Rechtsstreit

Bald wieder einkaufen beim Sedlmayr?

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Inning – Seit 2003 steht das Kaufhaus Sedlmayr in Inning nun schon leer. Im November 2015 ging es bei einer Versteigerung in die Hände von zwei Starnberger Brüdern über. Sie wollen im Gebäude entweder kleine Geschäfte, einen Supermarkt oder einen Drogeriemarkt etablieren.

Dazu muss aber erst der Rechtsstreit beigelegt werden, der aktuell mit den ehemaligen Besitzern stattfindet. „Ich geh‘ mal schnell zum Sedlmayr“, war fester Bestandteil des Wortschatzes vieler Inninger – damals, als sie im gleichnamigen Kaufhaus von Lebensmitteln über Haushaltswaren, Spielwaren bis hin zu Trachten alles kaufen konnten. An der Münchner Straße 2-4 gingen Mütter mit ihrem Nachwuchs ein und aus. Und das Personal erlebte mit, wie die Kleinen größer wurden. Jahrein, jahraus saß die Ladeninhaberin persönlich an der Kasse und begrüßte fast jeden Kunden mit Namen. Wenn es notwendig war, packte die ganze Familie Sedlmayr mit an. Ein Erfolgsmodell. Das Kaufhaus hatte in den Sommermonaten sogar an Sonn- und Feiertagen für ihre Kunden geöffnet. Wie im Zeitraffer kauften hier irgendwann diejenigen für ihre Familie ein, die doch gerade noch im Kinderwagen saßen und mit großen Augen zur Spielwarenabteilung schauten. Vielen in Erinnerung geblieben ist noch die Euro-Umstellung, als auf jedem Produkt neben dem DM-Preis der feinsäuberlich und auf den Cent genau umgerechnete Euro-Betrag klebte. Und dann kam der Tag, an dem plötzlich niemand mehr um Punkt 7 Uhr die Türen aufsperrte: Das Kaufhaus Sedlmayr war insolvent. Nicht weil der Laden nicht genug abwarf, munkelte man im Ort, und während die Gerüchteküche über das Warum brodelte, wurden die Fenster verhängt. Fortan stand ein Geisterhaus mitten im Herzen Innings – bis im November 2015 zwei Starnberger Brüder das Gebäude ersteigerten und wieder seiner Bestimmung zuführen wollten. „Wir möchten ein Einkaufshaus daraus machen. Vielleicht mit einem REWE oder einem EDEKA“, erklärt der 58-jährige Unternehmer, der namentlich nicht genannt werden will. Auch ein Drogeriemarkt wäre vorstellbar oder kleinere Einzelhandelsgeschäfte. Mit den Parkplätzen, die nicht direkt am Gebäude, sondern auf der anderen Straßenseite liegen, sehen die Investoren kein Problem. REWE-City in München habe eine ähnliche Situation. Das klingt vielversprechend und spielt den Räten in die Hände, die nach einer entsprechenden Haushaltsbefragung in der jüngsten Sitzung nach weiteren Einkaufsmöglichkeiten für ihre Bürger suchen. Im geplanten Industriegebiet „Östlich der B 471 und südlich des Verkehrskreisels“ wird es Einzelhandel bis maximal 250 Quadratmeter geben, so der Beschluss. „Ein Supermarkt braucht mindestens 800 Quadratmeter“, erklärte Bauamtsleiter Andreas Sauer. Gegen große Supermärkte wandten sich die umliegenden Gemeinden Wörthsee, Eching und Grafrath, weil sie um die Existenz ihrer eigenen Läden fürchten. Auch von Gesetzes wegen seien große Supermärkte dort nicht zulässt, so Sauer. Beides nicht ausschlaggebend für die Entscheidung. „Die Inninger sollen nicht wieder mit dem Auto zum Einkaufen fahren müssen, sondern zu Fuß gehen können“, argumentierten die Räte unisono. Optimal sei das Kaufhaus Sedlmayr dafür geeignet, betonte Bürgermeister Walter Bleimaier. Alles gut also? Ja, wäre da nicht die „Mietproblematik“, wie der Käufer es nennt: „Die Familie Sedlmayr zieht nicht aus, obwohl sie keinen gültigen Mietvertrag hat. Es gibt zwar ein Urteil, aber sie gingen in Berufung.“ Im März ist der Prozess. „Die ganzen Einrichtungsgegenstände und Waren aus den 1990er Jahren sowie die alten Einkaufswägen stehen noch drinnen.“ Der Rathauschef bestätigte beides auf Nachfrage. Dazu äußern wollte sich die Familie Sedlmayr nicht. Nur: „Das liegt bei der Behörde und ist nicht abgeschlossen.“ Bleimaier hat noch einen weiteren Standort im Visier, nämlich das Areal auf dem Nachbargrundstück des EDEKA am Ortsausgang. Dort träumt er neben einem großzügigen Supermarkt von einem „Indoor-Wochenmarkt“. Nur der Grundstückbesitzer muss noch überzeugt werden. Es tut sich also was in Sachen Stärkung des innerörtlichen Einzelhandels, einer Aufgabe, zu der sich das Gremium am Dienstag bekannte. Und es ist nicht ausgeschlossen, dass sich das ehemalige Kaufhaus Sedlmayr bald mit Leben füllt und vielleicht trotz Besitzerwechsel den Ausruf „Ich geh‘ mal schnell zum Sedlmayr“ kurzfristig wiederbelebt wird. mk

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