Radweg Birkenallee Raisting - Dießen

Erste Demo des Jahres

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Region Ammersee – Treffpunkt: 1. April in Raisting beim Maibaum. Auf den Weg gemacht haben sich Radler aus den Ortsteilen Fischen, Dießen, Pähl und Raisting ebenso wie zwei waschechte Berliner, die im Pulk in einer so genannten Critical Mass gemeinsam und in Begleitung der Polizei nach Fischen und zurück radeln.

Um dorthin zu gelangen, müssen viele von ihnen ungeschützt und eben noch nicht im von der Polizei begleiteten Pulk auf ihren zwei Rädern im abendlichen Berufsverkehr die schmale Birkenallee und die sich nach Raisting schlängelnde Kreisstraße ins Dorf entlang fahren. Dabei werden sie fast ununterbrochen von Autos überholt. Auch im Überholverbot und nicht immer rücksichtsvoll. In diesem Moment reißt ein Fahrradfahrer aufgebracht einen Arm in die Luft und schimpft hinter einem besonders schnellen Kandidaten her. Er ist im wahrsten Sinne ein gebranntes Kind, denn im Dezember verursachte vor seinen Augen ein eben solches Überholmanöver einen Unfall. An einer engen Stelle bei der Brücke setzte ein Opel seine vier Räder auf die Überholspur – und übersah ein entgegenkommendes Fahrzeug. Dabei ging die Leitplanke zu Bruch und fünf Menschen wurden verletzt, schwankt der Pähler noch immer zwischen Ärger und Erschütterung. Auf seiner Warnweste steht in Druckbuchstaben die Forderung „Birken-Allee Radweg Fischen-Dießen“. Auf einem Plakat fordert er den Radweg zum Schutz ALLER Verkehrsteilnehmer, erklärt er. Das hat er heute zu Hause gelassen. Unterdessen ist es 18 Uhr. Die Polizei schaltet die blauen Warnlampen ein und führt den Tross an, ein zweites Polizeiauto setzt sich schützend ans Ende der rund 60 Demonstranten, die dem Aufruf der „Initiative Radwege am südlichen Ammersee“ gefolgt sind und die knapp 13 Kilometer bis Fischen und zurückfahren. Es ist kühl heute, bedauert Dieter Wirsich von der Initiative. In Hoch-Zeiten treten 150 Befürworter im Sinne eines straßenbegleitenden Radwegs in die Pedale. Seit mehr als 20 Jahren kämpfen einige Bewohner der Ortsteile bereits für einen Ammersee-Rundweg. Bislang machte ihnen der Naturschutz einen Strich durch die Rechnung. Dagegen stellt sich aus Gründen des Vogelschutzes auch die Schutzgemeinschaft Ammersee. Mitglied ist Herbert Riegger, der sich gleichzeitig für den Bau des Weges auf der Südseite der Allee einsetzt. Das wollte der Organisation gar nicht gefallen und warf ihr Mitglied kürzlich raus. Das zeigt, wie emotional das Thema geladen ist. Die Gegner argumentieren mit ausgeschilderten Alternativen für Radfahrer wie die Raistinger-Schleife. Ein Umweg von rund vier Kilometern, der obendrein auf der Kreisstraße endet, lehnt Wirsich die Strecke ab. Er und seine Mitstreiter fordern eine schnelle, sichere Verbindung für Familien, Kinder oder auch Frauen. „Schließlich wird propagiert, dass man zur Arbeitsstelle und zurück das Rad nimmt. Dann sollte man auch entsprechende Radwege anbieten“, fügt er hinzu. „Jeder Fahrradfahrer ist doch im Auftrag der Umwelt unterwegs“, äußert sich ein älterer Herr und Mitdemonstrant über die Weigerung, eine sichere Strecke für die Velofahrer zu schaffen. Unterdessen hat das Anliegen die Bürgermeister aus Pähl, Fischen, Dießen und Raisting auf den Plan gerufen, die jüngst erneut eine Machbarkeitsstudie initiierten. Diese soll prüfen, ob die vor 20 Jahren angeführten Naturschutzgründe heute noch gelten. Im Juni soll sie rauskommen. Bis dahin findet weiterhin jeden ersten Freitag im Monat eine Demo statt. mk

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