IHK: 85 Prozent der Flächen sind Natur und Landwirtschaft

Problemthema im Landkreis Starnberg: Flächennutzung 

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V.li.: Martin Eickelschulte, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Starnberg, Dr. Tina Emslander, Leiterin der Geschäftsstelle Region München und Chef-Volkswirt Dr. Robert Obermeier relativierten im Pressegespräch den „Flächenfraß“ in Bayern.

Landkreis – Unser Landkreis ist grün: Mit dieser Botschaft eröffnete die Industrie- und Handelskammer (IHK) Starnberg vergangene Woche ein Pressegespräch – und lieferte Gegenargumente gegen die Bürgerinitiative „Betonflut eindämmen“ der Grünen. Denn der Landkreis sei eben nicht „zubetoniert und vollgepflastert mit Gewerbeflächen, Parkplätzen und Einkaufszentren“, betonte Martin Eickelschulte, bevor der Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Starnberg konkret wurde.

85,5 Prozent Fläche seien in Starnberg entweder Natur oder landwirtschaftlich genutzt. Lediglich 0,7 Prozent Versiegelung ging auf das Konto von Industrie, Gewerbe, Handel und Dienstleistungen. Zum Verbildlichen zeigte IHK-Chef-Volkswirt Dr. Robert Obermeier eine Bayernkarte, die die tatsächlich versiegelte Fläche in Bayern ins rechte Licht rücken sollte: Der gelbe Zipfel entsprach mit elf Prozent verbauter Siedlungsfläche dem Gebiet von Unterfranken. Das Gewerbe beanspruchte rot markiert knapp ein Prozent, was so viel wie Augsburg, München und Nürnberg ausmachte. Die Zahlen stammen vom Bayerischen Landesamt für Statistik und weichen von den Daten ab, die im Rahmen einer Bürgerinitiative mit der Forderung für eine Obergrenze versiegelter Flächen derzeit kursieren. Das liege in den Luftbildern, die seit 2016 die Katasterauszüge beim Ermitteln der Flächennutzung ersetze und realistische Werte liefere, versicherte Obermeier. 

Denn: „Siedlungsfläche ist nicht automatisch komplett versiegelte Fläche.“ So beinhaltete Siedlungs- und Verkehrsfläche auch Gärten, Parks, Sport oder Erholungsflächen. Eickelschulte: „Wir legen Wert darauf, diesen schönen Landkreis zu erhalten. Wir nehmen das Bürgerbegehren sehr ernst, aber wir müssen auch die Fakten anerkennen.“ Fakt sei auch, dass Starnbergs Wirtschaft wachse und den Unternehmen dafür gerade Mal 5,9 ha freie Gewerbefläche zur Verfügung stünden. Das decke bei weitem nicht den Bedarf. Die Unternehmen gingen sehr maßvoll mit der Fläche um, fuhr er fort und zitierte das Landesamt für Statistik: Trotz wachsender Wirtschaftsleistung sei der prozentuale Anteil von Gewerbe- und Industrie an der Gebietsfläche in Starnberg zwischen 2011 und 2015 unverändert geblieben. „Die Produktivität je Hektar Gewerbefläche ist also gestiegen.“ 

In effizient genutzten Flächen sahen die IHK-Vertreter einen Lösungsansatz. Ein Mittel wäre in ihren Augen Innen- vor Außenverdichtung und Aufstockung auch von Wohngebäuden. Außerdem müsste die Wiederbelebung von Brachflächen und Verdichtungspotentiale geprüft werden. Als Vorbild diente Eickelschulte die Firma TQ Systems in Seefeld. Die 14 Kommunen rief er auf, ein gemeinsames Flächenmanagement zu betreiben und hob das interkommunale Gewerbegebiet von Inning und Wörthsee als beispielhaft hervor. „Wir verlangen eine ehrliche Diskussion. Wer nur die vermeintlich flächenverschwenderische Wirtschaft an den Pranger stellt und jegliche Entwicklung mit Versiegelung und Betonflut gleichsetzt, führt die Bürger bewusst in die Irre“, appellierte Eickelschulte an alle politischen Akteure und Parteien.

Von Michele Kirner

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