Im Rahmen der Aktionswoche "Zu Hause daheim" diskutieren ältere Menschen über Wohnformen

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Gilching – In Gilching leben rund 4.600 Menschen, die älter als 60 Jahre sind. Ihre Fürsprecherin heißt Hanka Schmitt-Luginger, Vorsitzende des Seniorenbeirats. Sie hatte ins Café Andechser eingeladen, um mit Betroffenen über künftige Lebensformen zu diskutieren.

„Je früher man überlegt, wie man im Alter wohnen möchte, desto besser“, betonte Hanka Schmitt-Luginger. „Viele Menschen möchten in ihrer vertrauten Umgebung selbstbestimmt wohnen bleiben. Wichtig dabei ist, dass nicht nur die Wohnung, sondern auch das Umfeld barrierefrei ist.“ Im Rahmen der bayernweiten Aktionswoche „Zu Hause daheim“, initiiert durch das bayerische Familien- und Sozialministerium, diskutierten rund 60 Interessierte, meist selbst älter, im Café des Sozialdienstes Gilching verschiedene Wohnformen, kritisierten aber auch die fehlende Barrierefreiheit im öffentlichen Raum. Als Fachfrau stand Anja Preuß für Fragen zur Verfügung. Die Geografin der Arbeitsgruppe für Sozialplanung und Altersforschung machte sich bereits vor zwei Jahren in Begleitung des Seniorenbeirats und einer Gruppe mobil eingeschränkter Menschen auf Spurensuche durchs Gilchinger Ortszentrum, um Schwachstellen aufzuspüren. „Wir haben vieles entdeckt, was verbessert werden kann“, sagte Schmitt-Luginger. Eine Liste wurde an Bürgermeister Manfred Walter übergeben. „Es ist auch schon einiges passiert. Leider geht das alles nicht so schnell, wie wir uns das wünschen.“ Generell über die demografische Entwicklung referierte Anja Preuß. „Derzeit sind zehn Prozent der Bevölkerung auf Barrierefreiheit angewiesen. Diese Zahl wird in nächster Zeit deutlich ansteigen.“ Sei es die Höhe der Borsteine, ein holpriges Kopfsteinpflaster oder fehlende sanitäre Anlagen, weshalb mobil eingeschränkte Menschen ihr Zuhause oft nicht verlassen können. „Es geht dabei nicht nur um ältere Menschen. Es sind auch Eltern mit Kinderwägen, die oft vor unüberwindlichen Hürden stehen“, betonte Preuß. Bei einem zweiten Rundgang standen kürzlich das „Sonnenzentrum“ beziehungsweise der S-Bahnhof Neugilching im Fokus. „Es gibt trotz vieler älterer Bewohner an der Sonnenstraße und der Dorniersiedlung keine Apotheke mehr. Außerdem fehlen Ruhebänke und ein Lift im Ärztehaus“, zählte Preuß unter anderem auf. Völlig unzureichend aber seien die Bedingungen am S-Bahnhof Neugilching mit steilen Treppenaufgängen und fehlendem Licht. „Mich beschleicht jedes Mal ein flaues Gefühl, wenn ich dort nachts ankomme. Ich würde das Bahnhofsgelände als Angstraum bezeichnen.“ An die Versammlung appellierte Preuß, die Augen offen zu halten, Schwachpunkte melden und gemeinsam Lösungen erarbeiten. Zum Thema Wohnformen im Alter referierte Cäcilia McKechnie, im Sozialdienst zuständig für die Betreutes Wohnen an der Andechser Straße und für den vor zwölf Jahren eingerichteten Service Betreutes Wohnen zu Hause. „Ursprünglich wollten wir höchsten 20 Klienten aufnehmen. Doch die Nachfrage war weit größer. Heute nutzen über 50 Männer und Frauen aus Gilching die Pflege zu Hause.“ Die Kosten für den Pauschal-Grundvertrag inklusive Hausnotruf gab McKechnie mit 120 Euro monatlich an. Dazu kommen die jeweiligen Dienstleistungen. Im Seniorenhaus Betreutes Wohnen stehen 51 Wohnungen zur Verfügung. „Die Warteliste ist dreistellig. Wir hatten noch nie einen Leerstand“, erklärte McKechnie. Sie empfahl eine rechtzeitige Anmeldung, sollte man diese Wohnform bevorzugen. „Ist man dann wirklich an der Reihe, kann man sich ja immer noch umentscheiden.“ pop

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