Nach dem Raiffeisen-Lagerhaus verschwindet nun auch das Post-Hochhaus in Gilching

Zwei ehemals prägende Gebäude

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Das so genannte Post-Hochhaus an der Römerstraße in Gilching wird derzeit Stein für Stein abgetragen.

Gilching – Zwei prägende Gebäude in Gilching gehören bald der Vergangenheit an. Anstelle des alten Raiffeisen-Lagerhauses an der Weßlinger Straße entsteht derzeit ein Pflegeheim. Eröffnung ist im Herbst geplant. Das so genannte Post-Hochhaus an der Römerstraße wird derzeit Stein für Stein abgetragen.

Nein, mit der Sprengung wird es nichts, sagt Reinhold Coulon, Vorstandsmitglied der Raiffeisenbank Gilching. Immer wieder hatten Bürger angefragt, wann es den soweit sei, um als Zaungäste mit dabei zu sein. Die Raiffeisenbank ist Besitzer des vierstöckigen Gebäudes und auch Bauherr eines neuen Wohn- und Geschäftshauses anstelle des Altbestandes. „Eine Sprengung wird heute nur noch in Ausnahmefällen gemacht, weil dadurch die Sortierung des Alt-Materials schwierig wird“, erklärt der Banker. Wird Stockwerk für Stockwerk abgetragen, können Metall- und andere Gebäude-Teile sofort sortiert und anschließend fachgerecht entsorgt werden. Mit dem Verschwinden der zwei städtebaulich prägenden Gebäude der Raiffeisenbank - Lagerhaus und Post-Hochhaus - lohnt auch ein Blick in die Entwicklung, die vor fast 125 Jahren begann. Gegründet wurde die Raiffeisenbank am 6. August 1893 von 65 Bürgern beim Oberen Wirt im Altdorf. Gilching hatte damals 715 Einwohner, verteilt auf 90 Anwesen. Was pro Haushalt acht Personen ausmachte. „Der Bankbetrieb war zu Beginn privat im Wohnzimmer von Herrn Anton Metz an der Brucker Straße untergebracht. Die Frauen hatten damals kein Stimmrecht, und deshalb waren die Gründungsmitglieder alle männlich“, erzählt Vorstandsmitglied Wolfgang Schneider. Bereits 1908 entstand das Lagerhaus beim Weiler Rottenried, das 1927 für 3.682 Reichsmark erweitert wurde. Erst 1961 entschied sich die Genossenschaft, an der Weßlinger Straße ein großzügiges Lagerhaus zu bauen, das während der Erntezeit auch zum Lagern des Getreides genutzt wurde. Das Bankgebäude mit integrierter Post an der Römerstraße entstand 1957, elf Jahre später wurde es umgebaut und den gewachsenen Bedürfnissen angepasst. Bis 1955 oblag die Leitung der Bank ehrenamtlichen Mitarbeitern. Erst im Jahr 1955 entschloss sich das Konsortium, einen hauptamtlichen Geschäftsführer zu benennen. Der wirtschaftliche Erfolg blieb der Genossenschaftsbank trotz Inflation, Währungsreform und diversen Bankenkrisen erhalten. 1971 entstand eine Zweigstelle an der Landsberger Straße, 1984 wurde das Bankgebäude an der Römerstraße 30 eingeweiht; 2004 folgte eine Generalsanierung. Das frei gewordene ebenerdige Gebäude neben dem Hochhaus nutzte die Post für die Erweiterung ihrer Schalterhalle. Sowohl die Mieter der zehn Wohnungen wie auch die Post sind längst ausgezogen. Geplant ist auf dem gesamten Areal unter Federführung der Bank ein Einkaufszentrum mit Ärztehaus plus Wohnungen. Heute zählt die Raiffeisenbank Gilching, die mittlerweile von den zwei gleichberechtigen Vorstandsmitgliedern Wolfgang Schneider und Reinhold Coulon geführt wird, 1.858 Mitglieder. Beschäftigt sind insgesamt 42 Mitarbeiter. Ziel der Genossenschaft ist weniger die Gewinnoptimierung als vielmehr die Möglichkeit, dass mit dem Geld der Sparer der Kreditbedarf innerhalb der Region gedeckt wird, betont Schneider. „Unsere Kunden aber können sicher sein, dass wir nicht weltweit in irgendwelche unsicheren Projekte investieren, wir investieren in Gilching.“ pop

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