Schöffengericht

Erbschaftsstreit in Stockdorf: War es Erpressung?

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Ein Erbschaftsstreit beschäftigte das Starnberger Schöffengericht

Stockdorf – Ein mindestens 16 Jahre schwelender Erbschaftsstreit in Stockdorf ums Elternhaus eines Geschwisterpaares führte jetzt am Starnberger Schöffengericht zu einem Strafprozess wegen versuchter Erpressung – das seit 2011 laufende Verfahren gegen drei Angeklagte wurde gegen Geldauflagen zwischen 2.000 und 4.000 Euro erst jetzt vorläufig eingestellt, der eigentliche Erbstreit war bereits 2014 beendet worden.

Um sich ein Gesamtbild in der reichlich komplizierten Angelegenheit zu verschaffen, benötigte das Schöffengericht unter Vorsitz von Amtsrichterin Brigitte Braun gut fünf Stunden und ein längeres Rechtsgespräch mit Staatsanwaltschaft und Verteidigung, das letztendlich zu einer Verständigung der Verfahrensbeteiligten führte – der Anklagevor-wurf der versuchten Erpressung war für Braun nämlich nicht gänzlich von der Hand zu weisen: Die Beschuldigten, eine 48-jährige studierte Volkswirtin, ihr Ehemann (44) und dessen Mutter (70) sollen laut Anklage den zu gleichen Teilen erbberechtigten jüngeren Bruder der Volkswirtin in strafrechtlich relevanter Weise unter Druck gesetzt haben, damit dieser auf Teile seines Erbanspruchs verzichtete. Hierzu sollen sie gedroht haben, das in Streit stehende Elternhaus im Wege einer Zwangsvollstreckung zu veräußern und dabei eine neue Gläubiger-Rangfolge zu „konstruieren“ - der angebliche Trick: An die Mutter des Mitangeklagten sollte das auf dem Haus liegende Grundpfandrecht weiter-gereicht werden, weil diese der Schwiegertochter größere Geldsummen geliehen hatte - der Bruder hätte sich bei einer Zwangsvollstreckung nebst „Neuvalutierung“ als Gläubi-ger „hinten anstellen“ müssen und wäre womöglich leer ausgegangen, so laut Staatsan-waltschaft das „Strohmann-Konstrukt“.

Die Angeklagten und deren Anwälte widersprachen dieser Bewertung: Nach dem Tod des Vaters (1995) seien die Geschwister 2001 überein gekommen, dass der Volkswirtin das Haus zugesprochen werden sollte, während der Bruder eine sechsstellige Sofortzahlung und so lange weitere monatliche Raten erhalten würde, bis sein Erbanspruch vollständig abgegolten wäre. Doch die Schwester und ihr Mann gerieten in finanzielle Schwierigkei-ten sowie an einen angeblichen Fachanwalt für Immobilien, der ihnen dazu riet, die Zahlungen an den Bruder sofort einzustellen – der Bruder reagierte seinerseits mit der Drohung, das Elternhaus zwangsvollstrecken zu lassen, in dem zu allem Überfluss auch noch die Mutter ein lebenslanges Wohnrecht besaß. Weil die Schwester und Schwager praktisch pleite waren, sprang schließlich die Schwiegermutter der Volkswirtin bei den Raten ein und wurde dafür mit der Grundschuldübertragung „abgesichert“ - im Grunde ein notarielles Unding, wie sich jetzt herausstellte. Die Verteidiger argumentierten folglich damit, dass ihre Mandanten als juristische Laien es auch nicht hätten besser wissen können als der angebliche „Fachmann für Immobilenrecht“ und deshalb schon gar nicht den Bruder hätten erpressen können: Der habe immerhin seinerseits „vollstrecken wollen“. Den Angeklagten hingegen sei es doch nur um die Rettung des Elternhauses und des Wohnrechts für die gemeinsame Mutter gegangen. Der als Zeuge gehörte Bruder (43), seit dem Erbstreit mit der Schwester verfeindet, sagte aus, man habe ihn sehr wohl unter Druck zu setzen versucht: „Es hieß, wenn ich nicht einer Restzahlung von 20.000 Euro zustimme, würde ich im Fall der Zwangsversteigerung des Hauses Verlust machen.“ Seine Ansprüche zu diesem Zeitpunkt beliefen sich auf angeblich 90.000 Euro. Vor drei Jahren wurde das Stockdorfer Haus nun verkauft, alles Ansprüche sind abgeholten, die Mutter wohnt beim Bruder. mps

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