"Moralische Verpflichtung"

Am Söckinger Mausoleum nagt der Zahn der Zeit - Stadtrat will Schäden untersuchen lassen

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Das Söckinger Mausoleum weist Schäden an der Fassade sowie im Innenraum auf. Eine Sanierung ist dringend notwendig. Der Starnberger Stadtrat hat nun eine Voruntersuchung am Gebäude bewilligt, um das weitere Vorgehen planen zu können (Symbolbild). 

Starnberg/Söcking - Das unter Denkmalschutz stehende „Mausoleum Prinz Carl“ in Söcking ist „dringend instandsetzungsbedürftig“, wie das mit der Thematik befasste Kulturamt festgestellt hat. Im Bauausschuss verständigte man sich nun einmütig (10:0) darauf, zumindest Voruntersuchungen zu beauftragen – Kostenrahmen: 70.000 Euro. Eine tatsächliche Instandsetzung könnte die Stadt noch weit teurer kommen.

Das Mausoleum, ein zylinderförmiger Rundbau mit aufgesetzter Laterne, befindet sich im Eigentum der Stadt, seit die Familie Almeida es ihr zum Geschenk machte. Starnberg erwachse somit allein auf Grund des Denkmalschutzcharakters der Anlage hieraus eine gesetzliche Verpflichtung, es zu erhalten, wie Otto Gassner (UWG) im Bauausschuss anmerkte. Ludwig Jägerhuber (CSU) sprach zuvor von einer „moralischen Verpflichtung“ der Stadt, aber auch davon, dass man sich wegen der Instandhaltungskosten aus den gleichen Gründen an den Wittelsbacher Ausgleichsfonds wenden sollte.

Marc Fiedler (FDP) mahnte sogleich: „Wir sollten uns bewusst sein, was da auf uns zu kommt“ – womöglich Lasten „im siebenstelligen Bereich“, für die Stadt derzeit unmöglich zu bewältigen. Allein für die Vorunter-suchungen (zur offiziellen Feststellung der Schäden und Bezifferung der Sanierungskosten) veranschlagt das Kulturamt knapp 64.435 Euro, wovon 50 Prozent (32.200 Euro) vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege übernommen würden. 

Ob es für die eigentliche Instandsetzung des Mausoleum wiederum Förderung gäbe, ist ungewiss: „Da dürfte man locker noch einen Nuller dranhängen“, schätzte Franz Sengl (Grüne), der gleichwohl die Voruntersuchung „ganz klar“ befürwortete. Christiane Falk (SPD) hätte gerne eine Klärung der Gesamtfinanzierung gehabt, ehe sie der Voruntersuchung zustimmen mochte. Doch für Ludwig Jägerhuber (CSU) gab es da kein Vertun: „Wir wissen, dass das Mausoleum immer weiter verfällt und somit immer teurer wird, wenn wir nichts machen – das wird dann ein Fass ohne Boden!“

Otto Gassner (UWG) sah die Angelegenheit pragmatisch: Noch gebe es Fördermittel, und noch bestehe „keine Gefahr für Leib und Leben der Bewohner“. Gassner haderte lediglich damit, dass Bayern und die Wittelsbacher „den 66er Krieg verloren“ hatten.

Das Mausoleum in Söcking wurde laut städtischem Hochbauamt „als Grabstätte für die im Jahr 1838 verstorbene Gemahlin des Wittelsbacher Prinz Carl von Bayern, Marie-Anne-Sophie Petin, spätere Gräfin von Bayrstorff vermutlich vom Münchner Architekt Joseph Daniel Ohlmüller als Rotunde im Stil des romantischen Klassizismus geplant“. Prinz Carl von Bayern (1795 – 1875), ein jüngerer Bruder König Ludwig I., wurde ebenfalls, wie dann auch seine zweite Frau Henriette, im Mausoleum bestattet. 2017, so die Stadt, „wurde ein Parkpflegewerk in Auftrag gegeben und in den Folgejahren auf der Grundlage dieser Empfehlungen das Gelände um das Mausoleum nach Süden ausgeschnitten, um den ursprünglich vorhandenen Ausblick wiederherzustellen.“

Die inzwischen aufgetretenen Schäden beschreibt das Kulturamt wie folgt: „Schäden an den Fassaden und im Innenraum . . . aufgrund unzureichender Regenwasserableitung“, die Stuckmarmoroberfläche löse sich großflächig vom Mauerwerk ab . . . Wasser könne ins Mauerwerk eindringen. . . . . „starke Abwitterungen an der Stufenanlage . . . Ausbrüche an den Treppenstufen (Unfallgefahr) . . . undichte Verfugungen . . . Abplatzungen der Steinoberfläche“, Fenster, Lüftungsgitter und Blechdachflächen müssen wiederhergestellt werden usw.

Von Thomas Lochte

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