Dreimonatige Bewährungsstrafe und Nachzahlung

Seefeld: Vater (48) bleibt insgesamt 15.000 Euro Unterhalt für Tochter (19) schuldig 

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Seefeld – Die 19-jährige Tochter mochte ihrem Erzeuger im Gerichtssaal nicht ins Gesicht schauen: Den Vater (48), am Starnberger Amtsgericht wegen Verletzung der Unterhaltspflicht angeklagt, hatte die mittlerweile volljährige junge Frau aus Seefeld selber angezeigt, nachdem er ihr in der Vergangenheit bis zu 15.000 Euro an Unterhalt schuldig geblieben war.

In der konkret verhandelten Anklage ging es um die Säumigkeit seit April 2014, monatlich 112 Euro Kindesunterhalt, den der aktuell in Puchheim von „Hartz IV“ lebende Vater nicht gezahlt hatte. „Ich gebe das zu, aber ich dachte, es wären gemäß Düsseldorfer Tabelle 352 Euro im Monat“, führte der Beschuldigte etwas überraschend an – diese Summe hätte er als Leistungsempfänger (409 Euro) nicht leisten können. Zur Tochter habe er „leider gar keinen Kontakt, nicht mal die Handy-Nummer“, so der Angeklagte, der zugleich versprach,künftig „einen Dauerauftrag“ für die Unterhaltszahlungen einzurichten, „damit Sie sehen, dass ich gewillt bin“. Vermeintlich „gewillt“ sei der Vater auch schon früher gewesen, zuletzt bei einem Treffen im Dezember 2015, erklärte die Tochter im Zeugenstand, nur habe er dann den Beteuerungen keine Taten folgen lassen. Angezeigt hatte die 19-Jährige ihren Erzeuger offenbar, weil ihr der Geduldsfaden gerissen war: Vor etwa drei Jahren hatte der nämlich eine Festanstellung als Hausmeister (1.362,72 Euro Monatsgehalt) von sich aus gekündigt und sich danach auch nicht arbeitslos gemeldet. „Ich wollte damals Vater Staat nicht auf der Tasche liegen, hätte mich dafür geschämt“, rechtfertigte der 48-Jährige sein Handeln. Schon zum Stichtag 25.April 2015 hatte sich sein Unterhaltsrückstand indes auf 13.505 Euro belaufen, zitierte Richterin Brigitte Braun aus den Unterlagen den damaligen „Anerkennungsbetrag“. Braun zum Angeklagten: „Wenn man Familien-Schulden hat und sieht, alles kann man nicht schaffen, gibt es auch die Möglichkeit, ein bisserl zu zahlen.“ Unterhaltsempfänger seien „in der Regel froh, über-haupt etwas zu bekommen“, so die Richterin. Der Säumige gab sich sofort zerknirscht: „Da hat's Hirn halt nicht so gschaltet, wie's sollte. Ich bereue das heute sehr.“ Er sei im betreffenden Zeitraum „fünf Monate obdachlos gewesen“, führte er entschuldigend an. Die Tochter, momentan in der Ausbildung zur Arzthelferin und noch bei der Mutter lebend, berichtete dagegen: „Soweit ich weiß, wurde die volle monatliche Summe von ihm noch nie gezahlt, sonst vom Jugendamt“, so die 19-Jährige. Dem „Vater“ notierte sie auf dessen Bitte hin immerhin die Handy-Nummer: „Und du weißt, wo ich wohne!“ Das Gericht verurteilte den Pflichtunterhaltsverletzer zu drei Monaten auf Bewährung, verbunden mit der Auflage, 2.000 Euro von den Unterhaltsrückständen an die Tochter (in monatlichen Raten von mindestens 100 Euro) zu zahlen. „Wenn Sie dem nicht Folge leisten, droht Ihnen Sicherungshaft“, machte die Richterin dem Verurteilten den Ernst der Lage klar. Der schien einsichtig: „Man muss auch mal was vor den Bug kriegen!“ Mit sei-ner Tochter will er sich auch wieder treffen. Die meinte skeptisch: „Wenn was dabei rauskommt...“ mps

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