Stadt Starnberg muss Einnahmen-Seite stärken

„Ruhet in Frieden, aber bitteschön teurer“ - Deutliche Verteuerung der Friedhofsgebühren in der Kreisstadt

Kreuz auf Friedhof
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Um die städtischen Haushaltslöcher zu stopfen, steigen die Friedhofsgebühren in Starnberg ab kommenden Jahr (Symbolbild).

Starnberg - Zum 1.Januar werden die städtischen Friedhofs-gebühren zum Teil kräftig ansteigen, vor allem bei Urnen-Gräbern – die bisherige Kalkulation mit einem Kostendeckungsgrad von 77 Prozent der jährlichen Kosten von 570.000 Euro war offenbar viel zu niedrig angesetzt und hatte ein Defizit von 131.000 Euro per annum verursacht. Der Haupt- und Finanzausschuss einigte sich am Montag auf 90 Prozent, was einer Einsparung von rund 70.000 Euro im Jahr entsprechen dürfte – die Verwaltung hätte in Anbetracht der prekären Finanzlage der Stadt gerne 100 Prozent Kostendeckung durchgesetzt.

Noch ehe die Beratungen zum Haushalt 2021 überhaupt begonnen haben, zeichnet sich bei fast allen städtischen Aufgabenfeldern ein erhöhter Personal- und Finanzbedarf ab: „Qualität und Quantität unserer Arbeit gibt es nur bei ausreichender Personaldecke“, hatte Amtsleiter Ludwig Beck bereits bei früheren Tagesordnungspunkten der Hauptausschusssitzung angemerkt. Als es zum Beispiel um den Stellenplan 2021 ging, hatte Bürgermeister Patrick Janik es so ausgedrückt: „Wir sind halt kein Wirtschaftsunternehmen, haben aber unsere Pflichtaufgaben.“ Um die zu gewährleisten, muss die Stadt unbedingt ihre Einnahmenseiten stärken, und dafür gibt es etliche Ansatzpunkte - die offensichtlich seit Jahren zu niedrig bemessenen Friedhofsgebühren werden nun also auf einen Kostendeckungsgrad von 90 Prozent angehoben, wie Stadtrat Winfried Wobbe (UWG) es beantragte: Man brauche bei dem Thema „Fingerspitzengefühl“ und dürfe nicht „mit dem Hammer drauf-hauen“, indem man den Bürger allzu stark belaste, so Wobbe. Ehe sein Antrag mit 11 gegen 1 Stimme angenommen wurde, war Ludwig Jägerhuber (CSU) mit einem Kostendeckungsvorschlag von 80 Prozent gescheitert (5:7), obwohl er die Befürchtung geäußert hatte, dass eine allzu drastische Gebührenerhöhung lediglich die aktuell zu beobachtende Entwicklung beschleunigen würde, dass immer mehr Grabstellen aufgelöst werden. Doch auch die Verwaltung hatte mit ihrer Beschlussvorlage von „100 Prozent“ bei den Ausschussmitgliedern keine Chance.

Die ab Januar erhobenen neuen Gebühren sehen wie folgt aus:
Friedhof Hanfelder Straße: Einzelgrab (bis zu 40 Jahre Ruhezeit), 83 Euro pro Jahr (bisher: 79 Euro); Familiengrab (30 Jahre Ruhezeit) 122 Euro p.a. (bisher 158 Euro).
Waldfriedhof: Urnen-Erdgrab 78 Euro p.a. (bisher 57 Euro); Grabkammer 87 Euro (bisher 52).
Alle übrigen städtischen Friedhöfe: Einzelgrab 83 Euro p.a. (bisher 78 Euro); Doppelgrab 122 Euro (bisher 156 Euro); Urnen-Erdgrab 76 Euro (bisher 49 Euro); Baumgrabstätte 63 Euro (bisher 34 Euro); anonyme Urnen-Grabstelle einmalig 58 Euro (bisher 48,80 Euro); Urnen-Nische 92 Euro p.a. (bisher 15 Euro); Kindergräber und Feldgrabstellen für sogenannte „still geborene“ Kinder sind gebührenfrei.
Gebühren für Dienstleistungen: Grabausheben 704,48 Euro (+ 15 Prozent); Sarg-Transport zum Grab + 50 Euro; Urnen-Transport + 35,70 Euro gegenüber der bisherigen Gebühr.
Liegezeiten: Urnengrab zehn Jahre (statt bisher fünf); Baumbestattungen 15 Jahre (statt bisher 30 Jahre).

Thomas Lochte

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