Weßlinger Gemeinderat hat entschieden

Schule am Meilinger Weg: Teppichboden endgültig vom Tisch

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So soll Weßlings neue Schule irgendwann aussehen.

Weßling - Nachdem am Mittwoch der Teppichboden im Obergeschoss der geplanten Schule endgültig durchgefallen ist, brach kurzzeitig die Stimme von Pädagogin Sibylle Gerharth. Gemeinsam mit Weßlings Grundschulleiterin Maria Streifinger, Kollegen und Elternbeiräten hatte sie im Pfarrstadel vor dem Ausschuss für Kindertagesstätten und Bildung eine knappe Stunde lang gekämpft, den gefällten Beschluss für einen Parkett doch noch abzuwenden. Allerdings sprachen sich die Räte dafür aus, die Nutzer noch mehr in den Schulbau einzubinden.

Die Vorgeschichte: Mitte September stimmten die Räte nach langer Diskussion mit einer breiten Mehrheit von 15 gegen drei für einen Holzbodenbelag im geplanten Schulgebäude am Meilinger Weg. Gegen den Teppichboden sprachen die Pflege und die Hygiene ebenso wie die Kosten und die Haltbarkeit. Auch die Wichtigkeit des Belages für das pädagogische Konzept habe den Gemeinderäten vorgelegen, sagte Bürgermeister Michael Sturm gegenüber dem Kreisbote Starnberg. Durchgesetzt hatten sich die Befürworter nicht, was damals gelinde gesagt bei den Pädagogen und den Elternvertretern Ratlosigkeit ausgelöst hat. Sie sprachen im Rathaus vor und baten, ihr Anliegen dem Ausschuss zu erläutern. "Sie hatten den Eindruck, dass möglicherweise nicht alle Gemeinderäte die Hintergründe vollumfänglich kennen", begründete Sturm die Sondersitzung.

In seinem Vortrag erklärten Elternbeirat Matthäus von Esterházy und die Pädagogen im Wechsel die Zusammenhänge. Esterházy nannte "das Konzept Teppich ein wichtiges Element des Grundschulkonzepts". Schließlich sei "der Raum der dritte Pädagoge" – und die mit dem Teppich einhergehende wohnliche Atmosphäre wichtig für den Unterricht. "Wir können den Kindern sagen: Setzt Euch da hinten auf den Teppich und überlegt, wie es weitergehen kann", verbildlichte Lehrer Giambattista Block ein Beispiel aus der Praxis. Auf den harten Boden würde sich nach seiner Erfahrung kein Kind setzen. Esterházy demonstrierte den mit dem harten Untergrund einhergehende Geräuschpegel, indem er einen Stift auf den Parkett im Pfarrstadel fallen ließ. Eine Situation, die im Unterricht regelmäßig vorkomme.

Wirklich neue Informationen seien in dem Vortrag leider nicht dabei gewesen, bedauerte Sebastian Grünwald (Grüne). Projektleiter und Architekten hätten in der damaligen Sitzung Lautstärke, Schallgutachten und Kosten angesprochen, stimmte Sturm seinem Vize zu, die damals beide für einen Teppich gestimmt hätten. Einen Beschluss könne man aber nur aufheben, wenn "neue Informationen vorliegen", zitierte Sturm aus der Geschäftsordnung. "Wir können ja nicht so lange abstimmen, bis das gewünschte Ergebnis vorliegt", erklärte er. Lilly Reik (Freie Wähler Weßling) gehörte ebenfalls zu den wenigen Teppichbefürwortern und hätte kein Problem mit einer erneuten Abstimmung. "Ich fürchte allerdings, dass sich am Ergebnis nichts ändern wird", vermutete sie. Die zweite Abstimmung fiel acht zu zwei durch. "Es war ein in sich schlüssiges Konzept, aber wir akzeptieren die Entscheidung", so Esterhàzy auf Rückfrage. Jetzt müsse man manche Dinge neu überdenken.

Mehr Mitspracherecht für die zukünftigen Nutzer des Schulhauses "Wir sind mit einem guten Gefühl aus der Sitzung gegangen", versicherte Elternbeirat Matthäus von Esterhàzy gegenüber dem Kreisbote Starnberg. Denn Schulleitung, Pädagogen und Elternvertreter hatten mehr Kommunikation zwischen Entscheidungsträgern und ihnen gefordert – und bekommen. 

Eine ähnliche Situation wie den Konflikt um den Bodenbelag sollte sich nicht wiederholen, fand der Ausschuss. Einhellig beschloss das Gremium deshalb, dass die dem Gemeinderat vorliegenden Themen zum Schulhausbau fortan im Ausschuss mit den Nutzern und Planern vorberaten werden. Sturm wies allerdings darauf hin, dass die Nutzer auch in der Vergangenheit ihre Anforderungen und Wünsche in regelmäßigen Jours-Fix mit Planern und der Verwaltung einbringen konnten. Das Ergebnis wurde anschließend durch die Projektleitung des Schulbaus – übrigens das erste Projekt von Weßlings Kommunalunternehmen - aufbereitet und den entsprechenden Entscheidungsgremien vorgetragen. Sturm: "Bei diesen Entscheidungen und Sitzungen hatte die Schulleitung praktisch immer ein Rederecht." Ein Grund, warum der Ausschuss in Zukunft einen Mediator als Mittler befürwortete.

Michèle Kirner

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