Realschule Herrsching

Was wäre eigentlich, wenn...

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Herrsching – Wie wäre es, wenn angehende Absolventen der Mittleren Reife den Landtag stellten?

Ein Beispiel dafür gab es am letzten Schultag vor den Ferien in der Realschule Herrsching zu sehen. Die Schüler stimmten gleich einmal gegen den Gesetzesentwurf der SPD „Zur Durchführung von Reformen an Bayerischen Schulen“. Allerdings befürworteten sie probeweise und in je einer ausgewählten Schule aller Schulformen die Klassenstärke von maximal 20 Schüler eingeführt – zumindest, wenn die 10b und 10d der Realschule das Sagen hätten. Denn in der Jahnstraße tagte am Freitag der Landtag. Oder anders gesagt: Ein Planspiel und Kooperationsprojekt des Bayerischen Landtags und der Forschungs- gruppe Jugend und Europa. In den Fraktionen wurde hitzig und kontrovers diskutiert. So wie im „richtigen Leben“, wenn die ebenfalls Anwesenden Landtagsabgeordneten Ute Eiling-Hütig (CSU) und Kathrin Sonnenholzner (SPD) im Ausschuss über Gesetzesentwürfen brüten.

Wie im richtigen Leben: Es wurde kontrovers diskutiert

Angemeldet hatte die knapp 50 Schüler für das Lernprojekt „Der Landtag sind wir“ Sozial-kundelehrerin Nicole Thiemann. „Meinen Unterricht möchte ich lebensnah gestalten und an aktuellen Themen festmachen“, sagte die Pädagogin. Ein Musterbeispiel dafür war der letzte Schultag vor den Ferien, an denen sich ihre Schützlinge mit dem fiktiven Vorschlag der SPD auseinandersetzten und etwa Sinn und Unsinn vom Sitzenbleiben prüften. Die Mitwirkenden bekamen ihre Fraktion und ihre Rolle darin zugewiesen. So waren sie etwa ein 44-jähriges CSU-Mitglied, das sich gegen die Abschaffung aussprach. Zum „Landtagspräsidenten“ gewählt wurde Julian Traublinger. An diesem Tag gehörte er der CSU an und trat für das Sitzenbleiben ein, das er in der Fraktionssitzung eloquent vertrat. „50 Prozent aller Sitzenbleiber erreichen einen besseren Abschluss als Nicht-Sitzenbleiber“, zitierte er eine Studie, die ihm die jungen Organisatoren des Planspiels zuvor ausgeteilt hatten. „Was aber, wenn man wegen Ethik sitzenbleibt, aber in allen anderen Fächern gut ist?“ konterte eine SPD-Vertreterin. Man stimmte ab. „Du stimmst gegen deine eigene Partei“, beschwerte sich die Schülerin. Das passiere eigentlich eher selten, erklärte Sonnenholzner, die zum tagenden Ausschuss Arbeit, Soziales, Familie und Integration hinzugestoßen war.

Ganz real: Wie Politik wirklich funktioniert

Ute Eiling-Hütig wiederum bekam mit, wie man über 10.000 neue Lehrerstellen diskutierte, die für die Reduzierung der Klassenstärken notwendig wären. „Das ist viel zu teuer und sehr unrealistisch“, erklärte sie nach der finalen Versammlung, an dem die Fraktionen ihre Ansicht in fünf Minuten für das Plenum ausformulierten. Dann hatten die politisch interessierten Schüler Zeit, den beiden Landtagsabgeortneten Fragen zu stellen. Sie wollten mehr über die Flüchtlinge wissen, die Macht der Kirche oder der Einfluss von Pegida. Echte politische Leidenschaft, Emotionen, Meinungen und Konsens waren das Resultat eines heiß debattierten Vormittags. Ein gelungenes Projekt ist das eindeutige Fazit aus dem Planspiel. mk

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