Rückblick auf den Beginn des Eisenbahnzeitalters im westlichen Vierseenland

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Gilching – Das Eisenbahnzeitalter im westlichen Landkreis begann am 11. Juli 1903. Fortan wurde das westliche Vierseenland mehr noch als Ausflugsziel entdeckt.

Vorausschauend hat die Eisenbahndirektion die Stationsgebäude Gilching, Weßling, Steinebach, Seefeld-Hechendorf und Herrsching großzügig und in massiver Steinbauweise errichtet. „Da der Ausflugsverkehr auf der neuen Bahnlinie ganz erheblich zu werden verspricht, hat die Eisenbahnbetriebsdirektion in Bezug auf die Stationsanlagen nichts unterlassen, genügend große, helle Räume zur Unterbringung sowohl der Ausflügler wie des Personals zu errichten“, berichtete der Land- und Seebote im Juni 1903. Lediglich die Geisenbrunner mussten sich mit einem einfachen einstöckigen Gebäude zufriedengeben. Laut Robert Bopp, Verfasser der Chronik anlässlich 100 Jahre Bahnstrecke Pasing-Herrsching, ist während der Recherche einer Merkwürdigkeit auf die Spur gekommen. „Dem Vernehmen nach hat man die Baupläne der Bahnhofsgebäude in Gilching und Weßling verwechselt. Das größere Empfangsgebäude sollte eigentlich in Gilching gebaut werden“, ist Bopp überzeugt. Im Unterschied zu Weßling nämlich gab es in Gilching lediglich ein Stationsgebäude für Dienst- und Wohnräume des Personals und Warteräume für Passagiere Zweiter Klasse, Weßling wie auch Herrsching und Seefeld-Hechendorf erhielten einen zusätzlichen Warteraum für Fahrgäste Erster Klasse. Was die Gilchinger seinerzeit nicht beanstandeten. Für Unmut aber sorgte kurz vor Eröffnung der Bahnlinie die Beschilderung der Bahnstation. Eine Kommission aus der damals noch rund zwei Kilometer entfernten Gemeinde Gilching (heute Altdorf) entdeckte bei einer Besichtigung, dass die Station mit „Argelsried“ ausgeschildert war. Gilching aber war nicht erwähnt. Und dies, obwohl die Gemeinde den Grund zur Verfügung stellten sowie durch die Erhöhung des Bierpfennigs einen Bau-Zuschuss leistete. Die Verantwortlichen bei der königlich bayerischen Staatsbahn waren vermutlich davon ausgegangen, den Bahnhof nach der Ortschaft zu benennen, die der Bahnlinie am nächsten lag. Und dies war die damals noch die selbständige Gemeinde Argelsried. Zu einem gefährlichen Überfall innerhalb kam anno 1949 zwischen Gilching und Geisenbrunn. In den Jahren nach dem Krieg habe es für Geschäftsleute, für die Post und der Bahn kaum Möglichkeiten, die Tageseinnahmen zu einer Bank am Ort zu bringen, berichtete Bopp. Ein gefundenes Fressen für findige Ganoven. Sie hatten herausgefunden, dass Gelder jeweils mit dem Zug ab 18.10 Uhr von Herrsching aus kommend im Post-Wagen nach München befördert wurden. In Gilching-Argelsried drangen sie eines Tages in den fraglichen Wagon ein, fesselten den mitfahrenden Eisenbahnbeamten und warfen die bis dahin eingesammelten Geldkassetten auf der Strecke bis nach Geisenbrunn aus dem fahrenden Zug, wo sie ein Komplize einsammelte. Bopp: „Der Raubzug wurde nach einer Zeitungsnotiz nie aufgeklärt. Nach Volkes Meinung sollen es Männer aus der Umgebung gewesen sein.“ Das Bahnhofsgebäude in Gilching-Argelried befindet sich derzeit noch im Urzustand. Für rund 400.000 Euro hat die Gemeinde das Bauwerk inklusive eines 2,5 Hektar großen Areals rund um den Bahnhof erworben. Ziel ist, das Gebäude ab Ende August von Grund auf zu sanieren und zu einem kulturellen Treffpunkt plus Kiosk sowie sanitäre Anlagen auszubauen. Eröffnung ist für März 2018 geplant. pop

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