Entscheidung coronabedingt vertagt

Radverbot auf dem Herrschinger Panoramaweg noch nicht vom Tisch

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Über ein Radlverbot auf dem Panoramaweg wird in Herrsching hitzig diskutiert.

Herrsching - Fahrverbot oder nicht Fahrverbot für Radler auf der Seepromenade beschäftigte die Räte in Herrschings jüngster Sitzung. Die Entscheidung verschob ein coronabedingt verkleinertes Gremium mit knapper Mehrheit in die Sitzung, an der alle Gemeinderäte teilnehmen – was die Befürworter und die Gegner mit großem Bedauern zur Kenntnis nahmen.

Sichtlich enttäuscht zogen die Zuschauer daraufhin ab, die sich nur deshalb ins Rathaus aufgemacht hatten. „Wir Herrschinger sind auf den Radweg angewiesen“, sagte ein Anwohner aus Lochschwab. Für seine drei Kinder sei die Promenade ein sicherer Schulweg. Er selbst radle oft zum Einkaufen. „Wir brauchen nicht weniger, sondern mehr Radwege“, betonte er. Als der Mann die Ankündigung im Starnberger Merkur gelesen hatte, sei er „fast rückwärts umgefallen“.

Mia Schmidt hingegen gehört zu den Verfechterinnen des Radlverbots. Als Alternative schlug die begeisterte Radlerin und Vorsitzende des Seniorenbeirats vor, die gesamte Summerstraße bis zum Ende der Madeleine-Ruoff-Straße in eine Fahrradstraße umzuwandeln. Kürzlich sei sie mit ihrem E-Rad kreuz und quer durch Nördlingen gefahren, erzählte sie. Auf Fahrradstraßen, auf denen die Autofahrer maximal 30 km/h fahren dürfen und sich den Radlern unterordnen müssen. Diese dürfen sogar nebeneinander herfahren und genießen bedingungslose Vorfahrt. „Warum geht es bei uns nicht, wenn es in Nördlingen geht?“, wunderte sie sich.

Hans Wannemacher, ehemaliger Polizeibeamter, sah das genauso. Bislang berufe sich die Verwaltung darauf, dass die Polizei sich dagegen sperre, sagte der Vorsitzende des Behindertenbeirates. „In meinen Augen sind das lediglich unverbindliche Empfehlungen.“

Enttäuscht waren auch die Befürworter des Verbots, sie hätten sich eine Umsetzung noch vor dem Besucheransturm in den Sommerferien gewünscht. „Die meisten Radler fahren umsichtig“, räumte Mia Schmidt ein. Dennoch komme es immer wieder zu gefährlichen Situationen. Wie vor ein paar Wochen, als eine Frau mit Krücken vom Anhänger einer Radlerin umgenietet wurde.

Auch Bürgermeister Christian Schiller bedauerte, dass die Ratsrunde sich mit 7:4 für die Vertagung aussprach. „Wir hätten zumindest diskutieren können, ob ein Verbot Auswirkungen auf den Radverkehr auf der Summerstraße und der Madeleine-Ruoff-Straße hat“, sagte er. Davon nämlich geht Schmidt aus. Sollten der Radverkehr fortan auf der knapp 1,5 Kilometer langen Strecke überwiegen, würde die Polizei der Umwidmung zur Fahrradstraße ihren Segen geben, so Schiller. Wann der Gemeinderat das Verbot bespricht, ist laut Schiller noch offen. „Es kommt darauf an, welchen Antrag die SPD einreicht. Wenn wir Polizei, Verkehrsplaner und Landratsamt brauchen, dann könnte das dauern.“

Von Michèle Kirner-Bernoulli

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