Unter Druck

„Schluss mit lustig“ - Starnberger Milchbauern fordern mehr Geld - Molkereichefin Scheitz kontert

Molkerei Scheitz protestierende Bauern
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Übergabe eines Forderungsschreibens für mehr Geld für den Liter Milch: Molkereichefin Barbara Scheitz beim Überreichen des Schreibens von Michael Friedinger, der Kreisvorsitzende des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM), Fritz Geiger, Josef Kaspar, Josef Höpfl, Karin Käß und Molkereiprokurist Christian Wagner.
  • vonFlorian Ladurner
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Andechs -  „Immer mehr Milchviehhalter geben auf“, warnte Michael Friedinger dieser Tage. Mehr Geld für den Liter Milch könnte den Trend stoppen, hoffte der Kreisvorsitzende des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) bei der Übergabe eines Forderungspapiers an die Andechser Molkerei Scheitz.  

 Derzeit bekommt der Milchbauer 33 Cent für einen Liter konventionelle Milch und 48 Cent für einen Liter Bio-Milch. „Wir brauchen 20 Cent mehr“, betonte Friedinger, der mit fünf weiteren Landwirten auf dem Parkplatz der Andechser Molkerei Barbara Scheitz und ihrem Prokuristen Christian Wagner ein entsprechendes Forderungspapier persönlich überreichte. Hintergrund war eine Aktion unter dem Motto „Schluss mit lustig – uns geht die Luft aus!“, in der in ganz Deutschland Milchverarbeitern, Molkereien und Schlachtereien ein solches Schreiben übergeben wurde. „Euch geht´s doch gut“, sagte die Molkereichefin, sichtlich irritiert, dass gerade ihr Bio-Betrieb als Adressat für die Forderung auserkoren worden war. Das Andechser Unternehmen bezahlt seinen Lieferanten obenauf noch eine Weideprämie. Eine Geste, die ihr Lieferant Josef Höpfl aus Dießen durchaus honorierte und dennoch betonte: „Wir bekommen seit 20 Jahren den gleichen Preis. Die Kosten wie Kraftstoff, die Pacht oder Futtermittel sind aber gestiegen.“

„Sind an die Weltmärkte gebunden“

 Der Trend zum Veganen mache sich im Absatz bemerkbar, erinnerte Scheitz die Umstehenden, dass mit einem höheren Milchpreis noch nicht viel erreicht sei. „Wir sind ein Betrieb, der 100 Prozent Bio aus Bayern verarbeitet“, betonte sie. „Der Preis ist unseren Möglichkeiten angepasst“, sagte sie. Und: „Wir sind an die Weltmärkte gebunden.“ Friedinger gab zu, dass der höhere Milchpreis maximal ein kleiner, wenngleich notwendiger Schritt zu besseren Arbeitsbedingungen der Milchbauern sei. „Ich kenne viele Bauern mit kleinen oder mittleren Betrieben, die nimmer mögen und aufgeben“, sagte Friedinger. Der Bio-Landwirt aus Farchach räumte allerdings ein, dass der bessere Milchpreis „eine kurzfristige Maßnahme“ sei.

„Rohstoff dar nichts kosten“

Langfristig sei die Politik gefordert, etwa mit einem geeigneten Krisenmanagement. Kern des Übels sei der Verbraucher, sagte wiederum Landwirt Josef Kaspar aus Meising. „Es ist immer das gleiche: Ein Rohstoff darf nichts kosten.“ Der Protest auf dem Heiligen Berg sei ein „Notruf“ der Bauern gewesen. So sollten sie etwa die „berechtigte Forderung, mehr für den Tierschutz zu tun“ umsetzen – was die Unkosten weiter in die Höhe triebe. Und an dieser Stelle schloss sich für Friedinger der Kreis: „Wir brauchen höhere Preise, um die Landwirtschaft zu erhalten.“ Bis zum 19. November wird die Molkerei nun eine Stellungnahme zu der Forderung abgeben.

 Michèle Kirner

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