Bremsen, lenken, reagieren: Wie Schlaganfall-Patienten den Umgang mit dem Mobilitätsfaktor Auto neu erlernen

Mit dem "Reha Coaching Car" ein bisschen Alltag

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Auf dem Fahrersitz sitzt Mario Goetza (bei Veigel Automotive zuständig für Entwicklung und Technischer Verkaufsberater).

Feldafing – „BKF X 1“ steht auf dem Nummernschild des schwarzen Wagens, der am vergangenen Mittwoch direkt vor dem Eingang des Benedictus-Krankenhauses Feldafing (BKF) parkte.

Das Fahrzeug mit dem dreistelligen Fantasie-Autokennzeichen ist ein sogenanntes Reha Coaching Car, mit dem Schlaganfall-Patienten nach körperlichen Einschränkungen den Umgang mit dem Mobilitätsfaktor Auto neu erlernen und üben können: „Nach einer Knie- Operation kann der Patient zum Beispiel seine Beinkraft direkt am Pedal austesten“, beschreibt Orthopädie-Chef Dr.Steffen Mayer-Schlagintweit eine der vielen Möglichkeiten, zumindest wieder an die simulierte Auto-Praxis heran geführt zu werden. Dem in Dingolfing konzipierten BMW X 1-Spezial-Geländewagen, eigentlich ein Diesel, wurden die Motor-Funktionen abgeklemmt, so dass es für Reha-Patienten nicht ums eigentliche Fahren, sondern um das Trainieren von Ein- und Ausstieg, um Brems-, Lenk- und Reaktionsübungen und die Bedienung der Armaturen geht, stets angeleitet von eigens geschul-ten Ergotherapeuten und unter Einbezug von Angehörigen, die das Ein- und Ausladen von Rollstühlen lernen können. Das Üben am „Reha Coaching Car“ unter der Überschrift „Alltagstraining“ ist ab sofort in das Gesamtkonzept des Feldafinger Krankenhauses und seiner Tutzinger Schwester-Kinik eingebunden: „Dies ist eine Bereicherung der Therapie bei den neurologischen, orthopädischen und geriatrischen Patienten“, freute sich der Chefarzt des Neuro-Zentrums der Benedictus-Krankenhäuser, Professor Dirk Sander, anlässlich der Schlüsselübergabe für den Wagen, „insbesondere nach Schlaganfällen ist die Wiederherstellung der Mobilität ein zentrales Anliegen der Rehabilitation.“ Auch bei den Reha-Patienten selbst sei eine der ersten Fragen immer wieder: ‚Wann kann ich wieder Auto fahren?‘, berichten die Feldafinger Chefärzte, die pro Jahr etwa 1.000 Reha-Patienten betreuen. Bundesweit erhalten jährlich rund 800.000 Menschen Knie- oder Hüft-Prothesen, so Orthopädie-Chef Mayer-Schlagintweit. Letztere „erlauben keine Drehung über 90 Grad“, was beim buchstäblichen „Wiedereinstieg“ ins Autofahren zu beachten ist und erst trainiert sein will. Drei Monate nach einem Schlaganfall ist etwa ein Drittel der Reha-Patienten noch immer auf einen Rollstuhl angewiesen, die Gang-Geschwindigkeit und -ausdauer sind sogar bei 80 Prozent der Patienten „alltagsrelevant gemindert“: Es gehe auch um „die realistische Einschätzung der im therapeutischen Prozess erreichten Fähigkeiten, um eine bessere Akzeptanz von Einschränkungen“, weiß Professor Dirk Sander der Runde zu berichten. Die Kooperation mit BMW kam laut Krankenhaus-Sprecher Simon Machnik zu Stande, „nachdem wir uns 2014 als innovative, dynamische Klinik“ um die Zuteilung eines sol-chen „Reha Coaching Car“ beworben haben. Thomas von Grossmann, Leiter Vertrieb Direkt- und Sonderkunden bei BMW, war seinerseits erfreut, den Feldafinger Ärzten „mit diesem Auto samt brandneuer Technik einen weiteren Baustein für die optimale Versorgung Ihrer Patienten an die Hand zu geben.“ Kostenfrei übrigens: Man erhoffe sich nun ein „Feedback der praktischen Erfahrungen“, so Grossmann. „BKF X 1“könnte für beide Seiten also das werden, was man neudeutsch eine „Win-Win-Situation“ nennt. mps

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