wir bemerken einen sehr hohen Zuspruch aus der Bevölkerung“, so Weiler. Es gibt einen „großen Sturm“ an freiwilligen Helfern. Ehemalige, Studenten und auch Berufsfremde bieten ihre Hilfe an, sodass es bisher schon eine hohe zweistellige Zahl an geeigneten neuen Helfern gibt, erklärte der Klinikchef. Inzwischen konnten sogar 10 bis 15 gesundete Corona-Patienten wieder aus den Krankenhäusern entlassen werden.

Am heutigen Mittwoch wurden 25 Leute in Andechs getestet, für Morgen sind schon 15 angemeldet. 

Von Lisa Livancic

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