Übung für den Ernstfall

Spektakel am alten Raiba-Lagerhaus

+

Gilching – Am vergangenen Samstag gab es an der Ecke Starnberger Weg/Weßlinger Straße in Gilching ein rauchiges Spektakel.

Weil das ehemalige Raiffeisen-Lagerhaus sowieso dem baldigen Abbruch preisgegeben ist, durften sich die Feuerwehren aus Gilching, Geisenbrunn und Germering so richtig austoben. „Es war Premiere, weil wir das erste Mal auch die Kollegen aus Germering mit dabei hatten“, erklärte Michael Klingelmair, stellvertretender Feuerwehrkommandant der Gastgeber aus Gilching. Insgesamt beteiligten sich 60 Feuerwehrmänner und –frauen und 20 Jugendliche. Wie berichtet, entsteht anstelle des alten Raiffeisen-Lagerhauses schon bald ein Pflegeheim. Ein Glücksfall für die Feuerwehren. Denn eher selten können sie den Ernstfall an einem derart großflächigen Projekt trainieren. Insgesamt gab es vier Einsatzmöglichkeiten. Zum einen musste aus einem tiefen Schacht eine verletzte Person geborgen werden. Außerdem gab es einen Gasunfall, einen Pkw-Brand in der Garage und einen Gefahrengut-Unfall. Damit der Einsatzort der Realität so weit als möglich ähnlich war, wurden Andreas Tuetel, Marcel Holler und Kai Krautwasser von „Fire-Ice and Magic“ engagiert. Das rauchige Szenario konnte sich sehen und riechen lassen. Die Pyrotechniker hatten sichtlich Freude daran, im Freien ein kleines Feuer zu entfachen und die Lager-Ruinen unter Rauch zu setzen. „Normalerweise sind wir für Spezialeffekte bei Musicals, im Theater oder bei Film- und Fernsehproduktionen zuständig“, erzählt Holler. „Bei der Feuerwehr mal einen Brand zu legen, gehört eher nicht zu unserem Repertoire, macht aber dennoch viel Spaß.“ 

An dem Einsatz beteiligten sich aktiv zwölf Germeringer, 14 Geisenbrunner und 35 Gilchinger Floriansjünger. Obwohl erstmals in dieser Besetzung zusammen gearbeitet wurde, die Handgriffe klappten wie am Schnürchen. „Auf so eine Wehr kann man stolz sein“, sagte Bürgermeister Manfred Walter. Zumal es in Gilching auch keinen Nachwuchsmangel gibt. Derzeit stehen 85 Aktive bereit, wenn es Alarm gibt. „Wir haben richtig zugelegt“, freut sich Michael Klingelmair, stellvertretender Kommandant. Aber auch der Aufgabenbereich sei enorm gewachsen. „Bisher hatten wir immer so bis 120 Einsätze im Jahr. Heuer werden wir erstmals die 200 überschreiten.“ Wobei Brände den geringeren Anteil haben. „Heuer waren es eher Sturmschäden. Es macht sich aber auch der Bevölkerungszuwachs und die neuen Gewerbeansiedlungen bemerkbar.“ Weshalb auch die Räumlichkeiten für Personal und Fuhrpark den neuen Bedürfnissen angepasst werden müssen. „Der Bedarf ist da. Wir werden alles tun, damit die Feuerwehr bald ihr neues Heim bekommt“, versprach der Rathauschef. Momentan sei er dabei, ein passendes Grundstück zu finden. Drei stehen zur Auswahl. Walter: „Im November wird dann der Gemeinderat über den neuen Standort entscheiden.“ Begeisterung gab es auch bei den 20 Jugendlichen, die zwar nicht mit Hand anlegen durften, aber jeden Handgriff genau verfolgten. „Ich bin seit Januar mit dabei“, erklärte der zwölfjährige Linus Ullmann. „Für mich war es interessant zu sehen, was alles passieren kann. Schon als ich erst Sieben war war es mein Traum, zur Feuerwehr zu gehen. Es ist schön, wenn man Menschen helfen kann. Irgendwann versteht man auch, dass man vorsichtig mit den Dingen, wie mit dem Feuer, umgehen muss. Je mehr Leute das wissen, desto weniger passiert dann auch.“ Der 13-jährige Florian Hager ist zwar erst seit Mai dabei. Doch auch er kennt sich aus. „Für mich war die Übung heute sehr wichtig. Ich habe jeden Handgriff genau verfolgt, damit ich später mal genauso handeln kann.“ Was beide mögen, ist der Zusammenhalt der Kameraden und die gegenseitige Rücksichtnahme. „Ich freu mich schon, wenn ich mal ein richtiger Feuerwehrmann bin“, sagt Florian. „Es fehlen aber noch die Mädchen.“ 

Stolz auf den Nachwuchs zeigte sich Jugendwart Albert Weindl. „Wir haben eine tolle Truppe, aus der auch die künftigen Feuerwehrleute hervorgehen werden.“ Derzeit sind es 24 Jungs und ein Mädchen. Fünf der über 16-Jährigen beginnen schon bald die Ausbildung. „Deshalb freuen wir uns über weiteren Nachwuchs. Außer den normalen Übungen wird auch die Geselligkeit groß geschrieben“, verspricht Weindl. Zum so genannten Arbeitsdienst treffen sich Erwachsene wie auch Jugendlichen jeweils mittwochs ab 19 Uhr im Feuerwehrhaus am Starnberger Weg 18. Polly Polster

Meistgelesen

Starnberg: Wenn die Schwester beim Bruder im Handy-Laden vorbeischaut...
Starnberg: Wenn die Schwester beim Bruder im Handy-Laden vorbeischaut...
Weltwassertag: AWA will Missstände aufzeigen
Weltwassertag: AWA will Missstände aufzeigen
Für das Ehrenamt: Engelsflügel und Urkunde für Leoni Artus
Für das Ehrenamt: Engelsflügel und Urkunde für Leoni Artus
Gilchinger Heimatmuseum "Schichtwerk" im Werson-Haus eröffnet
Gilchinger Heimatmuseum "Schichtwerk" im Werson-Haus eröffnet

Kommentare