Riesen Rechnung im Briefkasten

Berg – Die Sanierung der Etztalstraße sorgt in der Gemeinde Berg für Zündstoff. Was von den Anliegern wohl niemand wusste: ihre Straße ist nicht ersterschlossen. Ihnen flattert deshalb in absehbarer Zeit eine Riesen-Rechnung ins Haus. Es sieht so aus, dass sie 90 Prozent der Kosten in Höhe von 450.000 Euro selbst tragen müssen.

Im Mai hatte der Gemeinderat beschlossen, die Etztalstraße wegen ihres schlechten Zustands herzurichten. Eigentlich waren alle davon ausgegangen, dass es sich dabei um einen Ausbau handele, an dem sich die Anlieger nur mit 65 Prozent hätten beteiligen müssen. Das Landratsamt vertritt jedoch die Meinung, es handele sich um eine Ersterschließung. Den Gegenbeweis müssen die Betroffenen antreten, beispielsweise indem sie belegen können, dass sie die Erschließungskosten früher bereits bezahlt haben. „Es muss bewiesen werden, dass die Straße irgendwann einmal dem technischen Standard der Zeit entsprochen hat – sei es 1937 oder 1970“, sagte der stellvertretende Bürgermeister Karl Brunnhuber in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Gegenwärtig säßen sie über historischen Fotos von 1890, um zu klären, wann die Straße gebaut und ausgebaut worden wäre. Bis zu 20.000 Euro kommen auf den einzelnen Bürger zu. „Das ist wie ein Gottesgericht“, äußerte Gemeinderat Andreas Ammer (QUH). Tatsächlich wohnen viele Eigentümer schon Jahrzehnte lang an der Etztalstraße, ohne zu ahnen, dass ihre Straße gar nicht „erstmalig hergestellt“ ist, wie es in der Fachsprache so schön heißt. Auf Nachfrage Ammers, wie sich die Bürger denn wehren könnten, sagte Brunnhuber, sie könnten nur gegen den Bescheid Widerspruch einlegen. Bei „Härtefällen“ gäbe es die Möglichkeit der Stundung. Und viele Bürger sitzen gar auf einem Pulverfass: Denn in ganz Berg seien die Straßen so schlecht. Das sei auf den Sparwillen früherer Jahrzehnte zurückzuführen, erklärte Brunnhuber. „Es wurde auf den Dreck einfach draufasphaltiert, ohne Frostschutz-Unterbau und Entwässerung.“ Gegenwärtig würde eine Liste erstellt mit sanierungsbedürftigen Straßen, bei denen geklärt werden müsse, ob es sich um eine Ersterschließung handele. Diskutiert wurde im Gemeinderat, ob sich an den Kosten etwas einsparen lässt – beispielsweise indem man die Verkehrsberuhigung des breiten Teils der Etztalstraße nur mit einer Pflasterzeile erzielt anstatt mit wechselseitigen Grünstreifen, wie es im Mai schon verabschiedet wurde. Auf der Anliegerversammlung hatte es laut Brunnhuber hierzu keine einheitliche Meinung gegeben. Da dies nur um etwa 7.500 Euro billiger käme, wollte etwa Wolfgang Adldinger (Grüne) an der ursprünglichen Variante festhalten. „Es wertet die Ortsgestaltung auf“, sagte er. Noch nicht entschieden ist ferner, ob im Zuge der Arbeiten die Etztalbreite gleich mit saniert werden soll. Das Argument der Gemeinde ist, dass es billiger käme, wenn die Bagger nur einmal anrücken müssten. Das wollen die Gemeinderäte erst nach einer Ortsbegehung klären.

Meistgelesen

Starnberg: Ziviles Observierungsfahrzeug der Polizei am Überholen gehindert  
Starnberg: Ziviles Observierungsfahrzeug der Polizei am Überholen gehindert  
Starnberg: Wenn die Schwester beim Bruder im Handy-Laden vorbeischaut...
Starnberg: Wenn die Schwester beim Bruder im Handy-Laden vorbeischaut...
Krailling: Schwiegermutter-Terror provoziert Diplomingenieur zu Tätlichkeit
Krailling: Schwiegermutter-Terror provoziert Diplomingenieur zu Tätlichkeit
Weltwassertag: AWA will Missstände aufzeigen
Weltwassertag: AWA will Missstände aufzeigen

Kommentare