Sanieren oder abreißen?

„Ich gehe in die Geschichte als Bürgermeister der geschlossenen Säle ein“, sagte Gilchings Bürgermeister Manfred Walter. Nach dem Sitzungssaal im Rathaus, der monatelang wegen fehlender Brandschutzmaßnahmen nicht benutzt werden durfte, musste Walter nun die Rathausturnhalle komplett sperren.

Vor über einem Jahr wurde in Gilching ein Gutachter beauftragt, die Rathausturnhalle auf den Prüfstand zu stellen. Am Montag vergangener Woche teilte er Bürgermeister Manfred Walter mit, dass akute Einsturzgefahr besteht. Der Sportunterricht wurde sofort abgesagt, die Bücherei innerhalb des Gebäudes geschlossen und auch das Archiv ist seither verwaist. „Nicht auszudenken, wenn etwas passiert wäre“, sagte Walter. Immerhin fand das Wochenende zuvor die erste Gesundheitsmesse in der Turnhalle statt, zu der 57 Aussteller und tausende von Besuchern gekommen waren. Das Archiv wird in jedem Falle nach der Sanierung des so genannten Wersonhauses in die historische Villa an der Brucker Straße umziehen. Außerdem braucht die Blaskapelle einen Übungsraum. Bisher konnten die Musikanten in der Turnhalle üben. In Bedrängnis kommt außerdem die Volkshochschule, da diverse Gesundheits-Kurse in der Halle stattfinden. Und auch der TSV, der grundsätzlich von Raumnot geplagt ist, wird für seine sportlichen Aktivitäten ein Ausweichquartier suchen müssen. Auch wenn bereits ein zweites Gutachten wegen der Standsicherheit in Auftrag gegeben wurde, mit einem Ergebnis sei nicht vor Ende Mai zu rechnen, sagte Walter. „Bis zur nächsten Ratssitzung wird das zweite Gutachten vorliegen. Dann werden wir entscheiden müssen, was zu tun ist. Sanieren oder Abreißen und neu bauen.“ Als Ursache für die Einsturzgefahr wird unter anderem die Verwendung schlechten Materials beim Bau des Fundaments vor 40 Jahren genannt. Thomas Reich (FW) kritisierte außerdem in der jüngsten Ratssitzung, dass nicht berücksichtigt worden ist, dass sich die Turnhalle am Ende einer Hanglage befindet. Stefan Hartmann (FDP) wollte wissen, wieso es so lange gedauert hat, bis der Gutachter Alarm geschlagen hat. Immerhin wurde die Überprüfung vor einem Jahr in Auftrag gegeben, sagte er. Walter erklärte dazu, dass erst die Häufung von Mängeln, die im Laufe der Zeit festgestellt wurden, Anlass zur statischen Überprüfung ergeben hat. Des Weiteren erkundigte sich Hartmann bei Stefan Amon nach der Sicherheit der Turnhallen des Zweckverbands weiterführender Schulen im westlichen Landkreis. Amon, unter anderem Geschäftsführer des Zweckverbands, räumte ein, dass die Hallen der Realschule in Herrsching und des Gymnasiums in Gilching im Hinblick auf den Einsturz der Eishalle in Bad Reichenhall lediglich in Augenschein genommen, jedoch keine Gutachten in Auftrag gegeben wurden. Auf Anregung von Hartmann soll dies Thema der nächsten Zweckverbands-Versammlung werden.

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