Schnelle Lösung vor Klimaschutz

Schon im Sommer soll’s losgehen: Aus dem alten Bahnwärterhäuschen wird das neue Herrschinger Jugendhaus. Foto: Puls

Der Pragmatismus hat gesiegt: Um möglichst rasch mit den Umbauten für das neue Jugendhaus an der Bader Straße 25 beginnen zu können, hat sich der Herrschinger Gemeinderat gegen eine Stimme für eine abgespeckte Version für das Anwesen am Bahnhof entschieden. Dafür verzichtet die Kommune sogar auf Zuschüsse.

Die im Oktober vergangenen Jahres verabschiedete Variante sah einen barrierefreien Ausbau im Erdgeschoß und Maßnahmen zum Klimaschutz vor. Von den prognostizierten Umbaukosten von knapp 540.000 Euro hätte die Gemeinde einen Eigenanteil von etwas mehr als 247.000 Euro tragen müssen. Doch seit Januar gelten neue Förderrichtlinien; es gibt keinen Zuschuss mehr für die energetische Sanierung (-90.000 Euro) und auch der Bayerische Jugendring (BJR) hat seine Mittel von ehemals 158.000 auf 130.000 Euro zusammen gestrichen. Hinzu kommt, dass der BJR auch im Erdgeschoß einen barrierefreien Gruppenraum fordert und dies auch mit der Förderung verknüpft. Wie Architekt Walter Koziol dem Gemeinderat schilderte, mache dies eine Umplanung des kompletten Erdgeschoßes erforderlich. So müsste das Behinderten-WC etwa in den maroden Anbau weichen und dieser müsste aufgrund seines schlechten Zustands abgebrochen und neu errichtet werden. Wofür Koziol beim Landratsamt eine entsprechende Tektur beantragen müsste. Mit rund 85.000 Euro veranschlagt der Architekt die vom BJR geforderte Umplanung, weitere 15.000 Euro an Mehrkosten gegenüber der ursprünglichen Kostenschätzung ergeben sich wegen dem Nachweis von sechs Stellplätzen. Durch die Erhöhung der Gesamtkosten, den Wegfall der Klimaschutzförderung und der Reduzierung der Förderung des BJR erhöht sich der Eigenanteil der Gemeinde von 247.000 auf satte 470.000 Euro. Man müsse immer „Zweck und Ziel“ vor Augen haben, appellierte Bürgermeister Christan Schiller, nicht mal eben den Anteil für die Gemeinde zu verdoppeln. Zumal mit einem Baubeginn aufgrund der Überplanungen und teilweise Neubeantragung nicht vor dem nächsten Jahr zu rechnen sei. Auch Vize-Bürgermeister Hans-Jürgen Böckelmann (Grüne) drängte darauf, mit den Arbeiten bald zu beginnen, „die Jugendlichen haben lange genug gewartet“. Beiden betonten, dass sie stets die Klimaschutzziele der Gemeinde vor Augen hätten, „doch das muss in Relation mit unseren finanziellen Möglichkeiten stehen“, betonte Schiller, der Rückendeckung vom Architekten erhielt. Die Dämmung würde sich frühestens in 30 Jahren amortisieren, versicherte Koziol. Diese Isolierungsmaßnahmen könnten obendrein immer nachgeholt werden, fügte er hinzu. Uneins waren sich die beiden Gemeindejugendpfleger Julia Schmidbauer und Sebastian Matook: Schmidbauer ist eine schnelle Umsetzung und einer schneller Auszug aus der Luitpoldstraße wichtig, ihr Kollege hätte die längere Bauzeit zugunsten der Förderungen akzeptiert. Die nun verabschiedete „einfache Lösung“ beläuft sich auf insgesmt 400.000 Euro. Einen Zuschuss von 40.000 Euro gibt’s vom Landratsamt, so dass sich der Eigenanteil für die Gemeinde auf 360.000 Euro erhöht. Dafür kann bereits im Sommer mit den Arbeiten an dem 1903 errichteten Anwesen begonnen werden. Zumal im diesjährigen Haushalt für Umbau und Sanierung 350.000 Euro eingestellt sind.

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